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Glencoe - Historischer Roman

Titel: Glencoe - Historischer Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Lyne
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Lächeln, in seinen Augen Unrast. »Was ist dir denn? Sind Frau und Kinder nicht wohl?«
    »Ich habe nicht bei meiner Frau und meinen Kindern geschlafen«, sagte Sandy Og. »Ich hab die Nacht auf Wache verbracht.«
    Gewiss, jemand musste das tun, doch nicht der Sohn des MacIain. Er musste sich freiwillig gemeldet haben, um nicht mit der Campbell das Bett zu teilen, um in der Nacht in Gedanken bei Ceana zu sein. Sie küsste ihn. »Erzähl mir, was dir zusetzt.«
    Er schüttelte den Kopf. »Nein, das erzähle ich dir nicht. Wirbürden dir ohnehin genug von dem auf, was wir selbst tragen sollten, anstatt dir einen Mann zu suchen, der dich schützt.«
    Sie schlug ihn auf die Lippen. »Du schützt mich.«
    »Ha.« Er lachte gallig. »Wer so einen Beschützer hat, braucht keinen Angreifer mehr.«
    Sie schlug ihn noch einmal. »Hörst du jetzt auf und sagst mir, warum du dich zerfleischst?«
    Ohne sich abzusprechen, setzten sich beide auf den Strohsack. In ihrer Kindheit hatten sie oft so gesessen, er ein langer Schlacks und sie ein kleines Küken. Ihr Arm berührte seinen. Gegen das, was wir haben, kommt niemand an. »Jetzt sag schon.«
    »Ich kann nicht. Und ich sollte wirklich einen Mann für dich finden.«
    »Ich will keinen Mann«, sagte sie. »Gormal hat auch keinen mehr; ihr genügt ihr Knecht. Und wenn ich eines Tages nicht mehr mit Vater MacIain und Mutter Morag leben könnte, dürftest du mir auch einen Knecht geben, aber um mich kümmern musst du dich. Kein anderer.«
    Er sah sie an, als hätte er Grund, sich zu wundern.
    »Und du kannst mir alles sagen«, fuhr sie fort. »Was immer du getan hast: Es wird nichts an dem ändern, was ich von dir denke.«
    »Das glaubst du nur, weil du nicht weißt, was ich zu sagen hätte. Und einen Knecht wie Ben kann ich dir nicht geben – der ist gar kein Knecht, sondern ein Freund, und dem Himmel sei Dank, dass Gormal ihn hat.«
    »Ist es jetzt endlich genug?«, herrschte sie ihn an. »Ich will nicht von Knechten sprechen, und weshalb du einen Freund nennst, der mit dir kein Wort spricht, schert mich auch nicht. Ich will wissen, weshalb du dich so quälst.«
    »Ich hab’s nicht geschafft«, brach es aus ihm heraus. Wie oft sie diese Worte von ihm gehört hatte: nach Schwertkämpfen, um die er sich gedrückt, nach Gesprächen, in denen er den Mund nicht aufbekommen hatte, nach bösen Träumen, denener sich nicht entwinden konnte. »Ich hab’s Lochiel gelobt. Ich hab’s Sarah gelobt. Ich hab sie beide im Stich gelassen und versagt.«
    »Was hast du denn gelobt?«
    »Dass ich meinen Vater dazu bewege, den Kampf aufzugeben. Vielleicht war dieser Vertrag unser letzter Ausweg, und wer hat den verspielt?«
    Ceana hätte lieber von anderem gesprochen als vom Krieg, begriff aber, dass ihre Liebe und der Krieg zusammengehörten. Es drängte sie, ihm ins Gedächtnis zu rufen, dass sie die Frau war, die ihn verstand. »Weshalb sollst denn du dafür verantwortlich sein?«, fragte sie. »Den Clan führt dein Vater. Du bist nur sein Zweitgeborener.«
    »Ebendeshalb.« Er stöhnte. »Ich weiß, dass der Krieg verloren ist, dass kein Riesenheer aus Frankreich uns beispringt und keine Fianna aus den Bergen, dass wir uns nur selbst retten können, und zwar indem wir den verdammten Eid brechen, von dem Dundee nicht wollte, dass wir ihn schwören. Wir müssen König Jamie vergessen und uns dem Willie ergeben.« Seine Schultern sackten nach vorn. Es war alles mit einem Schlag aus ihm herausgeplatzt, und sowenig Ceana davon auch verstehen mochte, so deutlich hörte sie, dass es in ihm seit Monaten gärte.
    »Verstehst du, Ceana?« Seine Stimme war nurmehr ein Flüstern. »Mein Vater und John dürfen das nicht tun, weil die Leute sie so brauchen, wie sie sind: aufrecht, unverrückbar, Hüter der Heimat. Nur ich hätte derjenige sein können, der sie zwingt, etwas Ehrloses zu tun. Lochiel und ich wussten es schon nach Killiecrankie, wo wir gesiegt haben wie Finn gegen die Wikinger: mit so viel verlorenem Blut, dass nichts mehr da war als Erschöpfung, um sich niederzulegen und sieben Jahrhunderte zu schlafen.«
    Ceana berührte die Ader an seinem Hals. »Du hast deine Pflicht getan. Der MacIain ist dein Vater, kein Hochländer darf sich seinem Vater widersetzen.«
    »Ich hätte es tun müssen .«
    »Aber wie denn, Sandy Og? Der Vater MacIain könnte dich dafür verstoßen!«
    »Und wenn? Ist das nicht das kleinere Übel? Ich wollte uns die Heimat erhalten, aber ich hab’s nicht getan, ich habe

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