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Himmel über Tasmanien

Himmel über Tasmanien

Titel: Himmel über Tasmanien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: T McKinley
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seinen Namen niemals preisgeben.« Sie holte tief Luft, offenbar machte ihr der dramatische Augenblick Spaß. »Ich werde seinen Namen sogar mit ins Grab nehmen, nur um euch alle zu ärgern, weil ihr mir mein Leben zerstört habt.« Mit diesen Worten schob sie sich durch die Fliegentür und ließ sie hinter sich zuknallen.
    Tiefes Schweigen legte sich über die Küche. Clarice platzte beinahe vor Wut. Doch als sie der Verletzung und Scham im Gesicht ihrer Schwester gewahr wurde, kam sie wieder zur Ruhe. »Oh, Eunice«, flüsterte sie, »Gott sei Dank hast du mich gebeten zu kommen.«
    »Ich wollte es nicht«, erwiderte sie, ihre Wange auf den Kopf des Kindes gelegt.
    »Du hast mir noch immer nicht verziehen«, stellte sie nüchtern fest.
    Eunice’ braune Augen starrten sie über den Tisch hinweg an. »Ich habe schon vor langer Zeit gemerkt, welche Sorte Mann ich geheiratet hatte«, sagte sie, »aber ich wollte es mirnicht eingestehen. Was zwischen euch beiden vorgefallen ist, war schockierend, und obwohl es lange gedauert hat, habe ich mich damit abgefunden.«
    »Ich hatte ihn nicht ermutigt, Eunice.«
    Ihr Blick war ruhig. »Nicht absichtlich, ich weiß. Aber Lionel konnte nie einer hübschen, vernarrten jungen Frau widerstehen – und du hast geglaubt, in ihn verliebt zu sein, oder nicht?«
    Clarice senkte den Kopf. »Ja«, antwortete sie leise. »Wie dumm ich doch war. Es tut mir unendlich leid, Eunice. Kannst du mir jemals wirklich verzeihen?«
    »Da gibt es nichts zu verzeihen. Nicht mehr.« Sie griff über den Tisch nach Clarice’ Hand. »Mein Stolz hat mich davon abgehalten, zu schreiben, und im Lauf der Jahre wurde es immer schwieriger, die richtigen Worte zu finden. Aber als Lorelei da war und mein Gesundheitszustand immer schlechter wurde, wusste ich, dass ich dich wiedersehen musste, bevor es zu spät war.«
    Clarice ging um den Tisch herum zu Eunice und umarmte sie sanft. »Oh, meine liebe, liebe Schwester«, seufzte sie. »Wir stehen das durch, du und ich, und ich verspreche dir, ich werde dir nie wieder wehtun.«
    Eunice’ Lächeln schwand, als ihr Tränen in die Augen stiegen. »Möchtest du Lorelei einmal auf den Arm nehmen?«
    Widerwillig hob Clarice die Kleine hoch und setzte sie auf ihre Hüfte. Sie hatte nur wenig Erfahrung mit kleinen Kindern und Angst, sie fallen zu lassen, doch als sie das Kind anschaute, stellte sie fest, dass es sie aus kornblumenblauen Augen ernst ansah. Ihr Herz schmolz dahin, als eine sternenförmige Hand ihr Gesicht berührte, und während sie sich ansahen, wurde Clarice von der gewaltigsten Liebe überwältigt, die sie je empfunden hatte.
    Clarice hatte ihre Tränen getrocknet und eine Decke über Bess gebreitet. Vera würde schon bald zu ihr herunterkommen, und sie könnte den Gärtner bitten, Bess unter der Magnolie zu begraben. Das war an den warmen Sommertagen der Lieblingsplatz der Hündin gewesen, und dort würde sie ihren Frieden finden.
    Sie saß da in der Stille, und ihre Gedanken kehrten in die andere Küche in Tasmanien zurück. Die tief empfundene Liebe für Lorelei hatte sie überrascht, doch sie war nie vergangen. Was Gwen betraf – sie hatte ihr Versprechen gehalten, und bis heute hatte Clarice keine Ahnung, wer Loreleis Vater war.
    Joe betrachtete Ocean Child und kam zu dem Schluss, dass er zunahm. »Genug Weide für dich, Kumpel. Zeit, dass du in den Stall kommst und Diät hältst.«
    Er führte den Hengst von der Auslaufkoppel auf den Hof, wo Bob gerade Moonbeam striegelte. »Ab sofort Rennfutter für den Jungen hier, Bob, sonst trampelt er über die Rennbahn in Hobart wie ein überfressener Wombat.«
    »Geht klar.« Bob wischte noch ein letztes Mal mit dem Tuch über Moonbeams glänzende Hinterhand und grinste vor Stolz. »Schätze, ich könnte den ersten Preis für das bestgeratene Fohlen kriegen, was? Eliza würde es gefallen, meinst du nicht?«
    Joe lächelte. »Ich dachte, du hättest Dolly dein Herz geschenkt«, spöttelte er.
    Bob wurde rot. »Schon gut«, brummelte er. »Ein Kerl muss sich alle Möglichkeiten offenhalten, oder?«
    Joe schüttelte den Kopf über Bobs wechselnde Leidenschaften und machte sich auf den Weg in sein Büro. Vor dem Abendessen war noch Zeit genug, um die Buchhaltung zu machen, den Auftrag für den Futterlieferanten zu schreibenund sicherzustellen, dass alles für das Rennen gerichtet war. Er war ganz in seinen Papierkram vertieft, als seine Mutter ihn unterbrach.
    »Ich hab dir eine Tasse Tee gemacht«, sagte sie

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