Hände weg oder wir heiraten: Roman (German Edition)
vielleicht lieber doch mein Haus wollte als mein Hochzeitshonorar.
»Ich fühle mich so alt«, sagte mein Vater niedergeschlagen.
»Das ist normal bei Leuten in deinem Alter«, erwiderte ich tröstend.
Er blickte argwöhnisch auf. »Was meinst du mit: in meinem Alter?«
»Na, du bist doch alt, oder?«
Er schaute drein wie ein waidwund getroffener Hirsch, und ich beeilte mich, meine Aussage wenigstens leicht zu modifizieren. »Du bist nicht wirklich alt. Also nicht im Sinne von total alt. Nicht so wie ein Greis. Oder wie alte Leute im Altersheim.«
Mein Vater zuckte zusammen. »Altersheim? Bei mir funktioniert alles tadellos! Ich bin ein Mann in den besten Jahren!«
»Wenn das so ist – weshalb veranstaltest du dann hier so ein Gejammer?«
Er wurde rot und ich ließ mich seufzend ihm gegenüber auf einen Stuhl fallen. »Du warst letzte Nacht mit Pauline zusammen, oder?«
»Sie ist zu mir ins Zimmer gekommen«, verteidigte er sich, während sein Gesicht sich noch dunkler färbte. »Sie hat …« Er schluckte, dann fuhr er mühsam fort: »Sie hat gesagt, sie hätte was gehört, vielleicht einen Einbrecher. Und ob ich … ob ich mit ihr kommen und nachsehen würde.«
»Und, habt ihr einen Einbrecher gefunden?«, fragte ich ironisch.
»Nein, es stellte sich raus, dass du es warst. Du und Sven. Ihr wart … nun ja.«
»Wir waren was ?«, erkundigte ich mich in einer Mischung aus Ärger und Verlegenheit.
»Laut.«
Ich merkte, wie ich errötete, beschloss aber, nicht auf seine Äußerung einzugehen. Wozu auch, nachdem alle Tatsachen so offen auf dem Tisch lagen.
Ich erinnerte mich, dass ich ein- oder zweimal ein paar sehr enthemmte Geräusche von mir gegeben hatte. Vielleicht auch öfter.
Klar, dass Pauline und mein Vater schnell auf den Trichter gekommen waren, wer für den Krach verantwortlich war, und vermutlich hatten sie gleich danach beschlossen, den restlichen Abend mit einem gemütlichen Pläuschchen in ihrem Zimmer ausklingen zu lassen. Worauf dann eins zum anderen geführt hatte.
Fragte sich nur, warum mein Vater aussah wie sieben Tage Regenwetter, wenn doch bei ihm alles noch angeblich so super in Schuss war.
Ich holte mir eine Tasse Kaffee, setzte mich wieder zu ihm an den Tisch und wartete.
Er druckste herum und drehte seine leere Tasse in den Händen. »Pauline ist … Sie ist eine wunderbare Person. Ich … mag sie.«
»Dann ist doch alles bestens«, sagte ich, obwohl sich mein ganzes Inneres dagegen sträubte.
Er blickte auf. »Das meinst du nicht wirklich und ich merke es.«
»Ich kann nichts dran ändern«, sagte ich in abweisendem Ton. »Sie ist meine Freundin und du bist mein Vater. Über den Altersunterschied will ich gar nicht erst reden, auch nicht über solche Kleinigkeiten wie deine Geschäfte beziehungsweise wie du das alles finanzierst.«
Er nickte, als hätte er nichts anderes erwartet. »Das habe ich wohl verdient. Willst du mit Pauline darüber sprechen? Über die Sache mit den Geschäften?«
»Ich hatte es nicht vor«, sagte ich wahrheitsgemäß. »Allerdings wird es sich vielleicht nicht umgehen lassen, wenn Oleg auf die Idee kommt, Stanislaw sein Messer noch mal rausholen zu lassen. Vielleicht, weil er gerne Zinsen möchte oder so was.«
»Ach, die sind gar nicht so hart, wie sie immer tun. Das ist ihr russisches Temperament, weiter nichts.«
»Dein Wort in Gottes Ohr.« Ich trank einen Schluck von meinem Kaffee. »Warum erzählst du mir das mit Pauline eigentlich? Willst du meinen Segen oder so was in der Art?« Ein hoffnungsvoller Gedanke durchzuckte mich. »Oder willst du ein neues Leben anfangen? Eins mit einer geregelten Arbeit und ohne Import-Export-Geschäfte?«
Er hob nur kurz die Brauen, also lag ich mit dieser Idee wohl leider daneben.
»Wieso bist du dann so mies drauf? Findet Pauline dich auch zu alt?«
Er schüttelte den Kopf und wirkte plötzlich richtiggehend deprimiert. »Britta, ich habe mich total in sie verliebt. Wie ein junger Kerl. Wenn ich sie nur ansehe, könnte ich abheben.«
Ich merkte, wie meine ablehnende Haltung bröckelte. Plötzlich konnte ich sogar Mitleid für ihn empfinden. »Ach Papa, das tut mir so Leid. Das muss echt schlimm für dich sein!«
Er war erstaunt. »Wieso?«
»Na, weil sie deine Gefühle nicht erwidert.«
Mein Vater straffte sich. »Wer sagt das? Selbstverständlich erwidert sie meine Gefühle!«
Ich verdrehte die Augen und stand auf. »Dann verstehe ich ehrlich gesagt nicht, warum du so ein Getue
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