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Glencoe - Historischer Roman

Titel: Glencoe - Historischer Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Lyne
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ihr Gewicht dagegen. »Pressen, pressen!«
    Sorchas Gesicht – gefletschte Zähne, blutrote Haut, blaue Venen wie Knotenstricke – war nicht länger menschlich.
    »Pressen, pressen, gleich ist’s geschafft!«
    Jetzt fiel Gormal zwischen Sorchas Beinen wieder auf die Knie, griff ihr mit beiden Händen in die Scham und zerrtesie auf, bis sich zeigte, was darinnen war, ein dunkles Büschel Haar. Sorcha brüllte und presste sich die Seele aus dem Leib, und Gormal lobte sie in lauten Schreien: »Brave Sorcha, weiter so, herrliche Sorcha!« Dabei riss sie ihr die Scham auf und zog erst das Büschel Haar und dann etwas Rundes aus ihr heraus, einen Menschenkopf, dem der winzige Leib wie ein glänzender Blitz hinterherglitt. Blut floss in Strömen, tränkte das Laken. In einem Tuch, das Ben ihr reichte, hob Gormal den neu geformten Menschen in die Höhe und durchschnitt mit ihrem Messer die Nabelschnur.
    »Du hast deinem Mann einen Sohn geboren, Sorcha.«
    Dass das Neugeborene ein Sohn war, war nicht zu übersehen, obgleich sonst alles an ihm so verschwindend klein war. Das Kindlein brüllte los, und Ceana musste lachen, eine Welle der Erleichterung erfasste sie. Womöglich entging ihr deshalb, dass Sorcha, statt selig ihr Söhnchen zu umarmen, noch immer stöhnte und sich krümmte. Wenn die Nachgeburt kommt, wird es leicht, hatte Gormal ihr erklärt, aber das hier sah nicht leicht aus, es war schlimmer als zuvor, weil die Frau keine Kraft mehr hatte. Vor Schmerzen röchelnd lag sie auf der Seite.
    »Hier, nimm ihn.« Ehe sie sich’s versah, hatte Gormal Ceana den greinenden Säugling in die Arme gedrückt. Ceana sah auf den schnappenden Mund und war sprachlos. Es war nur ein Kind, es war, was sie alle gewesen waren, aber es war deshalb umso mehr ein Wunder.
    Ben, dessen Gegenwart sie noch immer befremdete, beugte sich über das Bübchen, die entstellte Gesichtshälfte abgewandt, und schob ihm den Finger in den Mund. Ceana wollte ihn wegstoßen, doch der grobschlächtige Mann schüttelte den Kopf. »Honig«, knurrte er rau. Erschrocken blickte sie auf. War Ben nicht stumm? Statt zu schreien, begann das Kind zu schmatzen. Der Knecht zog seinen Finger zurück.
    Und dann ging alles im Handumdrehen. Die Frau schnellte in die Höhe, umklammerte im Halbsitz ihre Knie und brüllte,Gormal setzte alle Kraft ein, um ihr die Knie auseinanderzubiegen, und griff darauf wieder in ihre Scham, um das zweite Kind aus ihrem Leib zu bergen. Es sah alles gleich aus und war doch alles anders. Das Körperchen glitt nicht, Gormal musste es zerren, es hatte nichts Glänzendes, Blitzendes, sondern war grau und schlaff. So wie Mairi. Wer es gesehen hatte, erkannte es sofort: Es war tot.
    Ceana presste das Erstgeborene an sich. Gormal ließ sich von Ben mehr Tücher reichen, wickelte den kleinen Leichnam ein und schob ihn aus Sorchas Blickfeld. In der Schüssel, die Ben ihr hinhielt, feuchtete sie einen Streifen Leinen an und rieb Sorcha das schweißbedeckte Gesicht ab. Legte ihr die Brust frei. »Ceana. Gib ihr den Jungen.«
    Widerstrebend trat Ceana heran und reichte das Kind seiner Mutter. Sorcha aber schrie und schlug nach ihm, als sie es kommen sah. Gerade noch rechtzeitig zog Ceana den Knaben, der aus Leibeskräften brüllte, zurück an ihre Brust. Dass ein so kleines Geschöpf solchen Lärm erzeugen konnte, war erstaunlich, und nahezu dankbar ließ sie sich von Ben den Schreihals aus den Armen nehmen. Der Knecht rieb ihm die Mundhöhle noch einmal mit Honig aus, und das herzzerreißende Gebrüll verstummte.
    Inzwischen hatte sich Gormal zu Sorcha gesetzt und tätschelte ihr das Gesicht, aber Ceana sah ihr an, wie viel lieber sie ihr Backpfeifen versetzt hätte. »Jetzt nimm dich zusammen, hörst du? Du hast einen kräftigen Jungen. Das ist mehr, als andere haben; wir wollen deinen Mann vom Haus seines Bruders holen und ihn beglückwünschen.«
    Da Sorcha weiterwimmerte, erhielt sie nun wirklich von Gormal einen Streich auf die Wange. »Was jammerst denn du? So geht es bei Zwillingsgeburten – die sind gefährlich, oft sterben beide Kinder und die Mutter dazu. Wenn die Mutter durchkommt und ihr sogar ein Kind bleibt, hat man’s dem Schöpfer zu danken. Beide überleben nie.«
    »Nie, Gormal?«, quetschte Sorcha heraus. »Meine Mutter sagt …«
    »Erspar mir, was deine Mutter schwatzt. Von einer Zwillingsgeburt überlebt nicht mehr als eines, und wenn doch, gebührte es dem MacIain, sobald es entwöhnt ist.«
    »Es ist doch kein

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