Kinder des Wassermanns
Rechnung stellt. Aber wenn wir ihm sagen, daß wir wieder Bettgefährten von euch ... von euch Halbblutwesen sind ... und das ohne die Entschuldigung, es sei kein anderer Partner vorhanden – sondern aus freiem Willen, ohne Zwang ... Ich fürchte, er wird uns befehlen, euch auf der Stelle fortzuschicken. Sollten wir uns weigern ... eine Exkommunikation würde nicht nur unsere Seelen und unsere Sicherheit in diesem Leben gefährden, sondern es uns auch unmöglich machen, euch zu helfen.«
»Die Lösung ist doch nicht schwer«, meinte Eyjan ungerührt. »Gesteht, daß ihr mit uns schlaft, aber verschweigt, was wir sind. Außerdem können Tauno und ich mit zum Gottesdienst kommen – ich bezweifele, daß die Bilder sich von uns abwenden werden –, wenn du uns auseinandersetzt, wie wir uns in der Kirche zu verhalten haben.«
Er wich vor ihr zurück. »Nein!« würgte er entsetzt hervor. »Du weißt nicht, was du sagst!«
Ungeduldig schüttelte sie ihren roten Kopf. »Gut möglich. Wenig von deinem Christentum hat in meinen Augen Sinn.« Sie zupfte an ihrem Gewand und murmelte einen Fluch. »Könnte ich dieses stinkende Ding nur abwerfen und mich in den Wellen baden ...«
»Meine Schuld ist bereits groß genug.« Niels' Stimme bebte. »Doch sollte ich das Sakrament mit einer nicht gebeichteten Sünde nehmen – wenn der Satan mich so sieht, züngeln schon seine Höllenflammen nach mir.«
Das beunruhigte Eyjan doch. Sie trat vor und faßte seine Hände. »Das dürfen wir euch nicht antun, Tauno und ich. Wir werden unsern Weg nach Süden fortsetzen – morgen in aller Frühe aufbrechen ...«
»Nein.« Seine Worte überstürzten sich. »Ich soll meine beiden liebsten Freunde verleugnen? Niemals! Bleibt.«
Als inspiriere ihn ihre Anwesenheit, fuhr er, mit einem Mal beinahe glücklich, fort: »Paß auf. Ich werde dafür sorgen, daß wir erst kurz vor Ostern die Absolution erhalten, und ihr reist gleich danach ab. Ich glaube, dann wird Vater Ebbe die Buße nicht zu hart werden lassen. Er predigt gern darüber, was ein Mann seinen Schiffsgefährten schuldig sei.«
Eyjan bemühte sich, das zu verstehen. »Angenommen, du stirbst, bevor du diesen Ritus ausführen kannst – oder angenommen, er verlangt, du dürfest uns niemals wiedersehen, und das wäre nicht deine Absicht – wärst du dann nicht verdammt?«
Niels sann auf Spitzfindigkeiten. »Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich werde es riskieren. Und ich werde versuchen, später zu bereuen, doch nie wird es mir leid tun, daß ich dich geküßt habe.« Er sah ihre hohe, volle Gestalt mit einem Blick an, wie ihn ein zurückgekehrter Flüchtling haben mag, wenn er Schritt für Schritt über heimatlichen Boden geht. »Nein, ich werde mich nach dir sehnen, wachend und träumend, bei jedem Herzschlag, der mir bleibt, und ich werde um einen Tod und ein Begräbnis auf See beten, Eyjan, auf deiner See.«
»Für solche Gedanken ist es zu früh.” Sie schlang ihm die Arme um den Nacken. »Vergiß sie. Uns bleiben noch viele Küsse, die wir uns geben können, Niels.«
Dann lachte sie. »Mit dem Essen dauert es noch geraume Zeit, und hier steht ein Ruhebett. Ja, nehmen wir uns, was an unserm Weg liegt, bevor die Ebbe es aus unserer Reichweite spült.«
»Gute Neuigkeiten«, teilte der junge Mann Tauno mit. »Endlich haben wir christliche Namen für euch beide.«
»Aber ihr habt uns doch bereits welche gegeben«, antwortete sein Kamerad erstaunt.
Sie waren aus Kopenhagen hinausgeritten, weil sie allein sein wollten und weil es ein schöner Frühlingstag war. Der Gemeindeanger, den sie überquerten, prangte in frischem Gras. In der Ferne bildeten die jungen Blätter einen grünen Nebel über einem Stück Wald. Vor dem blauen Himmel zogen heimkehrende Störche dahin, Vorboten des Sommers, Glücksbringer. Der Wind war frisch, geräuschvoll, mit feuchten Düften gefüllt. Die Hufe waren auf dem weichen Boden fast nicht zu hören.
Niels fuhr sich mit den Fingern durch das Haar. »Du wirst dich erinnern, daß das nur die besten Namen waren, die uns in aller Eile eingefallen sind. Ich habe nun verlauten lassen, sie seien falsch, von euch nur deswegen benützt, weil ihr in geheimen Angelegenheiten reist. Jetzt sind wir bereit, vor die Öffentlichkeit zu treten ...« – er grinste – »... weil wir eine angemessene Verkleidung zur Hand haben. Am besten besprechen du und ich es zuerst, weil du notwendigerweise die Rolle des Mannes spielen mußt.«
Taunos Reittier scheute. Er
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