Im Netz Der Schwarzen Witwe
dann auf seinem Schreibtisch landete, würde er damit zurechtkommen müssen, dass er den Tod dieses Menschen nicht verhindert hatte. Und den Tod weiterer Menschen. Er würde daran denken müssen, dass er sie hätte aufhalten können. Nein, eine solche Schuld konnte er nicht auf sich laden. Jetzt und hier bot sich ihm die Chance, Serena zu stoppen.
„Ich buche einen Flug“, erklärte er.
Er wollte es nicht, aber ihm blieb keine andere Wahl.
12. KAPITEL
M ariah hörte das Telefon klingeln und lief, zwei Stufen auf einmal nehmend, die Verandatreppe hinauf.
Vielleicht war es Jonathan. Vielleicht rief er sie endlich an, um ihr zu sagen, warum er in einer lapidaren Nachricht ihr geplantes Abendessen absagte.
Seine Schlaflosigkeit war ansteckend. Den Großteil der vergangenen Nacht hatte sie damit zugebracht, sich von einer Seite auf die andere zu wälzen. Sie war hin- und hergerissen zwischen Gekränktsein und Besorgnis und hatte gleichzeitig Angst, zum Narren gehalten worden zu sein.
Sie schnappte sich das Telefon und hoffte inständig, dass sie es geschafft hatte, bevor der Anrufbeantworter ansprang. „Hallo?“, meldete sie sich atemlos.
„Oh, gut. Du bist ja doch da.“ Es war Serena. „Kannst du vorbeikommen und dir mein neues Haus ansehen?“
Mariah fluchte innerlich. „Momentan passt es mir nicht so gut, denn …“
„Ich habe dieses Haus auf dem Hügel gemietet, ganz in der Nähe von dir“, erklärte Serena.
„Das große?“
„Im Vergleich mit deinem könnte man es wohl ‚groß‘ nennen …“
„Serena, dieses Haus ist ein Palast. Du wolltest dort wohnen, seit du auf die Insel gekommen bist. Wie hast du es geschafft, dort einziehen zu können?“
Serena senkte die Stimme. „Oh, ich bewohne es nur für kurze Zeit. Es gibt einen Leerstand von anderthalb Wochen zwischen zwei Mietern. Die Miete ist hoch, aber da es sich um meine Flitterwochen handelt …“
„Deine was?“
„Ich bin gestern Abend nach Las Vegas geflogen und habe geheiratet“, erklärte Serena mit hellem Lachen. „Das war sehr spontan.“
Verheiratet. Serena war verheiratet. Wen kannte sie gut genug, um ihn zu heiraten? Doch nicht Jonathan Mills? Um Himmels willen, hatte sie etwa Jonathan geheiratet? Mariah wurde erst heiß, dann kalt, als die Furcht in ihr hochkroch. „Wer ist denn der Glückliche?“, brachte sie mühsam heraus und schaffte es sogar irgendwie, gelassen zu klingen.
Serena lachte erneut. „Das ist meine Überraschung. Ich will, dass du vorbeikommst und ihn kennenlernst.“
Jonathan konnte unmöglich Serenas neuer Ehemann sein. Das würde er ihr nicht antun. Mariah weigerte sich zu glauben, dass er zu so etwas fähig war. Er hatte beteuert, dass er sie wollte, nicht Serena. Er hatte sogar versprochen, dass er nicht mit Serena schlafen würde. Gut – dass er Serena nicht heiraten würde, hatte er nicht direkt versprochen …
„Bitte verrate mir einfach, wer es ist.“
„Mit dem Fahrrad brauchst du keine drei Minuten bis hier oben zu mir“, sagte Serena lachend. „Bis gleich also.“
Mariah starrte den Telefonhörer an und lauschte auf den Ton, der signalisierte, dass die Verbindung unterbrochen war.
Ihr würde nichts anderes übrig bleiben, als den Hügel hinaufzufahren.
Nicht, um Serena zufriedenzustellen, die ihr natürlich das neue Haus präsentieren wollte. Nein, Mariah musste zu ihrer eigenen Beruhigung hinfahren.
Sie würde Serena besuchen und sich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass der Mann, den sie geheiratet hatte, nicht Jonathan war. Sie würde sich davon überzeugen, dass es sich um einen älteren Mann handelte, der ohne mit der Wimper zu zucken Schecks in Millionenhöhe für Serena ausstellte.
Das ist doch wirklich gut, sagte sie sich, während sie ihre Turnschuhe zuband und hinaus zu ihrem Fahrrad ging, das an der Hauswand lehnte. Wenn Serena verheiratet war, brauchte sie sich keine Sorgen mehr darum zu machen, dass die attraktive blonde Frau mit ihr um Jonathans Zeit und Aufmerksamkeit konkurrierte.
Vorausgesetzt natürlich, er kam von dort zurück, wohin auch immer er aufgebrochen war. Und vorausgesetzt, er hatte eine gute Erklärung dafür, warum er ihr diese Fotos gestohlen hatte.
„Wonach hältst du Ausschau?“
John drehte sich um und entdeckte Serena an der Tür zu dem eleganten, perfekt ausgestatteten Esszimmer, dessen bodentiefe Fenster bis zu der hohen Decke reichten. „Ich probiere nur die Aussicht von verschiedenen Fenstern.“
Sie zeigte auf einen
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