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Koenigsmoerder

Koenigsmoerder

Titel: Koenigsmoerder Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karen Miller
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Unter ihnen war nicht ein einziger Mann, der mehr verdient hätte, als geschlachtet zu werden.
    Die Hände auf dem Pult verschränkt, stand er vor ihnen und ließ den Blick über ihre tierischen Gesichter gleiten, während sie weiter schrien und mit den Füßen stampften. Vieh? Ja, die Olken und Doranen dieses farblosen Königreichs waren Schafe. Bereit, jedem zu folgen, der ihnen Frieden und eine endlose Abfolge magischer Tage versprechen konnte. Es machte ihn krank, es zu sehen. Dass eine so majestätische und stolze Rasse wie die Doranen so tief sinken konnte. Dass sie zu einer blökenden, blind ihrem Herrn folgenden Herde werden konnten.
    Was immer Barls Flüchtlinge an Stärke besessen hatten, ihren Nachfahren war nichts davon geblieben. Ihre Nachfahren waren Papierdoranen ‐ allesamt dazu bestimmt zu verbrennen.
    Er nahm die Hände auseinander und hielt sie in einer bescheidenen, bittenden Geste hoch. »Brave Männer und Frauen, ich bitte Euch: genug!«
    Atemloses Schweigen senkte sich herab. Die Narren, die aufgesprungen waren, kehrten auf ihre Plätze zurück. Wie eingepferchte Schafe, die das Klappern des Tores hörten, wenn es aufgesperrt wurde, starrten sie ihn an, warteten und hofften auf Futter.
    »Meine lieben Ratsmitglieder«, sagte er und ließ Kummer in 291
    seine Stimme fließen. »Dies sind in der Tat dunkle Tage. Unser geliebtes Königreich hat eine Wegscheide erreicht. Die Taten eines einzigen irregeleiteten Mannes haben es an den Abgrund der Zerstörung geführt. Ich weiß...« Er hob warnend eine Hand. »Ihr habt Euren früheren König geliebt. Liebt ihn noch immer als Prinzen und als den traurigen Spross eines gefallenen Hauses. Ich kann nur Lob finden für Eure Liebe, meine Untertanen. Eure Bereitschaft, seine schwerwiegenden Fehleinschätzungen zu übersehen, sagt mir alles, was ich über Eure Herzen wissen muss. Gute Herzen. Kräftige Herzen. Aber vielleicht nicht so weise, wie Barl es sich gewünscht hätte.«
    Ein Raunen, während die Menschen unten verstohlene Blicke tauschten. Er wartete einen Moment lang ab, dann mähte er ihre Einwände nieder.
    »Blinde Hingabe ist etwas Gefährliches«, fuhr er fort. »Es war blinde Hingabe, die dem Verräter, Asher, Macht gab und die Möglichkeit, mit verbotener Magie zu experimentieren.« Eine weitere Pause, während ein Aufkeuchen durch die Herde ging. »Nur Barl kennt die wahre Absicht seines schwarzen, lieblosen Herzens. Nur Barl weiß, welchen Schaden er in dem Paradies, für dessen Schaffung sie gestorben ist, angerichtet hat.«
    Nole Daltrie, verlässlich wie immer, erhob sich und rief: »Was sagt Ihr da, Con...
    Eure Majestät? Denkt Ihr, das Königreich sei in Gefahr?«
    »Das Königreich war von dem Tag an in Gefahr, an dem Gar diesen stinkenden Fischer in eine Position erhoben hat, die er nicht verdiente«, erwiderte er. Dies war Conroyds Meinung, die er mit inbrünstiger Leidenschaft empfand und mit ihm teilte. »Jetzt fürchte ich, dass wir es mit mehr als bloßer Gefahr zu tun haben.
    Ich befürchte, dass wir vor einer Katastrophe stehen.«
    Diesmal kein Raunen, sondern bestürzte Ausrufe. Daltrie tauschte einen entsetzten Blick mit Conroyds übrigen Freunden. »Wollt Ihr damit sagen, die Mauer selbst sei in Gefahr?«
    Der Gedanke war so grauenvoll, dass ihnen die Stimme in der Kehle gefror.
    Erschüttert ließ Daltrie sich langsam wieder auf seinen Platz sinken.
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    Morg nickte. »So schwer es mir fällt, es zu sagen, Lord Daltrie, ja. Ich fürchte, das könnte durchaus der Fall sein.«
    »Nein!«, schrien sie mit bebender Furcht. »Rettet uns!«, flehten sie ihn mit Tränen in den Augen an.
    Holze stand ungeheißen auf und erhob die Stimme, um die Klagen zu übertönen.
    »Ratsmitglieder, fasst Euch! In Barls Namen, ich fordere von Euch: Habt Vertrauen!« Als der Lärm sich legte, fuhr er fort. »Barl wird nicht zulassen, dass ihre Mauer fällt. Hat sie uns nicht von Ashers Verderbtheit erlöst und uns in die Obhut von König Conroyd gegeben, in dem ihre Macht wohnt? Habt Vertrauen, sage ich Euch. Und lasst Euch von Seiner Majestät leiten.«
    Ah, Efrim. Barltriefend, aber nützlich. Morg nickte dem Geistlichen zu, dann wandte er sich wieder zu den versammelten Ratsmitgliedern um. »Ich bin Euer König«, sagte er leise, während Holze wieder Platz nahm. »Natürlich werde ich Euch retten. Aber ich fürchte, es wird nicht einfach sein. Dank Ashers Einmischung ist das Gleichgewicht der magischen Macht im Königreich ernsthaft

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