Himmel über Tasmanien
nicht ignorieren. Patrick warnte sie, er werde zur Polizei gehen, falls sie bösartige Gerüchte über ihn oder seine Familie verbreiten würde. Wir haben nichts mehr gehört.«
»Ich vermute jedoch, das war noch nicht alles. Wenn sie bei Dad kein Geld loseisen konnte, musste sie woanders hingehen.«
»Stimmt«, sagte Molly nachdenklich, »denn obwohl sie über die Identität des Vaters geschwiegen und niemand sich zu dem Kind bekannt hat, glaube ich, dass sie die ganze Zeit gewusst hat, wer es war.«
»Warum ist sie dann nicht direkt zu ihm gegangen und hat Unterstützung für sich und ihr Baby gefordert?«
»Weil er damals kein Geld hatte, und sie dachte, Patrick sei finanziell gesehen die bessere Wahl.«
Joe schaute sie durchdringend an. »Was versuchst du mir zu sagen, Mum?«
»Ich glaube, ich weiß, wer Lulus Vater ist.«
11
L ulu war seit zwei Wochen in Tasmanien, und Molly verhielt sich ihr gegenüber zwar milder, aber zwischen ihr und Dolly herrschte noch immer Anspannung. Sie stand schweigend im Türrahmen und sah zu, wie Molly die Hühner füllte. Die einfältige Dianne war nach Hause gegangen, Dolly nahm ein Bad, und die Männer waren draußen beschäftigt. Der ideale Zeitpunkt für einen Versuch, Frieden zu stiften.
»Kann ich helfen?«
Molly band die Hühner zu, ließ sie in einen Bräter fallen und wischte sich die Hände an der Schürze ab. »Danke, aber ich bin hier fertig.« Sie stellte die Hühner in den Ofen und schlug die Tür zu.
»Das muss harte Arbeit sein, so viele Münder satt zu bekommen«, sagte Lulu. »Ich bewundere Ihre Ausdauer.«
Molly war auf der Hut. »Danke«, brummelte sie, »aber ich bin daran gewöhnt.«
»Das denke ich mir.« Lulu setzte sich an den Tisch. »Könnte ich bitte eine Tasse Tee haben, Molly? Ich bin nach dem abendlichen Ausritt wie ausgetrocknet.«
Molly stellte den Kessel auf die Herdplatte und hantierte mit Tassen, Tee und Zucker. Das Schweigen war unangenehm, und Lulu bückte sich, um einen der Hunde zu tätscheln, der sich in die Küche geschlichen, sich vor sie hingesetzt und den Kopf auf ihren Schoß gelegt hatte. »Ich mag Hunde einfach, Sie auch? Sie lassen einen nie im Stich oder fällen ein Urteil.«
Molly stellte zwei Becher voll Tee auf den Tisch und setzte sich. »Ein Haus ist kein Zuhause ohne ein paar Hunde«, sagte sie, noch immer wachsam. »Haben Sie einen in England?«
Lulu nickte. »Sie heißt Bess. Clarice hat sie mir geschenkt, als Bess noch ein Welpe war, aber jetzt ist sie alt.« Sie nippte an ihrem Tee. »Molly, mir ist klar, dass wir einen schlechten Start hatten, und obwohl Sie offensichtlich unglücklich darüber waren, mich hier zu haben, waren Sie eine hervorragende Gastgeberin. Ich hoffe nur, dass wir unsere Streitigkeiten beilegen und Freundinnen werden können.«
Mollys Lippen zuckten. »Ich hab mit Ihnen nichts zu schaffen, aber Ihre Freundin hat ’ne scharfe Zunge, und ich lasse in meinen eigenen vier Wänden nicht so mit mir reden.«
»Dolly ist sehr beschützend, was mich angeht«, erwiderte Lulu ruhig. »Wir sind seit Jahren befreundet, und obwohl sie zuweilen schwierig sein kann, hat sie ein gutes Herz.«
»Das ist mir klar.« Mollys Blick war ruhig und durchdringend. »Mir macht’s nichts aus, zuzugeben, dass ich Sie hier nicht haben wollte, aber jetzt, da Sie hier sind, sehe ich, dass ich Ihnen Unrecht getan hab. Sie sind kein bisschen wie Gwen, nicht wahr?«
»Das hoffe ich doch«, erwiderte Lulu voller Überzeugung.
Molly grinste und schnippte eine verirrte Locke beiseite, die vor ihren Augen baumelte. »Ich schätze, wir beide werden ganz gut miteinander auskommen. Bei so vielen Männern ringsum sollten wir Frauen zusammenhalten. Manchmal langweilt mich ihr Gerede über Pferde und Rennen und Futtermittel und das Glücksspiel Two-up – wissen Sie, es hat Spaß gemacht, Sie beide über Frauensachen sprechen zu hören.« Sie seufzte und zupfte an der großen Baumwollschürze, die ihre alte Hose und die Bluse bedeckte. »Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal ein Kleid oder einen schicken Hut getragen habe.«
Lulu sah die Wehmut in ihrem Ausdruck, und ihr Herz wurde weich. Das Leben war hart gewesen für Molly Reilly. »Sie werden die Chance haben, wenn wir nach Hobart zu denRennen gehen«, sagte sie, »und Dolly hat genügend Hüte übrig, um ganz Harrods zu versorgen, ich bin mir sicher, dass sie Ihnen einen leihen wird.«
»Das ist nett von Ihnen, meine Liebe, aber ich werde
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