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Himmel über Tasmanien

Himmel über Tasmanien

Titel: Himmel über Tasmanien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: T McKinley
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aufgewachsen war, und wusste, dass sie noch nicht bereit war, hinzugehen und einen Blick darauf zu werfen. Stattdessen begann sie den steilen Aufstieg, der sie ins Herz des Kiefernwaldes bringen würde.
    Seine vertraute Dunkelheit umfing sie, und sie wurde langsamer, um Atem zu schöpfen, ihre Stiefel fuhren durch die Kiefernnadeln und brachten den durchdringenden Geruch zutage, der Lulu an die Zeiten erinnerte, in denen es ihr gut genug ging, um hier zu spielen. Sie schaute sich um und vermeinte das Kinderlachen zu hören aus den Tagen, als sie und ihre Freundinnen den Berg hinuntergerannt waren, an den Bäumen geschaukelt hatten oder über die Klippen geklettert waren und sich gegenseitig herausgefordert hatten, immer näher an das Felsloch heranzugehen. Sie schloss die Augen, und die Echos aus der Vergangenheit verhallten im Rauschen des Windes in den Bäumen. Es war wie ein schönes Schlaflied, an das man sich nur schwach erinnerte.
    Sie schlug die Augen auf und ging langsam den steilen Berg hinauf. Die Goldakazien hatten ihre beste Zeit hinter sich, doch in der Dunkelheit des Waldes leuchtete der zitronengelbe Regen ihrer Blüten noch immer wie Leuchtfeuer, ihr Geruch war köstlich und aufrüttelnd. Ruhig ging sie weiter, ängstlich darauf bedacht, ihre tiefe Zufriedenheit darüber, allein in der Kathedrale der Natur zu sein, nicht zu stören.
    Auf dem Gipfel der Landzunge angelangt, blieb sie im Schutz der Waldgrenze stehen und schaute über den Leuchtturm hinaus zur Bass Strait. Das Wasser spiegelte den grauen wütenden Himmel, schäumte in den natürlichen Kanal, der die Landzunge teilte, und explodierte im Felsloch. Lulu setzte sich auf die Kiefernnadeln, lehnte sich mit dem Rücken an einen stämmigen Baum und nahm den Anblick in sich auf, zufrieden in ihrer einsamen Andacht.
    Die Zeit verlor ihre Bedeutung, während sie dort saß, doch Lulu wurde sich allmählich bewusst, dass der Himmel dunkler geworden war und Regen ankündigte. Sie schaute auf ihre Uhr und merkte erschrocken, dass sie seit über zwei Stunden unterwegs war. Dolly würde außer sich sein. Sie sprang aufdie Beine, kehrte dem Ausblick den Rücken zu und machte sich an den steilen Abstieg durch den verlassenen Wald und zurück an den Strand.
    Dolly schritt den Weg auf und ab, und ihr war anzusehen, dass sie wütend war. »Wo zum Teufel warst du?«, rief sie. »Ich habe dich aus den Augen verloren und … und …« Sie brach in Tränen aus, schlang ihre Arme um Lulu und blieb wie eine Napfschnecke an ihr kleben. »Ich dachte, dir wäre was passiert oder so, und hier war niemand, absolut niemand .«
    »Entschuldige bitte. Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren.« Lulu holte ein Taschentuch aus ihrer Tasche und reichte es Dolly. »Ich war egoistisch«, murmelte sie, »und du frierst. Komm, wir fahren in die Stadt und genehmigen uns eine gute Tasse Tee.«
    Dolly schnäuzte sich die Nase. »Das nächste Mal, wenn du beschließt wegzugehen, komme ich mit«, verkündete sie, stieg in den Wagen und schlug die Tür so fest zu, dass das Fahrgestell wackelte.
    Lulu biss sich auf die Lippe, denn ihr war durchaus bewusst, dass sie ihrer Freundin eine Heidenangst eingejagt hatte. Sie holte die Kurbel und hatte sie gerade in den Schaft gesteckt, als eine Bewegung am anderen Ende des Strandes ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.
    Sie spähte durch die hereinbrechende Dämmerung und runzelte die Stirn, als der Mann aus dem Wald auftauchte und an den Felsen stehen blieb. Sie war am Ende doch nicht allein auf der Klippe gewesen.
    Major Hopkins war zum Abendessen geblieben, und sie hatten alles versucht, das Rätsel um Mr. Carmichael und die Person zu lüften, die unter seinem Namen aufgetaucht war. Ihnen war klar, dass derjenige, wer immer es sein mochte, der die ursprünglichen Anweisungen an die Londoner Anwältegeschickt hatte, andere Ziele verfolgt haben musste als der Fälscher. Ihnen war auch klar, dass das Geschenk ein Lockmittel gewesen war, um Lorelei wieder nach Tasmanien zu holen. Aber warum?
    Der Major hatte sich als scharfsinniger, nachdenklicher Mann erwiesen, aber sie waren beide nicht auf eine Lösung gekommen, und Clarice hatte ihn schließlich mit dem letzten Zug nach London zurückgeschickt. Sie würden sich gegenseitig auf dem Laufenden halten, falls etwas ans Licht käme, doch sie zweifelte daran, und sie hatte den Rest der Nacht mit Grübeln verbracht, Schlaf wollte sich nicht einstellen, während sie sich hin und her warf und versuchte,

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