Himmel über Tasmanien
hatte, hätte sie zu gern Mäuschen gespielt.
Lulu hatte keine Zeit mehr, weiter nachzugrübeln, denn sie waren da. Joe schaltete den Motor ab, die Hunde sprangen herab, und die Haustür ging auf.
Lulu stieg hinter Dolly aus dem Wagen, klopfte sich den Staub ab und betrachtete die Frau, die an der Tür wartete.Kleingewachsen und gedrungen, mit ergrauendem widerspenstigem Haar und einem verwitterten Gesicht schien Mrs. Reilly der Inbegriff einer Farmersfrau zu sein. Ob man ihr trauen konnte oder nicht, blieb abzuwarten.
Lulu holte tief Luft und ging auf sie zu. »Guten Morgen, Mrs. Reilly«, sagte sie ohne viel Überschwang und schüttelte die von der Arbeit raue Hand. »Ich bin Lulu Pearson, und das hier ist meine Freundin, Dolly Carteret.«
Hinter der Neugier in Mrs. Reillys dunklen Augen blitzte Humor auf, doch ihr Lächeln war zurückhaltend. »Willkommen in Galway House«, murmelte sie.
»Danke«, erwiderte Lulu knapp.
»Das Gepäck und alles andere hat Zeit bis nach dem Frühstück«, sagte Joe und durchbrach das peinliche Schweigen. »Gehen Sie rein. Mum wird Ihnen Ihre Zimmer zeigen und wo Sie sich frisch machen können, bevor Sie essen.«
Lulu war ihm für seine Einmischung dankbar, denn Mrs. Reillys befremdlicher Blick hatte zu lange auf ihr geruht. Sie folgten ihr in die quadratische Diele und gingen die blanke Holztreppe hinauf. Der lange Flur führte über die gesamte Breite des Hauses, und es war klar, dass es hier mindestens vier Schlafzimmer gab, womit die Behauptung, es gäbe keine Unterkünfte, widerlegt war.
Molly öffnete eine Tür, und sie betraten einen großen, sonnigen Raum, von dem eine Doppeltür hinaus auf die Veranda führte. Es gab zwei bequem aussehende Betten, eine Frisierkommode mit Hocker, und auf den Holzdielen lag ein Läufer. Die Chintzvorhänge passten zu den Tagesdecken, und vom Fenster aus konnte sie über die Koppeln ins Tal hinunterschauen. Verglichen mit der Hütte war dieses Zimmer ein Palast.
»Wie nett«, sagte Dolly mit einer ordentlichen Prise Sarkasmus. »Endlich ein bequemes Bett.«
Mollys Lippen wurden schmal, und sie verschränkte die Arme. »Es ist das Beste, was wir unter den gegebenen Umständen anbieten können«, sagte sie unwirsch. Sie schaute kurz zu Lulu hinüber, errötete, als ihre Blicke sich trafen, und wandte sich ab. »Frühstück in zehn Minuten«, sagte sie. »Das Badezimmer ist nebenan.«
Es war ein schmaler Raum zwischen zwei Schlafzimmern. Die Emaillewanne stand auf Klauenfüßen unter dem Fenster, die Wasserhähne aus Messing waren blank gewienert. Die Toilette wurde gespült, wenn man an der langen Kette zog, die von einem an der Wand montierten Wasserbehälter hing, und der Boden war mit hellgrünem Linoleum ausgelegt. Handtücher hingen an Haken neben dem kleinen Waschbecken, über dem ein von Fliegen übersäter Spiegel befestigt war.
Lulu wusch sich die Hände und betrachtete ihr Spiegelbild. Die Sonne hatte ihre Haut mit einem goldenen Schimmer überzogen und die Sommersprossen auf ihrer Nase zur Geltung gebracht. Das Blau ihrer Augen schien intensiver als sonst, doch die Kopfschmerzen und das Herzklopfen vom Abend zuvor hatten dunkle Schatten hinterlassen, die auch ihre Sommersprossen nicht verbergen konnten. Ihre Haare waren ein Wirrwarr aus spiralförmigen Locken, die mit der Bürste kaum zu bändigen waren. Daher gab sie den Versuch auf und folgte dem köstlichen Duft nach gebratenem Speck die Treppe hinunter in die Küche.
»Das war ein köstliches Frühstück, Mrs. Reilly. Es tut mir nur leid, dass ich ihm nicht gerecht werden konnte.« Lulu schob den halb leeren Teller von sich und umfasste den Porzellanbecher mit heißem Tee mit beiden Händen.
»Geht es Ihnen noch immer nicht gut?« Molly runzelte die Stirn, ihre Besorgnis wirkte ehrlich.
Lulu sah keinen Grund, sie mit Plattitüden davonkommenzu lassen. »Ich habe noch ein wenig Kopfschmerzen«, sagte sie gelassen, »aber die vergehen wieder.«
Dolly legte ihr Messer und ihre Gabel geräuschvoll auf den Teller und lehnte sich zufrieden zurück. »Das war herrlich, Mrs. Reilly«, seufzte sie. »Mir war gar nicht klar, wie hungrig ich war.«
»Freut mich, dass es Ihnen geschmeckt hat«, erwiderte Molly widerwillig. Sie beäugte die beiden über den Rand ihres Teebechers hinweg. »Alle hier nennen mich im Übrigen Molly«, fügte sie hinzu.
»Ach ja?«, fragte Lulu. »Ist das eine Kurzform für irgendetwas?«
Mollys Blick geriet unter Lulus eindringlicher Prüfung ins
Weitere Kostenlose Bücher