Geld fressen Seele auf
Carl Meyer um einen reinen Gutmenschen handeln würde, nur weil dieser ein Kinderpatenhilfswerk sponserte bei Herrn und Frau Bundeskanzler ein und aus ging und von den Medien als der Vorzeigeunternehmer gepriesen wurde?
Ein fragwürdiger Gutmensch, der mit seinem profitorientierten Finanz- und Wirtschaftsservice, den er nach eigener Aussage a priori für Nettogeringverdiener konzipierte, weil diese Zielgruppe es verdient habe in all ihren Finanzfragen zu Altersvorsorge-, Kapital- und Sparplänen, Krankenkassen, Immobilien und Hypotheken beraten zu werden; genauso gut – wenn nicht noch besser – wie jene Großverdiener und Großvermögende, die sich gute Berater schon lange leisten konnten und würden; der dann aber in seinem gönnerhaften Unternehmensimperium Mitarbeiter betrügt um seine jovial anmutenden Spenden als Gutmensch überhaupt bezahlen zu können.
Hatte er denn allen Ernstes annehmen können, dass dieser selbstmarketingerschaffene Erfolgsmensch Carl Mayer seine Subagenten, die er als Unternehmer im Unternehmen in sein persönliches Firmenkonstrukt einspannte und die ihm diesen Europakonzern im Schweißes ihres Engagements und Umsatzes erst möglich machten, als menschlich gleichwertige, fair zu behandelnde Geschäftspartner ansehen würde?
Wer so dumm, naiv und gutgläubig war das zu glauben, so wie er, der durfte sich eigentlich nicht beschweren sondern musste kleinlaut seinen Fehler einräumen.
Seine Gedanken gingen weiter: Welchen Bärendienst hatte er seiner Familie erst mit dieser Blindheit erwiesen? Dabei tröstete ihn jetzt auch nicht die Gewissheit, dass Angelina lange Zeit genauso von der GFS-Geschäftsidee überzeugt gewesen war wie er selbst. Auch hatte sie ihn immer wieder weiter und weiter angetrieben, mehr und noch mehr Geld zu verdienen und noch mehr Büros zu eröffnen – doch blind gefolgt war allein er. C. M. hatte Angelina auch nicht von ungefähr immer wieder ins Ohr geflüstert: » Ihr Mann kann so erfolgreich werden wie ich! «
Seine Frau schien sich außerdem in diesen GFS-Jahren total verändert zu haben; sie war richtiggehend geldgeil geworden.
Das Savoir-vivre, mit allem Schickimicki, Glimmer und Glamour, von St. Moritz über Nizza und L. A. bis Bora Bora, hatte für sie und selbst für die Kinder immer mehr Wichtigkeit und Stellenwert bekommen. Dafür war sie sogar bereit gewesen, zuhause auf ihren Mann, Liebhaber und Vater ihrer Kinder je länger je mehr zu verzichten.
Dennoch wusste Francisco, dass die Verantwortung für diese spätere missliche Lebenslage überwiegend, wenn nicht allein, bei ihm lag. Also ging er davon aus, dass es folglich allein an ihm sei, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen, und zwar so, dass die seinerzeit doch irgendwie wieder schwanger gewordene Angelina und seine beiden Kinder möglichst wenig zusätzlich belastet werden mussten. Doch ohne wirtschaftliche Einschränkungen und Verzicht auf bisher Liebgewordenes und Gewohntes würde dies für sie alle sicher nicht ablaufen können.
Sein Anwalt war leider im Ausland und nur telefonisch erreichbar gewesen. So konnte er sich lediglich fernmündlich mit diesem über das Schreiben und die Fristen der GFS-Anwaltskanzlei austauschen. Dieser neue Rechtsvertreter riet ihm, auf keinen Fall die von der Gegenseite geforderten Wertsachen und Bankdokumente herauszugeben; er wolle zunächst schriftlich auf dieses Forderungsschreiben reagieren, weshalb er das besagte Schreiben per Faxzusendung erbat.
Zwei Tage später rief Franciscos ehemaliger Stellvertreter – jetzt neuer GFS-Büroleiter – an und forderte ihn in einem ziemlich dreisten Ton auf, alle Geschäftsgelder die sich noch auf diesem Ansa-Bürokonto befänden, auf sein neues Büro- und Namenskonto zu überweisen. Francisco antwortete ihm, dass diese Gelder so lange auf dem Ansa-Konto eingefroren blieben, bis er sich mit der GFS über alle Pendenzen einig geworden sei. Wütend legte der ehemalige Stellvertreter daraufhin den Telefonhörer auf.
Die Quittung sollte Francisco in nächster Zeit bekommen.
Sein Rechtsanwalt beantwortete zunächst diesen Forderungsbrief der GFS-Anwälte und wies die GFS-Forderungen als kausal ungerechtfertigt komplett zurück. Darüber hinaus listete er in Absprache mit Francisco die Gegenforderungen auf und setzte ebenfalls eine Frist bis zu deren Erfüllung. Sein Anwalt zeigte sich davon überzeugt, dass
C. M. respektive der GFS Vergleichsverhandlungen
Weitere Kostenlose Bücher