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Himmel über Tasmanien

Himmel über Tasmanien

Titel: Himmel über Tasmanien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: T McKinley
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zu gehen und zu beweisen, dass sie etwas wert war, dass sie ungeachtet ihrer Herkunft Anerkennung für ihre Begabungen erlangen konnte. Und genau das hatte sie getan, als sie nach England entkommen war, denn Clarice hatte sie geliebt und beschützt, hatte ihr geholfen, den Stolz und den Glauben an sich zu entwickeln, an denen es ihr als Kind so bitterlich gemangelt hatte. Doch sie hatte nicht auf Clarice’ Warnungen gehört, und nun war sie wieder hier – in Tasmanien –, und der Ruf und der Hass ihrer Mutter verbreiteten bereits giftige Wolken, vor denen es anscheinend kein Entrinnen gab.
    Lulus Tränen versiegten allmählich, hatten sie jedoch keineswegs geschwächt, sondern in ihrer Entschlossenheit noch bestärkt. Sie putzte sich die Nase, schaute sich um und merkte, dass die Zeit vorangeschritten war und die Sonne bald hinter den Bergen versinken würde. Sie erhob sich und holte tief Luft. Dolly durfte niemals erfahren, wie aufgebracht sie war, denn sie würde auf ihrem sofortigen Aufbruch bestehen – und das wollte Lulu nicht. Mrs. Reilly würde sie ohne Zweifel am liebsten von hinten sehen, doch wegzulaufen war keine Antwort.
    Sie steckte das Taschentuch ein und machte sich mit weit ausholenden Schritten auf den Weg zur Hütte. Mrs. Reilly würde schon bald feststellen, dass Lulu Pearson ungeachtet der Gerüchte und vermuteten Charakterschwächen aus hartem Holz geschnitzt war und dass die Jahre in England unterClarice’ Kuratel sie mit einem Geist durchdrungen hatten, der bis zuletzt gegen Ungerechtigkeit ankämpfen würde.
    Joe war am Nachmittag beschäftigt gewesen und striegelte gerade die Pferde nach ihrem Abendausritt, als er hörte, wie der Geländewagen seiner Mutter vor dem Gehöft vorfuhr.
    »Mach das hier fertig«, sagte er zu Bob und warf ihm den Striegel zu, »und danach kümmere dich um Ocean Child. Diese Nacht wird es kalt, und er muss hereingeholt werden – und er soll sich nicht mit Hafer vollstopfen. Du bist viel zu nachsichtig mit ihm.«
    Bob betrachtete ihn wachsam, und Joe wurde klar, dass er den Jungen grundlos angefahren hatte, doch seine endlosen Fragen über ihre Besucher hatten ihm den letzten Nerv geraubt. Er zerzauste dem Jungen das Haar und lächelte. »Hast deine Sache heute gut gemacht, Kumpel«, sagte er. »Hab’s nicht bös gemeint.«
    Bobs Grinsen zeigte, wie erleichtert er war. »Schätze, hier sind grad zu viele Mädchen vor Ort, dass ein Kerl sich auf nichts mehr richtig konzentrieren kann«, erwiderte er.
    »Da hast du verdammt recht«, knurrte Joe, als er zum Haus ging.
    Die Hunde begrüßten ihn unterwürfig, und er ging zerstreut auf sie ein, bevor er sie durch die Fliegentür in die Küche führte.
    Molly packte gerade ihren Einkaufskorb aus und füllte die Regale wieder auf. Von Dianne war keine Spur zu sehen. »Du bist früh dran«, sagte sie, als sie aus der Speisekammer trat und zwei Marmeladentöpfe einsammelte. »Ist was?«
    »Kann man wohl sagen«, brummte er.
    Molly stellte die Marmelade ab und verschränkte die Arme. »Was ist passiert? Es hat doch nichts mit einem der Pferde zu tun?«
    Joe schüttelte den Kopf. »Es geht um dich, Mum.«
    »Um mich?« Sie riss die Augen auf. »Aber was könnte ich getan haben, um dich derart aufzubringen? Ich war doch den ganzen Tag nicht da.«
    »Wohl wahr«, sagte er säuerlich. »Du hast dich rar gemacht und mich mit dem verflixten Durcheinander allein gelassen, das du angerichtet hast.«
    Sie lief rot an, hob aber trotzig das Kinn. »Ich weiß nicht, was du meinst.«
    »Du weißt sehr wohl, wovon ich spreche, also spiel nicht das Unschuldslamm.« Er hielt seine Stimme leise, kochte aber innerlich vor Wut. »Weißt du, was für einen Tag ich hinter mir habe?« Er wartete nicht auf eine Antwort und fuhr hastig fort: »Ich bin hingefahren, um auf das Schiff zu warten, und da war Gwen Cole, rotzfrech in ihrem Geländewagen.«
    Molly erbleichte und sank auf einen Stuhl.
    »Alle haben sie gesehen, und es war, als würde ich durch ein Minenfeld gehen, denn ich wusste, dass die Leute nur darauf warteten, einen Blick auf die Frau zu werfen, die ich abholen würde, um die Kraftprobe zwischen den beiden zu beobachten.«
    »Woher sollte ich wissen, dass Gwen auftauchen würde? Das war wohl kaum meine Schuld.« Ihre Hände flatterten auf ihrem Schoß. »Und was das Publikum angeht – damit war nach den vielen Gerüchten nur zu rechnen.«
    »Vermutlich«, gab er zu, »aber es hat auch nicht geholfen, dass Gwen versuchte, Lulu

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