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Glashaus

Titel: Glashaus Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charles Stross
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Kommando darüber übernehmen kann. Gerade erst habe ich mich hingelegt, während der Schutzanzug sich um mich geschlossen hat, und schon im nächsten Moment stehe ich in den Ruinen eines Sektors, der zum Orbital der Grünen Finger gehört, und habe plastische Erinnerungen an den Wahnsinnsangriff vor Augen. Sofort ziehe ich mein Schwert, stimme das System meines Strahlengewehrs auf die Suchmaschinen in meinen Augäpfeln ab, löse mich aus den Schaumresten des Hitzeschilds und mache mich auf den Weg in die bewohnten Zonen.
    Das Folgende berichte ich im Schnelldurchlauf:
    Sobald wir das Gemeinwesen eingenommen haben, stellen die Zivilisten ein ziemliches Problem dar, denn sie sind alle mit Curious Yellow infiziert. Und dabei handelt es sich um die ursprüngliche Version, die die Zensur in sich beförderte, und nicht um die späteren Hackerprogramme diverser Inquisitionen und Diktaturen, die es auf die Kontrolle über Bewusstsein und Wahrnehmung abgesehen hatten. Die ursprüngliche Sprengladung der Zensur zerstört nicht nur Erinnerungen an Verbotenes, sondern hinterlässt auch Ableger in den Gehirnen ihrer Opfer und eine Boot-Vorrichtung in deren Netlinks. Wenn sich die damit Infizierten in ein ungeschütztes Assembler-Tor heraufladen, können diese subversiven Dinge zum Leben erwachen und die Firmware des Tores angreifen. Also müssen wir alle Bewohner des Habitats, das wir gerade mit Schwertern und Strahlengewehren durchkämmt haben, umzingeln und sie einem Recycling unterziehen. Und dazu stehen uns nur unsere eigenen primitiven Dekontaminationstore zur Verfügung.
    An diesem Punkt setzt die traumtypische Logik an.
    Die gegnerischen Assembler-Tore sind die fortschrittlichen, eleganten Produkte einer ausgereiften Techgnosis. Unsere A-Tore dagegen sind primitive Machwerke, handgefertigt in ein paar Megasekunden auf der Grundlage allen Wissens, das wir retten konnten. Wir haben sie in blindem Eifer zusammengebaut, als uns klar wurde, wie weit die Kontamination schon fortgeschritten war, vor allem in allen A-Toren der Republik Is. Zwangsläufig sind sie schlampig konstruiert, ineffizient und langsam. Was wir gebaut haben, funktioniert zwar, aber nicht schnell. Also lassen wir unsere A-Tore im Halbduplex-Modus laufen, bei dem stets nur eine Station senden kann, während die andere empfängt. Wir demontieren und speichern die Bürger, damit wir sie anschließend auf Viren scannen und danach reinkarnieren können. Und da wir nicht alle Zugänge gesichert haben und andere Zentralrechner innerhalb des Sechsfingrigen Grünen Königreichs so hinterhältig wie verzweifelt zurückschlagen, müssen wir schnell vorgehen.
    Nach rund fünftausend Sekunden, in denen wir die Widerstand leistenden Zivilisten eingesammelt und den Toren einverleibt haben, gibt mir Truppenführerin Major Nordak neue Anweisungen. »Die Körper bremsen uns«, sendet sie. »Sammelt nur die Köpfe ein. Wir werden alle Zivilisten reinkarnieren, sobald wir die Lage unter Kontrolle haben.«
    Eine riesige Menge von Zivilisten befindet sich in einer Wartezone auf Deck J und wuselt dort verwirrt und verängstigt herum. Zwei von unserem Trupp greifen sich Menschen heraus, schieben sie durch eine Tür und sagen ihnen, es handele sich um Vorbereitungen zur Evakuierung vom Habitat. Manche von ihnen wollen nicht gehen, aber es bringt nichts, sich mit Panzergrenadieren herumzustreiten, und schließlich kommen sie mit uns, ob sie wollen oder nicht. Für das Schicksal, das sie erwartet, macht es keinen Unterschied, nur dass sie bei Widerstand Quetschungen und gebrochene Gliedmaßen davontragen. Wir führen sie durch die inneren Türen, die sich erst öffnen, wenn die äußeren geschlossen sind. Danach regt sich in allen Widerstand, denn jetzt sehen sie Loral und mich auf der anderen Seite der Innentür warten, bemerken das Angriffstor, unsere Schwerter und den Haufen ausrangierter Leiber.
    Loral und ich wechseln uns jeweils ab, denn diese Arbeit ist hart und belastend. Ich schnappe mir ein widerstrebendes Opfer, vielleicht eine dicke Frau in unverändert menschlicher Gestalt oder einen mageren Kerl, der wirklich einen neuen Körper brauchen könnte. (Manche von ihnen haben wie die Wilden gelebt, sich aus Angst vor Curious Yellow geweigert, die Assembler zu benutzen, und sind tatsächlich gealtert .) Dann fessele ich die Opfer und lege sie auf den von Schleim und Blut glitschigen Fußboden. Normalerweise schreien sie. Viele nässen sich auch ein, wenn Loral die Biffe Klinge

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