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Jillian Hunter

Jillian Hunter

Titel: Jillian Hunter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Viel Lärm um Stratfield
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erreicht hatte, hielt er inne und warf ihr eine Kusshand zu. Sie hob die Hand, um zurückzuwinken, nur um von einem tie- fen, kehligen Knurren von Ares abgelenkt zu werden.
    Sie lachte, als er kräftig an der Leine zog. „Hör auf, Ares. Du wirst weder Justin noch sonst jemanden auffressen. Du musst dich wirklich benehmen ..."
    Sie brach ab und hob langsam den Kopf. Der Hund blickte überhaupt nicht in Justins Richtung, sondern zum Wald hin. Als erkenne er jemanden, den sie nicht sehen konnte.
    „Stratfield?", flüsterte sie, und ihr Puls raste. „Dominic, sind Sie da?"
    Sie rannte ans andere Ende des Obstgartens. Ares sprang neben ihr her, aber sie konnte im Wald nichts erkennen, was verdächtig gewirkt hätte. Die friedlichen Schatten schienen ungestört zu sein. Sie hörte nicht einmal Laub rascheln, nur das hoffnungsvolle Hämmern ihres eigenen Herzens. Wer auch immer dort gewesen war, war verschwunden.
    Ares saß folgsam an ihrer Seite.
    Pamela begann vom Haus her zu rufen. „Hast du meine neuen Handschuhe gesehen, Chloe? Ich hoffe, dieser Hund von dir hat sie nicht aufgefressen!"
    Sie atmete tief durch. „Zur Hölle mit Ihnen, Dominic", sag- te sie in die Stille, die ihre Enttäuschung zu verhöhnen schien. „Zur Hölle mit Ihnen, Sie Teufel."

14. KAPITEL
    Das Abendessen bei Justins Eltern erwies sich als unange- nehme Angelegenheit. Chloe bekam ständig zu spüren, dass seine Eltern das Interesse ihres Sohnes an ihr missbilligten: Die unterschwelligen Bemerkungen machten deutlich, dass eine Dame aus London ihrer Meinung nach keineswegs Gefal- len am Landleben finden konnte.
    Justin versuchte, sich zu entschuldigen, indem er die beiden ins Lächerliche zog, und stahl Chloe in der Eingangshalle ei- nen Kuss, als es Zeit war zu gehen. „Sind Sie ärgerlich auf mich, Chloe?"
    Sie war nicht ärgerlich auf ihn. Dafür empfand sie einfach nicht genug für Justin, und ihre Gedanken wanderten ständig zu anderen Dingen. Wie konnte sie ihm erklären, dass sie sich in einen Mann verliebt hatte, den er im Grab vermutete? Sie konnte es selbst kaum fassen.
    „Sie erscheinen in letzter Zeit so abgelenkt", sagte er.
    Ihre Tante hörte diesen letzten Kommentar, als sie auf die beiden zuging, nachdem ihr Ehemann ihr in einen schweren Wollmantel geholfen hatte. „Die Mädchen haben Angst vor dem Geist."
    Onkel Humphrey scheuchte seine Weiberschar hinaus. „Un- sinn. Chloe steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Ich wünschte, ich könnte dasselbe von meiner Frau sagen."
    Chloe fühlte sich nicht im Geringsten so, als stünde sie mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Während der gesamten Fahrt nach Hause suchte sie im Mondlicht am Wegesrand und in den blättrigen Hecken nach dem geringsten Anzeichen da- für, dass Dominic noch lebte und durch die Gegend spukte.

Als ein einsamer Reiter in einem Umhang an der Weggabe- lung erschien, um ihnen den Weg abzuschneiden, erstarrte sie und hoffte, dass der Kutscher anhalten würde.
    Der ältliche Kutscher brachte das Gefährt mit offensichtli- chem Unmut zum Stehen. Einen Augenblick lang war Chloe davon überzeugt, dass der geheimnisvolle Reiter auf der Stra- ße Dominic war. Sie suchte in den kantigen, überschatteten Gesichtszügen das Bild, das sie dort zu sehen wünschte. Er- wartungsvoll lehnte sie sich zur Tür. Ihr Herz raste hoffnungs- voll, obwohl sie wusste, wie unwahrscheinlich es war, dass er auf derart dramatische Weise wieder auftauchen würde.
    Die Ähnlichkeit zu Dominic war unglücklicherweise nur eine Illusion der Nacht und der Familienähnlichkeit. Ihre Hoffnung sank, sobald die Züge des Reiters deutlicher wur- den. Dominics fein geschnittene Züge wurden zu denen des letzten Mannes, dem sie nachts begegnen wollte.
    Dies konnte kein gutes Omen sein.
    Sir Edgar patrouillierte alleine im Dunkeln. Was hatte er vor? Wonach suchte er?
    Ihr Onkel artikulierte sein Missfallen durch das Fenster der Kutsche. „Mein Gott, Sir Edgar, ich hätte Sie als Straßenräu- ber erschießen können!"
    Der Colonel nickte entschuldigend und blieb hoch aufge- richtet auf dem Pferd sitzen. „Sie müssen im Gedächtnis be- halten, dass der Unhold, der meinen Neffen erschossen hat, noch nicht gefasst wurde."
    Bei näherer Betrachtung fragte Chloe sich, wie sie ihn mit Dominic hatte verwechseln können. Sie konnte nicht die ge- ringste Spur von Leidenschaft in Edgars Augen finden, kei- nen Funken Wärme.
    „Hoffen Sie, ihn alleine zu finden?", fragte Tante Gwendo- lyn etwas

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