Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
Vom Netzwerk:
Endes doch immer wieder«, führte Sire Myrachon den Satz zu Ende. Er und die Feldherren ritten an der Spitze des Heeres der Ewigen nach Syrkun - an der Spitze eines Heeres, das nun doch nicht so klein
ausfallen würde wie zunächst befürchtet, denn schließlich musste man auch noch die Streitkräfte dazurechnen, die sich bereits in der Garnison Syrkun befanden. Aber auch jetzt schon wirkte es sehr beeindruckend, wie es auf dem Weg zur Feste durch die Ebene nahe der Schlachtfelder von Irgist zog. Sie waren keineswegs bei Nacht und Nebel aufgebrochen, ja, der Sire hoffte sogar darauf, dass man dem Feind darüber berichten und ihre Schlagkraft reichlich übertreiben würde. Aus diesem Grund hatte sich das Heer sehr darum bemüht, größer und stärker zu erscheinen, als es eigentlich war. Sie zogen durch jede Stadt, die an ihrer Strecke lag, in einem prachtvollen Aufmarsch vorbei an jubelnden und erwartungsvollen Bürgern, und gaben sich stolz und hoffnungsfroh, auch dann, wenn ihnen niemand zusah. Nach den Vorstellungen von Sire Myrachon sollten sie den Eindruck gut organisierter und erfahrener Kämpfer vermitteln, um den Feind so einzuschüchtern. Er setzte darauf, dass die Fantasie zu ihren Gunsten wirken würde. Das war zumindest die Theorie. Allerdings bezweifelten die Feldherren, ob dieses Manöver auch in der Praxis funktionieren würde. Aber der Sire war eben der Sire. Und wenn man ihn glücklich machen konnte, ohne die Truppen zu sehr zu strapazieren oder in Gefahr zu bringen, dann wollte man es auch tun.
    Und so wirkte das Heer nun eher, als würde es zu einer Parade aufmarschieren statt zu einem Feldzug. An der Spitze ritt der König auf einem Schimmel und ganz in Weiß gekleidet. Edelsteine zierten sein Panzerhemd und ein weiß-blauer Federbusch schmückte seinen Helm. An seiner Seite trug Alvidrin, ganz in Rot auf einem Fuchs, die Reichsstandarte mit der Lilie und dem Adler auf rotem Grund. Auf seiner anderen Seite ritt Brandan Stolzblitz, der in der orangefarbenen Uniform der Berittenen Blitztruppen blendend aussah. Er trabte auf seinem Schecken neben dem König her, doch wenn er es darauf angelegt hätte, wäre er allen davongeprescht.

    Dann folgten Fardan der Ältere, der Kommandierende General des Geflügelten Sturms - ein hochgewachsener und stattlicher Mann mit silbernem Haar, schwarz eingefärbten Stirnfransen und dunkelgrünen Augen -, Selennian, der Hauptmann der Infanterie, der nicht älter als siebenhundert Jahre war, mit platinblonden Haaren, und Elenis von Altambra mit seiner immer verstrubbelten Frisur, der die Reguläre Kavallerie anführte und zwei verschiedenfarbige Augen hatte: eines hellblau und das andere violett.
    Etwas abseits hielt sich Venissian der Schütze, ein hochgewachsener, sehniger Mann mit eisblauen Augen, der die Haare zu einem langen goldblonden Zopf geflochten hatte. Dahinter kamen dann die Feldherren der Verbündeten Truppen mit Theresian von Vilianna an der Spitze und schließlich danach in geordneten Reihen das Heer des Sire, dessen Männer in ihren Uniformen sehr martialisch wirkten. Der Wind blähte Standarten in allen Farben und Mustern: Der Süden war mit Möwe und Segel vertreten, die Goldene Stadt mit einem Kelch und einem Raben auf braunem Grund, Mymar mit dem silbernen Baum, Irgist mit Wolf und Schwert und Ardistar mit einer violetten Blüte auf gelbem Untergrund. Die Männer unterhielten sich leise und auch die Feldherren bildeten da keine Ausnahme - in solchen Momenten konnte man nicht schweigen.
    »Was meint Ihr damit, dass die Geschichte sich wiederholt?«, fragte Alvidrin und brachte die Standarte gefährlich ins Wanken, als er sich zum Sire hinüberbeugte.
    Myrachon schüttelte den Kopf und der weiß-blaue Federbusch auf seinem Helm zitterte. »Brandan hat recht mit seinem Gefühl, alles schon einmal erlebt zu haben. Was hier geschieht, hat sich schon andere Male wiederholt, zumindest in ähnlicher Weise. Die Angriffe, die Niederlagen, die Verzweiflung, ja sogar unser Aufbruch zur alles entscheidenden Schlacht, all das ist bereits geschehen. Die Akteure wechseln, aber die Ereignisse wiederholen sich
stets, und ich fürchte, auch dieses Mal wird nicht das letzte gewesen sein.«
    »Aber es könnte für uns das letzte Mal sein«, sagte Selennian leise, der vielleicht wegen seines jugendlichen Alters zu einer eher nüchternen Betrachtungsweise neigte. »Mag ja sein, dass sich Geschichte, Ausgangslage und was auch immer gleichen. Doch eines steht fest:Wer

Weitere Kostenlose Bücher