Im Tal der bittersüßen Träume
auch wenn es Blut war. Jetzt saß Femola in seiner Dienststelle fest und konnte die Verfolgung der Indios nicht aufnehmen. Der Polizeihubschrauber stand im Bordell.
Jack Paddy half Pierre Porelle in den Hubschrauber. Kaum saßen sie, begannen die Motoren aufzuheulen, die Rotorflügel kreisten. Der kleine Kreisflügel am spitzen, gebogenen Heck wirbelte bereits und wurde zu einer glitzernden Scheibe, die die Sonnenstrahlen zerhackte. Außerhalb der Wagenburg stand Poppie in ihrer ganzen schwarzen glänzenden Schönheit und winkte. Lopez hob grüßend die Hand und seufzte tief. Dann drückte er ein paar Hebel, und der Hubschrauber stieg schnell empor, wie eine Riesenlibelle. Paddy blickte hinunter. Die Bordellstadt sah aus der Höhe wie ein altes Fort aus: Ein großes Karree wehrhafter Wagen, ein weiter Platz wie zum Exerzieren. Nur die bunten Sonnenschirme waren artfremd. Auf der Straße, die durch die Wüste zu dem Camp führte, erkannten sie in der Ferne eine Staubwolke.
»Neue Kundschaft«, sagte Paddy. Er zeigte hinunter. Sie zogen einen Bogen über Marys Bordellstadt. Lopez nahm Abschied von Poppie, dem ebenholzfarbenen Tierchen. »Sieht es nicht wie eine alte Wagenburg aus? Wie eine Festung?«
»Es wird ja auch scharf geschossen.«
Paddy starrte Pierre Porelle verblüfft an. »Mann, Sie haben ja Humor!« rief er fröhlich. »Bleiben Sie so, PP! In Santa Magdalena werden Sie ein heiteres Gemüt gebrauchen können.«
Heiter wurde Pierre Porelle nur für einen Augenblick, als sie, nach der Landung wieder in Paddys Wagen sitzend, die Schilder passierten:
›Stop! Seuchengefahr! Weiterfahrt auf eigene Gefahr!‹
Sie hielten kurz an und musterten die schroffen, gebleichten, in der Sonne glühenden Felsen um sich herum. Es war totes, ausgebranntes Land. Aber dann hob sich plötzlich hinter einem ausgebleichten Felsblock eine Hand und gab ein Zeichen.
Die erste Wache.
Pierre Porelle strich mit dem Zeigefinger elegant über seinen Menjoubart. »Ein mörderischer Dienst!«
»Sie haben eine Plane gespannt, man sieht es von hier aus nicht. Außerdem haben sie genug Wasser. Sie werden alle zwei Stunden abgelöst.«
»Ganz militärisch.«
»Das ist notwendig.« Paddy fuhr langsam weiter. Man hatte die sonst glatte Straße mit Geröll überschüttet, um zu verhindern, daß Pater Felix mit dem Jeep oder Evitas Wagen doch noch einen rasanten Durchbruch unternahm. An diesem Schotter mußte der beste Wagen zerbrechen. Für Paddy allerdings hieß das auch, die Hitze zu ertragen und ganz vorsichtig zu fahren. »Sie ahnen nicht, was es heißt, hier Disziplin zu halten. Meine Capatazos sind gute, fleißige Kerle, alles reinrassige Mexikaner, zum Teil mit gutem spanischen Blut. Aber wenn die Kirchenglocke läutet, löst das bei ihnen einen gewissen Kontakt aus, und sie werden unzurechnungsfähig. Bei den Indios liegt es anders. Die schwören auf ihren Doktor. Gott ist weit, aber der Medizinmann ist nah. Nun bringen sie diese Bande einmal dazu, gegen ihr Gefühl zu handeln und gezielte Aktionen gegen Pater und Arzt zu unternehmen! Ich vermute, Porelle, Sie begreifen schon jetzt auf der Fahrt, in welche Hölle wir kommen werden.«
»Wasser«, sagte PP charmant. Paddy starrte ihn an.
»Was heißt das?«
»Ihre Macht ist das Wasser, Paddy!«
»Natürlich! Sonst wäre mein Kampf aussichtslos. Meine Capatazos bekommen genug zu trinken, die Indios müssen sich das verdienen. Das ist meine ganze Taktik, die Sie nicht begreifen wollten. Und dieser geheimnisvolle Tommy auch nicht.«
»Wir werden das Verfahren abkürzen, Paddy.«
»Zum Teufel, Sie können einen Killer spielen?«
»Nein. Ich muß!« Pierre Porelle dachte an Rick Haverston, und die Gluthitze auf seiner Haut verlor sich, so kalt wurde es in ihm. »Wer ist der Gefährlichere?«
»Der Mann Gottes, der mit umgeschnalltem Halfter herumrennt.«
»Setzen Sie mich bei ihm ab, Paddy.«
Paddy trat so fest auf die Bremse, daß Porelle nach vorn kippte und mit der Stirn gegen die Windschutzscheibe prallte.
»Idiot!« schnaubte er.
»Moment mal!« Paddy starrte ins Tal. Sie standen an der Stelle, von der aus sich die Straße ins Tal senkte. Vor ihnen lag das Dorf Santa Magdalena; einen solchen Haufen erbärmlicher Steinhütten mit Bretter- und Blätterdächern hatte Porelle noch nie gesehen. Auf dem großen Dorfplatz stand die Kirche mit dem Türmchen. Dahinter, wie ein angeklebtes Schwalbennest, das Pfarrhaus, nicht anders als die Indiohäuser, ebenso erbärmlich, nur
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