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Grün war die Hoffnung

Grün war die Hoffnung

Titel: Grün war die Hoffnung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: T.C. Boyle
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der Abzweigung nach Boynton Hot Springs, hielten sie an, um einen Fuchs zu beobachten, der im Unterholz neben der Straße jagte, und er mußte sich schwer zurückhalten, das Vieh nicht mit der Zweiundzwanziger abzuknallen, die Richard für genau solche Gelegenheiten unter dem Sitz verstaut hielt – auch wenn das Fell zu dieser Jahreszeit völlig wertlos war, hätte es doch Frischfleisch für den Topf bedeutet, und immerhin wurde er hier ja beurteilt !
    »Sieh nur, wie der hüpft«, sagte sie und beugte sich dabei so weit aus dem Fenster, daß er Angst hatte, sie könnte rausfallen. »Wie ein junger Hund, der mit einem Ball spielt.«
    »Was er da tut«, sagte Sess und rutschte auf der Sitzbank nach rechts, so daß er ihr über die Schulter sehen konnte, und damit war er ihr so nahe, daß er die Seife riechen konnte, mit der sie sich wusch, »er versucht, die Viecher aufzuscheuchen, die sich im Gebüsch verstecken, du weißt schon: Mäuse, Grashüpfer, vielleicht auch einen fetten Laubfrosch ...«
    Daraufhin wandte sie sich ihm zu, und sie war ganz nahe bei ihm, ihr Gesicht nur Zentimeter von seinem entfernt, und er wich zurück, das mußte er einfach, sie würde es auf der Bonusliste unter seinem Namen vermerken. Sollte sie doch den ersten Zug machen. Sicher doch. Sollte sie nur. »Klingt appetitlich«, sagte sie mit breitem Grinsen.
    Errötend rutschte er zurück und legte den Gang ein. »Hast du Hunger?« fragte er. »Nicht auf Froschschenkel, meine ich, sondern eher auf ein Steak oder ein Sandwich, vielleicht noch ein paar Bier zum Feiern? Denn bis wir beim Blockhaus sind, meine ich, und das ganze Zeug hier ausgeladen, die Hunde gefüttert und uns den Garten angesehen haben, weiß ich gar nicht, ob uns noch die Zeit bleibt, um ...« Er sprach nicht weiter. Selbst mit ihr im Wagen – sie saß tatsächlich neben ihm, lebendig und atmend, und warf ihm Blicke zu, die wie Marschflugkörper auf ihn loszischten – konnte er sich immer noch kaum vorstellen, wie sie durch die Tür seines Blockhauses trat. Danach verblaßte das Bild.
    Aber sie sagte, klar doch, sicher hatte sie Hunger, und zwanzig Minuten später eskortierte er sie die ausgebleichten Holzstufen des Three Pup hinauf und war dabei so stolz, als hätte er sie aus Lehm geformt und ihr höchstpersönlich Leben eingehaucht.
    Es war acht Uhr abends, und die Sonne brannte auf sie nieder und zeigte alle ihre Zähne. Die Bäume waren an ihre Schatten angepflockt, die Gästebungalows, in denen seit zehn Jahren kein Gast mehr gewohnt hatte, versanken still und heimlich in der weichen Tundra, Vögel flitzten über die verrostenden Schneeräumgeräte dahin, die auf dem Hof verstreut lagen. Man hörte das Rattern des Generators und, davon fast übertönt, das Sirren der Moskitos – natürlich waren sie da, allgegenwärtig wie immer, doch inzwischen war die Tagesschicht heimgeflogen, um sich nach dem schweren Frühstück, Mittag- und Abendessen auszuschlafen, und die Nachtschicht hatte übernommen. Er erschlug gleich ein halbes Dutzend, das seinen Unterarm angepeilt hatte, und wedelte aus Beschützerinstinkt mit der Hand über Pamelas Kopf, während sie sich durch die Fliegengittertür schoben, hinter der sie sogleich das ewige Zwielicht der Kneipe umfing.
    Die halbe Ortschaft war am Tresen versammelt, darunter auch Richard Schrader und Skid Denton, der aber wohl in der Zwischenzeit zu Hause gewesen sein mußte, denn selbst er konnte ja kaum neuneinhalb Stunden lang durchgesoffen haben – oder doch? Sobald sie hereinkamen, erhob sich allgemeines Gequatsche, einzelne Leute bewiesen echten Mutterwitz mit Kommentaren wie: »Sieh mal an, was die Katze von draußen reingebracht hat!« Ein paar von den Kerlen pfiffen sogar bei Pamelas Anblick. Die daraufhin die Hände in die Höhe streckte und eine kleine Pirouette für sie drehte. Schüchternheit gehörte nicht zu ihren Problemen, das war offensichtlich.
    Sie bestellten Bier an der Bar, und er genoß den süßen Duft ihrer Nähe, das blonde Bündel ihres Haars, das sie zu einem prosaischen Zopf geflochten hatte, die Kraft und Komplexität ihrer Beinmuskulatur, ihr Lächeln. Er bestellte Salznüsse, Knabberwürstchen und Soleier, dazu Whiskey zum Bier für beide, und Lynette grillte ihnen zwei Steaks, wobei ihr Pistolenhalfter an der Hüfte baumelte wie ein überflüssiger Hautlappen. Es war ein wirklich wunderbarer Moment, so grandios und unverfälscht, daß er ihn am liebsten nie mehr losgelassen hätte.
    Beim Steak, das

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