Himmel über Tasmanien
Wanken. »Margaret«, antwortete sie.
»So ein vernünftiger Name«, bemerkte Dolly mit sprödem Lächeln. »Dagegen klingt Dolores, als sollte ich in einem gefährlichen, zwielichtigen Nachtclub hinter der Bar stehen.« Sie schauderte genussvoll. »Mummy und Pa müssen einen Aussetzer gehabt haben, als sie mir den Namen meiner Urgroßmutter gaben. Sie war Argentinierin, wissen Sie, verheiratet mit einem Gaucho – furchtbar romantisch natürlich. Sie hatten eine Ranch außerhalb von Buenos Aires.«
Die Augenbrauen zuckten, und ein Lächeln lauerte in Mollys Mundwinkeln, aber sie gab keinen Kommentar ab.
»Mummy hat oft von ihrer wunderbaren Gastfreundschaft gesprochen, denn obwohl sie in der Pampa lebten, wurden ihre Gäste in den prachtvollsten kleinen Häusern mit allem nur denkbaren Luxus untergebracht.« Dollys sanfte Stimme war durchsetzt von Boshaftigkeit. »Vielleicht sollten Sie sich überlegen, etwas mit Ihrem Schuppen anzufangen? Die Lage ist ideal, aber seine Ausstattung lässt sehr zu wünschen übrig.«
Molly errötete, Dianne riss die Augen auf, und Joe rutschte auf seinem Stuhl hin und her. Lulu schaute zu Dolly hinüber,die Mollys Blick festhielt, als wollte sie eine Antwort erzwingen. Die Stimmung war geladen.
»Wie schön für Ihre Urgroßmutter«, sagte Molly, ihr Blick war unerschrocken, ihre Stimme gefährlich ruhig. »Vielleicht sollten Sie sich überlegen, ob Sie nicht lieber Argentinien besuchen? Ich bin mir sicher, dass ich die Fahrkarten besorgen könnte.«
»Das bezweifle ich nicht«, entgegnete Dolly, »aber hier geht es um Lulus Heimkehr, und obwohl sie nicht gerade warmherzig in Empfang genommen wurde, hat sie die Absicht, zu bleiben.«
»Es hat mir leidgetan, zu hören, was am Kai passiert ist«, sagte Molly und richtete ihren Blick mit nervtötender Eindringlichkeit auf Lulu. »So eine Mutter zu haben muss schwer sein.«
»Ich habe gelernt, damit zu leben«, erwiderte Lulu. Die Atmosphäre war vergiftet, und da sie es nicht länger ertragen konnte, schob sie ihren Stuhl zurück. »Ich würde Sie gern auf Ihren täglichen Ausritten begleiten«, sagte sie zu Joe. »Haben Sie ein ruhiges Pferd, das ich nehmen könnte?«
Die Erleichterung war Joe deutlich anzusehen, als er sich an sie wandte. »Meine alte Stute Sadie. Sie wird sich über die Bewegung freuen.«
Sie lächelte und nickte zum Zeichen des Dankes. »Heute möchte ich gern ein paar Dinge erledigen, vielleicht morgen?«
»Was ist mit Ihnen, Dolly? Reiten Sie?«
»Seit ich laufen kann«, antwortete sie, »und ich hätte gern ein Pferd, das mich fordert.«
Joes Mund zuckte. »Oh, ich glaube, ich kann etwas für Sie finden, das Ihnen eine denkwürdige Erfahrung verschafft.«
Lulu merkte, dass Molly sie erneut mit zermürbender Eindringlichkeit beobachtete. Sie berührte ihr Kinn. »Habe ich etwas im Gesicht?«
»Nein«, murmelte Molly, drehte hastig den Kopf und schaute zu Dianne, die mit offenem Mund und augenscheinlich fasziniert zuhörte. »Komm, wir haben zu tun.«
Lulu fiel auf, wie Mollys Hände zitterten, als sie die Teller einsammelte und einen Teil des Bestecks zu Boden fallen ließ. Joes Mutter war von der Anspannung in der Küche ebenso betroffen wie alle anderen. Zweifelsohne bereute sie bereits die Einladung ins Haus, und Lulu tat sie allmählich leid. Dolly konnte zuweilen bösartig sein, und obwohl sie es Molly nur heimzahlte, um Lulu zu unterstützen, war es nicht immer die beste Lösung.
Sie wandte sich wieder an Joe. »Können wir uns heute einen Geländewagen ausleihen?«
Als er nickte, bedankte sich Lulu, schenkte Dolly einen vielsagenden Blick und verließ die Küche.
Dolly folgte ihr ins Schlafzimmer und machte die Tür fest zu. »Was ist bloß los mit dieser Frau?«, flüsterte sie. »Sie konnte den Blick nicht von dir abwenden. Warum, frage ich mich?«
Lulu nahm den dicken Pullover und die Wollmütze vom Stuhl. »Wahrscheinlich sucht sie nach Ähnlichkeiten mit meiner entzückenden Mutter«, sagte sie unumwunden. »Komm, Dolly, lass uns von hier verschwinden.«
Joe band gerade die Hunde an einen Pfosten neben der Hundehütte, als sie nach draußen traten. »Wenn ich das nicht mache, werden Sie ungebetene Mitfahrer haben«, sagte er mit schüchternem Lächeln. Er hob die Handkurbel auf und betrachtete die beiden Frauen zweifelnd. »Damit umzugehen fällt Ihnen vielleicht ein bisschen schwer.«
Lulu lächelte beruhigend und nahm ihm die Kurbel ab. »Ich habe während des Krieges Busse in
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