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Gottesstreiter

Titel: Gottesstreiter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: dtv
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und fiel auf den
     Rücken. Im nächsten Moment stiegen vor Reynevans Augen hundert Blitze auf, und in seinem Kopf grollten hunderte von Donnerschlägen.
     Der Hof, die Hütte, die Scheune und der Misthaufen wirbelten durcheinander, prallten aufeinander, und Himmel und Erde wechselten
     mehrmals ihren Standort.
    Er stürzte nicht, ein paar kräftige Arme hielten ihn. Man stülpte ihm einen dicken Sack über den Kopf, band seine Hände |346| und schleppte ihn fort. Er wurde in den Sattel eines schnaubenden, stampfenden Pferdes gehievt. Das Pferd fiel sofort in Galopp
     und sprengte mit ihm über Stock und Stein. Reynevans Zähne klapperten, er hatte Angst, sich die Zunge abzubeißen.
    »Los!«, befahl einer mit rauher, feindseliger Stimme. »Los, weiter! Im Galopp!«
    Der Wind heulte und pfiff.

|347| Zwölftes Kapitel
    in dem Reynevan nach Schlesien zurückkehrt. Mit der Lebenserwartung einer Eintagsfliege der Gattung Ephemera, aber dafür versehen
     mit einem weiteren Grund, Rache zu üben.
     
    Als ihm der Sack mit einem jähen Ruck vom Kopf gerissen wurde, krümmte Reynevan sich und kniff die Augen zusammen. Gleißender
     Schnee blendete ihn schmerzhaft. Er roch Rauch und Pferdeschweiß, hörte das Stampfen, Schnauben und Wiehern von Pferden, das
     Klirren von Rüstzeug, Stimmengemurmel und begriff, dass eine große Gruppe von Leuten um ihn herumstand.
    »Ich gratuliere«, hörte er jemanden sagen, noch bevor er wieder sehen konnte, »ich gratuliere zum gelungenen Fang, Herr Dachs.
     War es schwierig?«
    »Keine große Sache«, entgegnete hinter ihm die rauhe feindselige Stimme, die er bereits kannte und die jetzt ein wenig untertänig
     klang. »Da haben wir schon ganz andere Dinge geschafft, werter Herr Ulrich.«
    »Hat einer von Schaffs Leuten etwas abbekommen? Hat irgendeiner Schaden erlitten?«
    »Nichts, was sich nicht heilen ließe.«
    Reynevan öffnete vorsichtig die Augen.
    Er befand sich in einem größeren Dorf; die Dächer der Hütten, Scheunen und Speicher überragte ein Kirchturm. Die Straße war
     angefüllt mit Reitern, es waren zum mindesten an die vierzig Pferde. Unter den Reitern befanden sich Ritter in voller Rüstung.
     Wappen waren zu sehen, darunter eines mit einem roten Hirschgeweih auf goldenem Grund. Bevor er das |348| Wappen erblickte, hatte Reynevan längst geahnt, wessen Gefangener er diesmal war.
    »Heb den Kopf!«
    Ulrich von Biberstein, der Herr auf Friedland und Sorau, Nicolettas Onkel, baute sich vor ihm auf, auf seinem Streitross wirkte
     er wie ein Berg.
    Statt Angst verspürte Reynevan Erleichterung, dass es nicht Birkhart Grellenort war.
    »Weißt du, wer ich bin?«
    Er nickte formell, brachte aber zunächst keinen Ton hervor, was ihm als Unhöflichkeit ausgelegt wurde. Der mit der feindseligen
     Stimme schlug ihm mit der Faust in die Nieren. Reynevan hatte auch ihn auf Troský gesehen. Das war Nikolaus Dachs, fiel ihm
     ein. Ein Gefolgsmann der Bibersteins. Burggraf auf irgendeiner Burg. Ich habe vergessen, auf welcher.
    »Ich weiß   ... ich weiß, wer Ihr seid, Herr von Biberstein.«
    Ulrich von Biberstein richtete sich im Sattel auf, wodurch er noch größer wirkte. Die Faust im Eisenhandschuh stützte er auf
     den gefütterten Plattenschurz seiner Nürnberger Rüstung.
    »Für das, was du getan hast, wirst du bestraft.«
    Er gab keine Antwort und riskierte damit einen weiteren Hieb. Aber Nikolaus Dachs blieb diesmal ruhig.
    »Macht ihn für den Marsch fertig«, befahl Biberstein. »Gebt ihm wärmere Kleidung, damit er nicht erfriert. Er soll heil, gesund
     und kräftig nach Stolz gelangen.«
    Aus der Gruppe, die bei den Hütten gestanden war, näherten sich drei Ritter. Zwei von ihnen waren in voller Rüstung, sie trugen
     moderne Plattenharnische mit einem Brechrand am linken Arm- und Schulterschutz, was ihnen ermöglichte, auf einen Schild zu
     verzichten. Der dritte und jüngste war nicht in Eisen, unter seinem Wolfspelz ragte nur ein wattiertes, einigermaßen schmutziges
     Wams heraus. Reynevan erkannte ihn sofort.
    »So dreht sich das Glücksrad!«, lachte Nickel von Keuschburg, der ehemalige Gefangene auf Burg Michalovice, verächtlich. |349| »Heute hast du mich, morgen hab ich dich! Na, wie gefällt dir das, Ketzer? Heute bin ich ein freier Mann, aus der Gefangenschaft
     freigekauft! Und du in Fesseln! Mit einem Strick um den Hals! Und bald wird der Henker sich deiner annehmen.« Der Jüngling
     ritt näher heran, sein Pferd zu kurzen Schritten anhaltend. Er

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