Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Himmel über Tasmanien

Himmel über Tasmanien

Titel: Himmel über Tasmanien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: T McKinley
Vom Netzwerk:
London gefahren«, erklärte sie. »Ich glaube, ich schaffe es, einen Geländewagen anzukurbeln.« Sie steckte die Kurbel in den Schacht unddrehte sie schwungvoll herum. Der Motor röhrte auf, und sie warf triumphierend die Haare zurück – sie wusste nicht, was sie gemacht hätte, wenn es ihre Kräfte überstiegen hätte.
    »Dann ist ja alles in Ordnung«, murmelte er, und das Lachen tanzte in seinen dunklen Augen. »Sie sind offenbar zäher, als Sie nach außen hin wirken.«
    Lulu warf die Kurbel auf den Sitz, stieg ein und setzte sich zu Dolly. »Vielen Dank für den Wagen, Joe. Bis später.«
    »Wohin fahren Sie?« Er schob seinen Hut in den Nacken, ohne darauf zu achten, dass seine Narben nun von der Sonne grausam beleuchtet wurden.
    »An den Strand.« Sie drehte das Lenkrad, drückte ihren Fuß auf das Gaspedal und fuhr zum Tor.
    Joe kratzte sich am Kopf und grinste. Trotz der gertenschlanken Figur und der zarten Gesichtszüge war sie ein zähes Ding, das stand fest. Er zog sich den Hut tief in die Stirn, merkte, dass Bob in der Versenkung verschwunden war, und nahm den ersten Koffer in Angriff. Je mehr er von Lulu Pearson sah, desto besser gefiel sie ihm, aber er wünschte sich von ganzem Herzen, dass sie sich in seinem Haus nicht so unwohl fühlte. Die Atmosphäre beim Frühstück hätte man mit dem Messer schneiden können.
    Während er mit ihrem Gepäck hin- und herlief, grübelte er über seinen Eindruck von den beiden jungen Frauen nach. Dolly war eine starke Persönlichkeit mit scharfem Verstand und der Bereitschaft, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Seine Mutter hatte bereits zu spüren bekommen, dass Dolly ihr ebenbürtig war. Was Lulu betraf – sie war einfach in jeder Hinsicht perfekt.
    Er lud die letzte Truhe in der Mitte des Schlafzimmers ab und schaute auf seine Uhr. Es war bereits nach sieben, das Tageslicht ließ nach, und er hatte viel zu lange von der hübschen Lulu Pearson geschwärmt, die so unerreichbar für ihn war, dass er ebenso gut hätte versuchen können, zum Mond zu fliegen. Er trampelte aus dem Schlafzimmer, wütend, dass er sich fast aufführte wie der ewig verknallte Bob.
    »Fahren wir wirklich an den Strand?«, fragte Dolly, als sie über die harten Spurrillen des Feldwegs holperten.
    »Wenn ich ihn finde«, murmelte Lulu, die sich darauf konzentrierte, Schlaglöchern auszuweichen, die einen Achsbruch verursachen könnten. »Ich wünschte, ich hätte daran gedacht, mir eine Karte zu kaufen, aber ich hatte nicht damit gerechnet, mitten im Nirgendwo zu landen. Ich erkenne nichts wieder.«
    »Meinst du nicht, dass es zu kalt ist, um an den Strand zu gehen? Ich weiß, die Engländer können ziemlich dickfellig sein, sich gegen den Wind zusammenkauern, sandige Sandwichs essen und so tun, als mache ihnen das auch noch Spaß, aber zu denen gehöre ich nicht.«
    »Ich auch nicht«, erwiderte Lulu, »aber das ist ein ganz besonderer Strand, und es ist viel zu lange her, seit ich ihn gesehen habe, um mir über das Wetter Gedanken zu machen.«
    »Jetzt verstehe ich.« Dolly hatte vor Jahren alles über diesen Strand gehört. Sie verstummte, klammerte sich an den Türgriff, als der Wagen ein besonders schwieriges Wegstück überwand. »Sieh mal«, rief sie kurz darauf, »ein Straßenschild.«
    Der Wagen rollte im Leerlauf, während Lulu versuchte, die Wörter auf den vier verwitterten Holzpfeilen zu entziffern. »Hier geht’s lang«, sagte sie, »und es ist näher, als ich dachte.« Sie legte den Gang ein, gab Gas, und der Geländewagen rappelte und stöhnte auf dem letzten Stück Feldweg, bis sie den glatten Asphalt erreichten.
    Sie hatten etwa dreißig Meilen zurückgelegt, als sie dieRandgebiete der Küstenstadt erreichten. Dort hatte sich nicht viel verändert, und während sie der gewundenen Küstenstraße folgten, wallten in Lulu Empfindungen auf. Da waren der Holzplatz und die Gleise, und die Straße, die vom Fluss hinauf zu Lulus früherer Schule führte. Sie beschloss, sich die Schule für später aufzuheben – sie hatte es eilig.
    Dennoch hielt sie an, um einen Blick auf die niedrigen, sanften Hügel am östlichen Ufer des Mersey River zu werfen. Früher hatte dort einmal ein Fährkahn gelegen, um sie überzusetzen, erinnerte sie sich. Es war ein lustiges Holzboot gewesen mit einem rotgesichtigen, fröhlichen Kapitän, der Seemannslieder sang, wenn er seine Passagiere über den Fluss ruderte. Die Überfahrt hatte einen halben Penny gekostet – ein Viertel ihres Taschengeldes –,

Weitere Kostenlose Bücher