In deiner Hand
Tote
und es sind Vampire, keine Menschen. Das solltest du nicht vergessen! Sie ernähren sich von unserem Blut!“
Linda lehnte sich in dem knarzenden, schwarzen Lederstuhl zurück und schlug kokett die Beine übereinander. „Hat er dir erzählt, wie es zu diesem Unglück kam?“
„Es bockt mich nicht, Linda! Er hat Kinder getötet, mehr brauche ich nicht zu wissen! Und wer weiß, wann die anderen ausflippen? Von mir aus bleib hier sitzen und finde diese ganze kranke Idee total super! Ich werde mich jedenfalls verpissen!“
„Und was wird aus Erik?“
„Was soll aus dem werden?“
„Er stirbt, wenn du dich weigerst ihm zu geben, was ihn am Leben hält.“
Ich zuckte die Schultern. „Einer weniger!“
Für eine Normalsterbliche war sie verdammt schnell. Mein Kopf flog knackend zur Seite als Linda mich mit ganzer Kraft ohrfeigte.
„DU HAST NICHT DAS RECHT SO ZU URTEILEN!“, schrie sie, zum ersten Mal seit ich sie kannte, unbeherrscht und ballte ihre feuerrote Hand zur Faust. „Hast du auch nur den Hauch einer Ahnung, was Erik durchgemacht hat? Kannst du dir vorstellen, was all diese Kinder erdulden mussten?“
Linda packte mich am Shirtkragen und zerrte mich fast über den Tisch. Die Schreibunterlage mit den Randnotizen verrutschte, stieß einen Becher mit Kugelschreibern und Bleistiften um, die mit hölzernem Klappern auf den Boden fielen. Der Computermonitor wackelte so stark, dass er vermutlich heruntergekracht wäre, wenn sie nicht geistesgegenwärtig mit der anderen Hand danach gegriffen und ihn festgehalten hätte.
„Sie sind Jahrzehntelang gefoltert worden! Sie wurden ausgepeitscht, vergewaltigt und man hat ihnen Körperteile abgeschnitten, um zu sehen ob sie nachwachsen!“, zischte sie. Tränen standen in ihren Augen. „Sie alle haben das verfluchte Recht auf ein Leben in Freiheit! Und wenn sie sich nach Menschen sehnen, mit denen sie sich umgeben können, um nicht an ihrer Einsamkeit kaputt zu gehen, dann werde ich ihn das verdammt nochmal auch bieten! Ich würde für all diese Kinder sterben! Für jedes einzelne von ihnen! Niemand hat es verdient, so behandelt zu werden, ganz gleich welcher Spezies sie angehören! Es macht keinen Unterschied! Sie haben die gleichen Gefühle, sie empfinden das Selbe … sie können lieben, Verry! Wie wir!“
Jetzt schluchzte sie und ich kam mir wie das größte Arschloch der Welt vor. „Sehnst du dich nicht auch nach Freiheit? Gerade du müsstest doch am besten wissen, wie es sich anfühlt, so unterjocht zu werden! Gerade du, Verry, solltest das doch verstehen können!“
Sie stieß mich von sich und plumpste schniefend zurück auf ihren Stuhl. Mit fliegenden Fingern richtete sie ihre Frisur. „Du enttäuscht mich sehr“, flüsterte sie tonlos und schüttelte den Kopf.
„Aber ihr … ihr holt potenzielle Killer an eine Schule!“, warf ich schwankend ein und ärgerte mich darüber, dass mich wirklich berührte, was sie erzählte. Wer blieb da auch kalt? Eriks Worte schossen durch meine Gehirnwindungen. Malik hatte ihn ganze siebzig Jahre gefangen gehalten. War es da ein Wunder, dass er irgendwann ausflippte? War es gleichzeitig nicht total idiotisch, jemanden wie ihn an eine Schule voller möglicher Blutbeutel zu schicken?
„Die Menschen morden, Verry. Tagein, tagaus wird jemand umgebracht. In fast fünfzehn Jahren ist etwas derartiges wie die unglückliche Sache mit Erik, an keiner unserer Einrichtungen vorgekommen! Es ist und bleibt eine grausame Ausnahme!“
„Es könnte wieder passieren!“, begehrte ich auf, wusste aber längst, dass mein temperamentvoller Verstand sich wieder beruhigt hatte und nur zu stur war klein beizugeben.
„Ja. Aber glaubst du wirklich, wir sind so blauäugig, dass wir nicht alles daran setzen, um unsere Einrichtungen zu den sichersten auf der ganze Welt zählen zu dürfen?“
„Und wie kam Damian Malik dann hier herein?“, wollte ich wissen. „Wenn alles hier so sicher ist, wie kam der Blutsauger ungesehen hier herein?“ Ich fand die Frage berechtigt! Immerhin prahlte sie in einer Tour mit ihrer Superidee, die meiner Meinung nach zu viele Haken aufwies. Linda presste die Lippen fest aufeinander.
„Er hat uns hereigelegt. Leider muss ich gestehen, dass es diesbezüglich eine Lücke im System gab, die Damian Malik geschickt umgehen konnte.“
„Und die wäre?“
Man sah ihr an, das es ihr zuwider war mir Rechenschaft abzulegen, was mich insgeheim freute.
„Er hat schlicht und ergreifend unser Überwachungssystem
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