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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
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ausgegeben, was Ihr angesichts Eurer Verbrechen wohl kaum sein könnt! Und dann habt Ihr mich angelogen, als Ihr sagtet, Ihr wärt ein Ewiger. Denn das seid Ihr nicht, gebt es doch zu!«
    Theresian bedachte den König mit einem eiskalten Blick.
»Und Ihr habt es von Anfang gewusst, oder?«, zischte er. »Dass ich ein Halbdämon bin.«
    Die Feldherren hätten nicht bestürzter dreinblicken können, wenn Theresian gestanden hätte, der Zwillingsbruder des Herrn der Finsternis zu sein.
    »Ein Halbdämon!«, rief Alvidrin erschrocken aus. »Ein Halbdämon! Eine schreckliche Kreatur! Die Frucht einer verbotenen Verbindung!« Dann drehte er sich abrupt zum König um. »Und Ihr, Sire, Ihr habt das gewusst?«
    »Nein, ich wusste es nicht mit Sicherheit.« Myrachon sah Theresian wieder vorwurfsvoll an. »Doch ja, ich fürchtete, dass er irgendwie etwas mit Dämonen zu tun haben könnte. Allerdings hielt ich es für besser, das zu verschweigen. Es konnte sich ja auch um einen törichten Irrtum meinerseits handeln. Ich habe ihm vertraut und das war wohl falsch.« Theresian wollte etwas dazu sagen, doch der Sire brachte ihn mit einer Handbewegung zum Verstummen. »Und ich bin mir sicher, dass Ihr mir noch etwas verschweigt.«
    »Also gut!«, rief Theresian aus, der nun selbst verletzt war. »Ich versuche mir die ganze Zeit einzureden, dass Eure Empörung natürlich ist, aber es will mir nicht gelingen! Ich versichere Euch, dass ich von Anfang bis Ende immer die Wahrheit gesagt habe. Was soll ich denn noch tun? Soll ich Euch die Geschichte meines Lebens erzählen? Das will ich gerne, wenn Ihr mich darum bittet. Und wenn Eure wackeren Männer hier nicht mehr ihre Klingen auf mich richten. Aber dafür sollten wir uns besser setzen, denn das wird keine kurze Geschichte.«
     
    »Wenn Ihr nun bitte auch noch befehlt, dass die Herren ihre Schwerter einstecken«, sagte Theresian höflich zum König. »Ich habe schon einmal gesagt, ich bin keine wütende Bestie, und ich habe nicht die Absicht, jemanden der hier Anwesenden umzubringen. Ich möchte nur reden. Darf ich nun?«

    Nachdem der König ihn einen Augenblick lang aufmerksam gemustert hatte, wie um zu ergründen, ob der Admiral ihn anlog, nickte er resigniert. »Weg mit den Waffen«, befahl er.
    Wortlos steckten die acht Soldaten ihre Schwerter in die Scheide, doch Alvidrin warf dem Sire einen sehr skeptischen Blick zu.
    »Ich weiß schon, was ich tue.« Energisch kam Myrachon einem Einspruch seines Hohen Ratgebers zuvor. »Also bitte, Theresian. Wenn Ihr etwas zu sagen habt, das Euch entlastet, ich bin ganz Ohr.«
    Wie auf ein geheimes Stichwort ließen sich alle Feldherren nieder.
    »Vielen Dank.« Theresian lächelte und neigte noch einmal ehrerbietig den Kopf. »Ihr glaubt doch an das Schicksal, nicht wahr? Ich habe ja früher nicht daran geglaubt, aber ich habe inzwischen gelernt, es doch zu tun. Denn so wie es aussieht, hat das Schicksal ein wenig zu sehr sein Spiel mit mir getrieben, und das hat begonnen, noch ehe ich das Licht dieser Welt erblickte. Meine Mutter war eine Kriegsbeute, eine Sklavin der Dämonen, und sie wurde dementsprechend behandelt. Es lässt sich ja nicht leugnen, dass die Dämonen aus dem Schoß der Finsternis entstanden sind. Doch auch sie haben Gefühle, meist jedoch solche, die jeder, der über so genannten Anstand und so genannte Moral verfügt, nicht an sich heranlassen würde. Ich bilde mir nicht ein, dass Ihr versteht, wovon ich rede.« Auch in dieser bedrängten Lage konnte er sich diese mehr oder weniger offene Kritik am Hochmut der Ewigen nicht verkneifen. »Ihr urteilt oft nach dem Hörensagen. Doch Ihr habt nicht unter ihnen leben müssen. Ich dagegen schon. Mindestens eintausendfünfhundert Jahre lang, denn ich hatte ja keine andere Wahl. Doch eines muss man sagen: Mein Vater liebte meine Mutter wirklich, mit all der Zuneigung, zu der ein Dämon fähig ist. In dieser Hinsicht bin ich wirklich stolz auf ihn, zumindest hat er sich bemüht. Er hat versucht, sie
gut zu behandeln, auch wenn sie so anders war als er. Und zu mir war er stets sehr zärtlich und liebevoll, auch hier gab er wieder all die Zuneigung, zu der ein Dämon fähig ist. Ich glaube, dass in ihm ein guter Kern steckte, der ab und an zum Vorschein kam. Niemals hat er gegen meine Mutter oder mich die Hand erhoben. Aber er konnte eiskalt töten, wenn ihm das befohlen wurde, ohne mit der Wimper zu zucken. So sind die Dämonen nun einmal. Doch es stimmt keineswegs, dass sie von

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