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Glencoe - Historischer Roman

Titel: Glencoe - Historischer Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Lyne
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Das Heer der Hochländer war in der Ebene von Cromdale geschlagen worden. Es gab zahllose Tote und noch mehr Gefangene, aber Sandy Og lebte. Das berichtete der Bote als Erstes, und danach berichtete er, was Sandy Og getan hatte. Seine Worte blieben Ceana im Ohr, sie hörte sie des Nachts vor dem Einschlafen. Sie wollte die Arme ausstrecken und Sandy Og umfangen; sie wollte ihn an sich drücken und ihm die Schultern liebkosen. Und nicht allein die Schultern. Über das, was sie sich erträumte, war sie erschrocken und selig zugleich. Sie fuhr sich ins Nachthemd und umfasste ihre Brüste. Habe ich nicht gewusst, dass es das ist, was uns bevorsteht, musste ich dazu Hebamme werden? Ihr Leben lang hatte sie sich gesehnt, einem Menschen nah zu sein, und jetzt erst erfasste sie, was diese Nähe ausmachte. Sie hatte nur zermürbenden Schmerz gekannt. Jetzt lernte sie, dass Schmerz süß sein konnte.
    Ich müsste eine Freundin haben, um ihr zu erzählen, dass icheinen Mann begehre. Aber Ceana hatte keine Freundin, sondern nur den Uralten, der sie seit dem Tag im Schnee nicht aus den Augen ließ. Es war verrückt, dass Ceana ihrerseits die Campbell nicht aus den Augen lassen konnte. Die hatte sich noch mehr zurückgezogen, hockte in ihrer Hütte und tat nichts, und Ceana verachtete sie und war wütend, weil Sandy Og kein solches Zerrbild von einer Frau verdiente. Dennoch fühlte sie sich ihr verbunden, als wäre sie ein Teil von Sandy Og, weil sie seinen Namen trug und in seinem Haus lebte. Die Campbell sah krank aus, das Gesicht verschwitzt und gedunsen, die Haut wächsern und bleich. Vielleicht starb sie, vielleicht ging sie so schleppend und verließ kaum die Hütte, weil sie auf den Tod wartete. Es wäre der einfachste Weg. Würde Sandy Og weinen, wenn sie starb?
    Der Sommer war warm und schön. In einer dieser warmen Nächte, als ihr Körper sich nach Sandy Og sehnte, schlich sich Gormal an Ceanas Bett und rief sie zur Entbindung. »Bei der Sorcha ist’s Zeit«, flüsterte sie. Ceana schnürte sich eilig den Rock um und folgte.
    Durch die Mondnacht liefen sie zu Sorchas Hütte, aus der die Schreie der Gebärenden drangen. Im Raum brannte eine Hammelfettlampe, die stinkenden Rauch verbreitete, und über das Heidelager, auf dem rücklings die Frau lag, hatte jemand ein vergilbtes Leintuch gebreitet. Sorcha hielt sich den weißen, blau geäderten Bauch, der aufgeblasen war wie ein Weinschlauch, und stöhnte mit jedem Atemzug. Auf dem Schemel vor der Bettstatt saß der Knecht Ben, was Ceana so verblüffte, dass sie stehen blieb. Bei der Kindsgeburt hatten Männer keinen Platz, selbst Sandy Og war nur geduldet worden, weil er sich mit keinem Knüppel hatte vertreiben lassen und weil alle glaubten, seine Frau würde sterben. Ben aber war nicht einmal jemandes Mann, sondern nur ein Knecht. Was hatte der hier zu suchen?
    Ceana sagte nichts. Gormal aber schien die unausgesprochene Frage zu verstehen. »Ich hab ihn bei ihr gelassen, weilsie Angst hatte«, erklärte sie. Ben stand auf, um den Schemel Gormal zu überlassen, die aber setzte sich nicht, sondern kniete sich vor das Bett und wischte Sorcha mit einem Lappen das Gesicht ab.
    Sorcha stöhnte.
    Im nächsten Atemzug genügte kein Stöhnen mehr, ihr Körper bäumte sich, und ihrer Kehle entrang sich ein Schrei. Mit festen Strichen fuhr Gormal ihr über den Bauch, hielt ihr dann einen Krug an den Mund und ließ das Wasser ihre Lippen benetzen. Ceana hatte helfen wollen, doch jetzt fühlte sie sich ausgeschlossen. Sie hätte die Frau nicht berühren können, hatte Angst, der Weinschlauchleib werde beim sachtesten Streifen platzen, und stand mithin nutzlos herum wie Ben.
    Zu dem, nicht zu ihr sagte Gormal: »Ich brauch mehr Wasser. Und mach am Feuer noch Tücher warm.«
    Wieder bäumte sich die Frau, und der Laut, den sie ausstieß, war so grässlich, dass Ceana sich die Ohren zuhielt. Die Augen aber wandte sie nicht ab, in dem Geschehen lag, so bedrohlich es war, eine Kraft, der sie sich nicht entziehen konnte.
    Sorcha trat wild mit den Beinen, Gormal sprang auf und umfasste ihre Fesseln. Ben kam mit Wasser zurück, blieb jedoch zwei Schritte vor dem Bett stehen, auf dem die Frau zum Gotterbarmen schrie.
    Gormal drängte ihr die Beine auseinander, schob sich dazwischen und strich wiederum über den Leib. Die Frau schrie und krümmte sich, sie konnte unmöglich noch lange durchhalten. Als Nächstes winkelte Gormal ihre Beine an und drückte sie an den geschwollenen Leib, stemmte

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