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Himmel über Tasmanien

Himmel über Tasmanien

Titel: Himmel über Tasmanien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: T McKinley
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aufgestaut hat.«
    »Aber ich bin nicht Gwen«, sagte sie rundheraus. »Was hat das alles mit mir zu tun?«
    »Sie hat Angst, dass Gwen hier auftaucht, um nach Ihnen zu sehen.«
    Sie lachte verbittert. »Gwen hat sich schon bemüht, mich loszuwerden. Ich bezweifle, dass sie den weiten Weg von Poatina hierher auf sich nehmen wird, um es noch einmal zuversuchen, also muss Ihre Mutter sich darum keine Sorgen machen«, entgegnete sie.
    Joe trat von einem Fuß auf den anderen. Die Verletzung in ihrem Blick strafte ihre tapferen Worte Lügen, und ihre Stimme zitterte - vor Angst oder vor Wut? Gwens heutiges Verhalten hatte ihn schockiert, und die Nachwirkungen machten Lulu offenkundig noch zu schaffen. Wie furchtbar musste es für eine Tochter sein, zu erfahren, dass ihre eigene Mutter sie so sehr hasste, dass sie bereit war, ihr Schaden zuzufügen. Am liebsten hätte er ihre Hand genommen, um sie zu trösten und ihr zu versichern, dass sie in Galway House nichts zu befürchten hatte, aber er wusste nicht, wie sie darauf reagieren würde, und ließ die Hände daher tief in den Hosentaschen.
    Als hätte sie seine Gedanken gelesen, sagte sie leise: »Bitte, haben Sie kein Mitleid mit mir. Gwen und ich können uns nicht ausstehen, und das wird sich nie ändern.«
    Er sah ihr an, wie sie sich zusammennahm und wie schwer es ihr fiel. Seine Bewunderung für diese junge Frau wuchs, und er wünschte sich von ganzem Herzen, seine Mutter könnte hier sein, um zu sehen, wie stark sie war – und wie anders als Gwen.
    Sie schaute zu ihm auf und lächelte. »Um auf ein ganz anderes Thema zu kommen: Gibt es auf dem Gehöft ein richtiges Badezimmer?«
    Er runzelte die Stirn und fragte sich, wohin das wohl führen sollte. »Ja«, sagte er zögernd.
    »Meinen Sie, Ihre Mutter wäre damit einverstanden, dass Dolly es benutzt, damit sie sich in einer richtigen Wanne einweichen lassen kann? Sie ist wirklich nicht an Entbehrungen gewöhnt, und es hat bereits Krach deswegen gegeben.«
    »Es würde vielleicht ein bisschen peinlich …«
    »Nein«, unterbrach sie ihn. »Ich habe nicht die Absicht, einen Fuß in das Haus Ihrer Mutter zu setzen, bis sie mir einepersönliche Einladung zukommen lässt, und ich bin ganz zufrieden mit der Zinnwanne. Ich frage für Dolly.«
    »Ich werde mit Mum sprechen, wenn sie zurückkommt. Ich bin mir sicher, dass es klargeht …« Er verstummte, entsetzlich verlegen.
    »Gut, dann wäre das geklärt.« Lächelnd wandte sie sich ab. »Ich gehe lieber und teile Dolly die gute Nachricht mit.« Sie blieb wie angewurzelt stehen und drehte sich noch einmal zu ihm um. »Gibt es irgendeine Transportmöglichkeit? Ich habe Menschen und Orte zu besuchen.«
    »Sie können sich einen der Geländewagen ausleihen. Die sehen zwar aus wie Wracks, aber sie sind recht zuverlässig.«
    Sie nickte ihm dankend zu, bevor sie über die Lichtung und den Hügelkamm schritt. Kurz darauf stieg sie ins Tal ab und war nicht mehr zu sehen. Tief in Gedanken machte er sich auf den Weg zum Hof, denn er musste seine Mutter zu der Erkenntnis bringen, dass diese schmerzhafte und unangenehme Situation sofort ein Ende haben musste.
    Lulu wusste, dass er sie beobachtete, hielt den Kopf hoch erhoben und schritt gleichmäßig aus. Doch ihr Herz hämmerte, und die Tränen machten sie beinahe blind, als sie an den Pfad gelangte, über den sie ins Tal hinunterging. In der Senke angekommen, entschlüpfte ihr der erste Schluchzer, und als sie ins Gras am Flussufer sank, ließ sie den Tränen freien Lauf.
    Sie hatte geglaubt, diesen Schmerz vor langer Zeit verbannt zu haben, und jetzt, da er wieder auftauchte, ging er tiefer denn je. Der Schmerz über die Erkenntnis, dass ihre Mutter sie niemals lieben würde, dass sich nichts zwischen ihnen verändert hatte, auch wenn sie es sich noch so sehr wünschte, und dass der Schandfleck ihrer Geburt nie ausgelöscht werden könnte, solange Vorurteile von Geschwätz hinter vorgehaltener Hand genährt wurden. Würde es denn nie aufhören?Würde man ihr jemals gestatten, ihren eigenen Wert unter Beweis zu stellen, oder war sie durch Gwens Ruf verdammt – derselben Unmoral und Boshaftigkeit für schuldig befunden und zu einem Leben als Außenseiterin verurteilt? Offenbar dachte Joes Mutter so, und die schiere Ungerechtigkeit all dessen ließ sie erneut in Tränen ausbrechen.
    Jahrelang hatte sie sich bemüht, den Schaden ungeschehen zu machen, den ihre Mutter angerichtet hatte. Sie hatte darum gekämpft, ihren eigenen Weg

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