Fitz der Weitseher 03 - Der Nachtmagier
leid. Das weitere Geschehen entglitt jedoch meinem schwachen Willen, und ich wurde wie ein Blatt im Wind weitergetrieben.
Ob ich höher hinauf oder in die Tiefe geweht wurde, - ich wusste es nicht. Ich fühlte nur, das ich mit meinem Körper nur noch wie mit einem Spinnwebfaden verbunden war. Gleichzeitig zerrte an mir eine verführerische Strömung, die mich ermutigte, alles einfach loszulassen. Von irgendwoher hörte ich das ängstliche Winseln eines Wolfes. Dann zupften geisterhafte Finger an mir, als ob sie meine Aufmerksamkeit erregen wollten.
Fitz. Sei auf der Hut. Kehr um.
Veritas. Aber sein Gabenruf hatte nicht mehr Kraft als ein Windhauch, trotz der Anstrengung, die es ihn wohl kostete. Etwas wie ein kalter Nebel befand sich zwischen uns, etwas, das genauso nachgiebig wie undurchdringlich war und uns wie Dornen umrankte. Ich bemühte mich vorsichtig, so viel Angst in mir zu schüren, dass ich in meinen Körper zurückflüchten konnte. Doch es schien mir so, als wäre ich in einem Traum gefangen, aus dem ich mich bemühte aufzuwachen. Ich fand keine Möglichkeit, mich zu befreien. Mir fehlte schlicht die Willenskraft dazu, es zu versuchen.
Ein übler Geruch von Hundemagie liegt in der Luft, und sieh einer an, wen haben wir da? - Will hakte sich in mir fest wie mit Katzenkrallen und zog mich zur weiteren Begutachtung dichter an sich heran. Ein herzliches Willkommen, Bastard. Seine diabolische Befriedigung erweckte meine ureigensten Ängste zu neuem Leben. Ich fühlte, wie sein zynisches Lächeln mit einem Gifthauch seine Lippen umspielte. Keiner von beiden tot, weder der Bastard mit seiner abartigen Magie noch Veritas, der falsche Thronanwärter. Hm, hm! Da wird sich Edel aber ordentlich darüber ärgern, dass er nicht so erfolgreich war, wie er dachte. Diesmal aber werde ich die Sache für ihn zu einem erfolgreichen Ende bringen. Aber ganz auf meine Weise. Ich spürte wie heftig an meinen Schutzwällen gerührt wurde, was fast intimer war als ein Kuss. Während er mich nach meinen Schwächen abtastete, war es so, als ob er das Fleisch einer Hure knetete. Dabei baumelte ich wie ein Kaninchen in seinem Griff und wartete nur auf den Genickschlag, der mir den Garaus machte. Es erschütterte mich, wie sehr er an Stärke und Schläue gewonnen hatte.
Veritas. Ich wimmerte nach meinem König, aber er konnte mich weder hören noch mir antworten.
Will wog mich in seinem Griff. Was nützt dir diese Kraft, die du nie zu beherrschen gelernt hast? Nichts, gar nichts. Ah, aber mir wird sie Flügel und Krallen verleihen. Mit deiner Hilfe werde ich stark genug, um Veritas zu finden, wo immer er sich auch verbergen mag.
Plötzlich strömte die Kraft aus mir heraus wie aus einem durchlöcherten Wasserschlauch. Ich hatte keine Ahnung, wie es Will gelungen war, meine Barrieren zu überwinden, und ich wusste kein Mittel, ihn daran zu hindern. Er haftete sich wie ein Blutegel an mein Bewusstsein und saugte alles aus ihm heraus. Auf diese Art hatten schon Justin und Serene König Listenreich getötet. Und wie schnell er gestorben war, von einer Sekunde zur anderen, wie eine Seifenblase, die zerplatzt. Auch ich war schon zu schwach, um mich zu wehren, als Will nach und nach alle Mauern zwischen uns einriss. Seine fremden Gedanken übten einen wachsenden Druck auf mein Bewusstsein aus. Er stöberte in meinen geheimsten Gedanken, während er die ganze Zeit weiter meine Substanz in sich aufnahm.
Doch in mir gab es einen Wolf, der auf Will wartete. Mein Bruder!; beschwor Nachtauge unseren Bund und stürzte sich auf ihn. Irgendwo in riesengroßer Entfernung stieß Will einen grauenhaften Schrei aus. Wie stark er auch in der Gabe sein mochte, er besaß nicht das geringste Wissen über die Alte Macht. Er war Nachtauges Angriff so hilflos ausgeliefert wie ich dem seinen. Schon einmal, als Justin mich mit der Gabe attackiert hatte, war Nachtauge mir zu Hilfe gekommen. Ich hatte gesehen, wie Justin in sich zusammenbrach, als wäre er von einem Wolf angesprungen worden. Damit hatte er seine Konzentration und die Kontrolle über die Gabe verloren, und mir war es gelungen, mich von ihm loszureißen. Ich konnte nicht sehen, was mit Will geschah, aber ich spürte Nachtauges schnappende Kiefer. Die gewaltigen Ausbrüche von Wills Entsetzen trafen mich wie stürmische Winde. Er floh, und ich war so unvermittelt aus seinem Würgegriff entlassen, dass ich einen Augenblick lang nicht wusste, wer ich war. Dann fand ich mich hellwach in meinem
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