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Helle Barden

Helle Barden

Titel: Helle Barden Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Terry Pratchett
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»Jawohl!«
    »Oberobergefreiter Detritus?«
    »Ja?«
    »Was hast du da auf dem Kopf?«
    Boing. »Oberobergefreiter Knuddel das gebaut für mich. Es sein besonderer mechanischer Denkhelm.«
    Knuddel hüstelte. »Diese großen Teile hier sind Kühlrippen, siehst du?
    Ich habe sie schwarz gestrichen, damit sie die Wärme leichter abgeben.
    Von meinem Vetter habe ich einen aufziehbaren Mechanismus bekom-
    men, und dieser Ventilator hier bläst kühlende Luft über…« Er unter-
    brach sich, als er Colons Gesichtsausdruck bemerkte.
    »Daran hast du die ganze Nacht gearbeitet?«
    »Ja. Weil ich glaube, daß Trollgehirne zu h…«
    Der Feldwebel brachte ihn mit einem Wink zum Schweigen.

    »Wir haben jetzt also einen aufziehbaren Soldaten«, brummte Colon.
    »Meine Güte, wir sind wirklich eine tol e Truppe.«

    Gaspode war in geographische Verlegenheit geraten. Er wußte vage, wo
    er sich befand. Sein gegenwärtiger Aufenthaltsort lag irgendwo hinter
    den Schatten, in einem Labyrinth aus Hafenbecken, Kaianlagen und
    Viehhöfen. Zwar glaubte er, daß die ganze Stadt ihm gehörte, doch in
    diesem Revier fühlte er sich fremd. Die Ratten hier konnten es von der
    Größe her mit ihm aufnehmen, und seine Gestalt erinnerte zumindest
    grob an die eines Terriers – zum Glück verwechselten ihn die Ratten mit
    einem. Inzwischen war er schon von zwei Pferden getreten und fast von
    einem Karren überfahren worden. Und er hatte die Fährte verloren. Vor
    allem deshalb, weil Angua nicht verfolgt werden wollte. Ihre Spur führte
    einmal in diese und dann in jene Richtung. Sie hatte Dutzende von Dä-
    chern und mehrmals den Fluß überquert. Werwölfe waren gut auf der
    Flucht – immerhin stammten die lebenden Exemplare von Vorfahren ab,
    denen es gelungen war, zornigen Mengen zu entkommen. Wer sich von
    aufgebrachten Leuten einholen ließ, hatte keine Gelegenheit mehr,
    Nachkommen zu zeugen – und in den meisten Fällen auch kein Grab.
    Einige Male endete die Spur an Mauern oder an Hütten mit niedrigen
    Dächern. Dann schlurfte Gaspode hin und her, bis er sie wiederfand.
    Wirre Gedanken zogen durch sein schizophrenes Hunde-Selbst.
    »Kluger Hund brachte Rettung«, murmelte er. »Braves Hündchen, sa-
    gen al e. Aber ich bin gar nicht brav. Ich mache das nur, weil man mich
    dazu zwingt. Die Wundernase. Ich wol te es überhaupt nicht. Du Wirst
    Einen Leckeren Knochen Bekommen. Ich bin nur Treibgut auf dem
    Meer des Lebens. Braves Hündchen… Halt die Klappe.«
    Die Sonne kroch am Firmament empor. Weiter unten kroch Gaspode
    durch die Stadt.

    Willikins zog die Vorhänge beiseite, und heller Sonnenschein strömte
    herein. Mumm stöhnte und setzte sich langsam im zerwühlten Bett auf.
    »Lieber Himmel«, brachte er hervor. »Wie spät ist es?«
    »Fast neun Uhr morgens, Herr«, antwortete der Diener.

    »Neun Uhr morgens? Und um solche Zeit soll ich aufstehen? Normalerweise krieche ich erst aus den Federn, wenn der Nachmittag alt gewor-
    den ist.«
    »Aber jetzt braucht der Herr nicht mehr zu arbeiten, Herr.«
    Mumm sah auf das Durcheinander aus Decken und Laken. Einige hat-
    ten sich ihm um die Beine gewickelt.
    Dann fiel ihm der Traum ein.
    Er war durch die Stadt gewandert.
    Eigentlich war es nicht in dem Sinne ein Traum, eher eine Erinnerung
    – schließlich wanderte er jede Nacht durch Ankh-Morpork. Etwas in
    ihm gab nicht auf. Ein Teil seines Ichs lernte Zivilist zu sein, doch ein älterer Aspekt seines Wesens marschierte – nein, patrouil ierte – in einem anderen Takt. Jetzt wußte er, warum ihm die Stadt im Traum so sonderbar leer erschienen war.
    »Möchte sich der Herr selbst rasieren, oder soll ich das für ihn erledi-
    gen?«
    »Ich werde nervös, wenn mir jemand Klingen vors Gesicht hält«, sagte
    Mumm. »Aber wenn du so freundlich wärst, das Pferd vor den Wagen zu
    spannen… Dann versuche ich, mich ins Bad zu begeben.«
    »Sehr lustig, Herr.«
    Mumm badete noch einmal – der Reiz des Neuen. Gewisse Hinter-
    grundgeräusche deuteten darauf hin, daß die al gemeinen Aktivitäten in
    der Villa nun in die kritische Phase eintraten: Der Zeitpunkt H wie
    Hochzeit stand unmittelbar bevor. Lady Sybil widmete den diesbezügli-
    chen Vorbereitungen die gleiche Aufmerksamkeit wie dem Bemühen,
    Sumpfdrachen durch selektive Zucht von Schlappohren zu befreien.
    Sechs Köche arbeiteten seit drei Tagen in der Küche, brieten dort einen
    ganzen Ochsen und stellten erstaunliche Dinge mit exotischen Früchten
    an. Bisher hatte

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