Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Knuddelmuddel

Knuddelmuddel

Titel: Knuddelmuddel Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Annegret Heinold
Vom Netzwerk:
du, ich soll hier noch irgendwas nehmen? Irgendein homöopathisches Wundermittel? Für meine Hormone, meine Ignatia-Mentalität, das Knie oder die Wechseljahre oder für mein unentschlossenes Elke-Sein allgemein? Oder gibt es da etwa kein Mittel?
     
    An Sabine Timm
     
    Bine! Ich fasse es nicht – du wirst Großmutter! Und – wie fühlt sich das an???
    Ich weiß noch, wie du immer gesagt hast, deine Kinder brauchen nicht damit zu rechnen, dass du mal Enkel hütest, aber jetzt klingt das ja schon ganz anders!
    Ach Bine – wenn ich doch nur wüßte, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Klar ist Lissabon schön. Aber ich vermisse euch. Ich vermisse unsere Frühstücke am Sonntagmorgen und unsere Spaziergänge um die Alster. Ich vermisse unsere Kino-Abende. Obwohl – wie oft waren wir in den letzten Jahren eigentlich zusammen im Kino? Nicht so besonders oft, wenn man es so recht bedenkt. Früher zu Studienzeiten, ja, da waren wir oft im Kino.
    Weißt du noch, wie wir unsere langen Kinonächte im Abaton gemacht haben, manchmal sogar mitten in der Woche? Wir haben für einen Film Eintritt bezahlt und wenn der Film zu Ende war, haben wir einfach in der Toilette abgewartet, bis der nächste anfing. Damals ging das ganz einfach, die Karten wurden nur vorne am Eingang kontrolliert. Ob das heute immer noch so ist?
    Einmal haben wir vier Filme nacheinander gesehen, weißt du noch? Einer war Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben. Die anderen drei habe ich vergessen. Irgendetwas Russisches, glaube ich. Oder Woody Allan. Weißt du noch, was es war? In dieser Nacht haben wir festgestellt, dass drei Filme eigentlich das Maximum sind, das man verdauen kann. Danach wird einem schlecht. Und zwar richtig körperlich.
    Kann es sein, dass ich garnicht das Kino vermisse, sondern die alten Zeiten? Das Jungsein?? Bin mir nicht sicher, dass es mir gut bekommt, hier die ganze Zeit zu Hause zu hängen. So alleine. Man hängt zu sehr seinen Gedanken nach ... Wollte dich nicht deprimieren. Ich hoffe, es geht dir gut! Sag mal ...
     
    In diesem Moment klingelt es. Ich nehme die Krücken und humpel zur Tür. Es ist José, der Kellner vom Café Covas. Nanu – woher weiß er denn, wo ich wohne? Er trägt eine große Schachtel Kuchen in der Hand.
    „Für Sie, minha linda “, sagt er. „Wo soll ich die Kuchen hinstellen?“
    „Was für Kuchen?“, sage ich. „Ich habe doch garnichts bestellt.“
    „Die Kuchen sind von Sr Duarte“, sagt der Kellner.
    Ich gucke verständnislos. Wer ist Sr Duarte?
    „Sr Vasco Duarte“, sagt José. “Der nette ältere Herr. Er hat die Kuchen für Sie bestellt. Für die Menina Elke.“
     
    Fortsetzung e-mail an Bine:
    Das Universum hat mir Kuchen geschickt. Und schon weiß ich nicht, ob ich das Mandeltörtchen, das Nussquadrat oder das Schoko-Eclair essen soll. Ach Bine – wieso kann ich mich nicht entscheiden? Und was soll bloß aus mir werden?
    Ein Küsschen an die werdende Großmutter – Elke
     
    Die Kuchenentscheidung wird mir abgenommen, weil wir plötzlich ganz viele Esser sind.
    Erst kommt Dona Evelina und fragt, ob ich vielleicht ihr Klavier benutzen möchte, sie könnte ihr Klavier in meine Wohnung stellen, sie braucht es nämlich nicht. Es ist das Klavier ihres verstorbenen Mannes – eines verstorbenen Mannes, Dona Evelina hat nämlich schon zwei Männer überlebt und von einem dritten ist sie geschieden – und sie selber kann nur den Flohwalzer und den Anfang von Für Elise spielen. Und jetzt ist ihr Sohn aus Madrid gerade da, der Francisco, und er könnte helfen, das Klavier zu transportieren. Der Sohn vom João heißt auch Francisco, aber das hat nichts zu bedeuten, Francisco ist ein häufiger Name. Ich merke: Ich finde die Idee gut. Ich hätte gerne wieder ein Klavier hier in der Wohnung, ganz besonders, wo ich hier doch so festsitze. Müssen wir nur noch zwei oder drei andere Männer finden, die mit anpacken.
    Und sieh an, an manchen Tagen meint es das Schicksal gut mit einem – in diesem Fall und an diesem Tag schickt das Schicksal Claudio Moreno und Vasco Duarte vorbei, die nach mir sehen wollen und gucken, ob ich gut versorgt bin. Wobei Vasco durch seine Kuchenschachtel ja selber mit zu der guten Versorgung beigetragen hat. Dona Evelina klingelt noch die Nachbarn aus dem ersten Stock raus – einen mürrischen Buchhalter und seine immer etwas pikiert guckende Frau – und dann tragen die vier Männer das Klavier vom dritten Stock in den zweiten und schon steht es bei

Weitere Kostenlose Bücher