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Glencoe - Historischer Roman

Titel: Glencoe - Historischer Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charlotte Lyne
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die Standarte genommen und bin aus dem Saal gestampft, und jetzt bleibt mir nichts mehr zu tun. Vermutlich schießt mich demnächst einer tot, und ich habe nicht einmal den Schneid, es meiner Frau zu sagen.«
    »Sandy Og – was ist das denn, das du Heimat nennst?« Im Sprechen begriff sie etwas: Sie wollte ihn bei der Hand nehmen und mit ihm weggehen, weg von allem, von seiner Frau, vom Krieg, von Glencoe. Es bedeutete ihr nichts. Sandy Og überlegte. Nach einer Weile zuckte er die Schultern und legte eine Hand auf die festgeklopfte Erde. »Weiß nicht«, sagte er. »Etwas von Zuflucht und Ewigkeit.«
    Was dann kam, geschah von selbst, ohne jemandes Willen oder Zutun. Ceana streckte die Arme und schloss sie um Sandy Ogs Rücken. Sie zog sich zu ihm, auf seine Schenkel, und küsste ihn auf den Mund. Lippen auf Lippen, Schenkel auf Schenkel, Herz auf Herz. Spüren, wie das Blut in den Lippen klopft, wie sich die Muskeln in den Schenkeln rühren, wie das Herz – dein Herz und mein Herz – sich öffnet und den Schmerz loslässt. An dir ist alles richtig, als hätte ich es mir erschaffen, dein Geruch, dein Geschmack, deine Haut unter meinen Fingern. Ihre Hand stahl sich in den Riss in seiner Achsel, den Mund aber hielt sie fest auf seinem und küsste ihn, bis er sie einließ. Ich möchte in deinen Mund kriechen, mich zusammenringeln in deiner Mundhöhle, ganz ich sein in dir. Das Haar, das ihm über das Gesicht fiel, kitzelte sie, war ihr so nah, dass sie es nicht wegblasen konnte, weil zwischen ihnen kein Platz war.
    Dass er schön war, hatte sie oft genug gesehen, und jetzt fühlte sie es, ertastete seine Schönheit mit der ihren. Wenn einer mich fragt, warum ich diesen Kerl im schlampigen Hemd will, dannsage ich ihm: Weil er das, was er tut, ganz tut. So hatte sie immer gedacht. Jetzt aber war sie entzückt, dass er nichts tat, sondern sie tun ließ, dass er scheu und verstört war, dass er die Liebe nicht hinnahm, sondern über sie staunte. Wenn einer mich fragt, warum ich dich will, dann sage ich ihm: Geliebt haben mich auch andere, du aber lässt mich dich lieben.
    Er erschrak einen Herzschlag früher als sie. Ein Geräusch ließ ihn zurückzucken und seinen Mund von ihrem losreißen. Wie lächerlich man dabei aussehen musste, wie erbärmlich. Seine Lippen bewegten sich, formten Worte ohne Laute.
    Ich kann dich nicht hören, wollte Ceana schreien und sich an ihn klammern. Sie schnellte herum.
    Eine Frau stand in der Tür des Verschlags. Blond wie Butter. Eiblin. Mitten im Schrecken war Ceana erleichtert: Es war nicht die Lady oder noch schlimmer Gormal, es war Eiblin, die selbst nach Liebe lechzte und sie verstehen würde. Ceana rief ihren Namen, aber auch sie brachte keinen Laut hervor, den Eiblin hätte hören können.
    »Ich wollte dir Eier bringen«, sagte Eiblin und hob ihren Korb anklagend. »Ich wollte dir einen Weg sparen, weißt du? Wer denkt denn, dass er so was Schreckliches sehen muss, wenn er einer Freundin gefällig sein will?«
    »Nein, nein!«, rief Ceana. Den Rest brachte sie nicht heraus. Es ist nichts Schreckliches. Es ist das einzige Gute, das einzig Richtige auf der Welt. Das musst du doch wissen.
    Sandy Og schwieg immer noch. Er sah aus, als stünde der Tod in der Tür, und als Ceana die Hand nach ihm streckte, sprang er auf und wich zurück.
    »Du hast alle betrogen«, sagte Eiblin. »Mit deinen Sternenäuglein und deinem Liebmädchengesicht hast du uns alle getäuscht, sogar mich, die ich deine Freundin war. Das ist abscheulich, Ceana. Das verzeih ich nicht.« Sie schoss auf Sandy Og zu, dass Ceana vor ihn springen musste, um ihn zu schützen. »Und dir will ich sagen: Deine Frau mag eine kalte Fischflosse sein, ein dürrer Zweig, dem die Kinder im Schoß vertrocknen, aber das hat sie nicht verdient. Wer seiner Frau das antut, ist ein Lump, kein Bruder von einem braven Kerl wie meinem John. Wisst ihr, was euch beiden gebührt? Dass man euch mit Ruten aus dem Tal peitscht, einerlei, wer ihr seid.«
    Ja, ja!, schrie es in Ceana. Raus aus dem verdammten Tal und weg von euch Heuchlern. Schlagt nur zu, ihr, die ihr besser seid als wir. Eure Ruten haben uns nichts an, uns kann ja nichts mehr geschehen. Mein Liebster deckt mich mit seinem Leib, und jede Wunde, die ihr ihm schlagt, küss ich ihm tausendmal heil. Sie wollte Sandy Og in die Arme nehmen, aber er wich ihr aus und trat aus ihrem Schutz. »Ich gehe«, sagte er zu Eiblin.
    »Das könnte dir so passen!«, brüllte die ihn an, »du

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