Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Koenigsmoerder

Koenigsmoerder

Titel: Koenigsmoerder Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karen Miller
Vom Netzwerk:
dachte nur... nun... er könnte vielleicht nützlich sein. Um den Rasen kurz zu halten, wenn schon zu nichts anderem.«
    Armer Darran. Er sah so erschüttert aus, so schuldbeladen. »Es ist schon gut«, erwiderte Gar sanft. »Natürlich konntet Ihr sie nicht aufhalten.« Ballodair. Oh, Ballodair. »Nun, wenn es keinen Sinn hat, die Ställe zu besuchen, werde ich stattdessen einen Spaziergang machen. Sorgt Euch nicht, wenn ich für einige Zeit fortbleibe, Darran. Ich muss über viele Dinge nachdenken.«
    »Ja, Herr«, sagte Darran. Als Gar sich abwandte, fügte er hinzu: »Herr?«
    Gar drehte sich um. »Ja?«
    »Seid vorsichtig. Geht nicht... zu weit fort. Gebt diesem Mann keinen Vorwand, Euch noch irgendetwas anderes zu nehmen.«
    294
    Er lächelte. »Was könnte er mir denn noch nehmen, Darran?«
    Darran trat näher, das Gesicht verzogen von Schmerz und Furcht. »Euer Leben.«
    »Mein Leben?« Gar lachte ohne Humor. »Ah, ja. Mein Leben. Wisst Ihr was, Darran? Ich denke langsam, dass er es gern haben kann, mit Freuden.«
    »Herr!«
    Er tätschelte dem alten Mann die Schulter. »Es ist schon gut«, sagte er und trat einen Schritt zurück. »Ich habe nur einen Scherz gemacht.«
    Darran drohte ihm mit dem Zeigefinger, geradeso, wie er es getan hatte, als er im Palast gearbeitet und einen jüngeren, glücklicheren Gar ausgescholten hatte.
    »Wirklich? Nun, für einen Scherz war es herzlich wenig komisch!«
    Gar wandte dem noch immer missbilligend dreinblickenden Darran den Rücken zu und ging fort, ging immer weiter, bis zwischen den Bäumen die Krypta seiner Familie erschien. Höchstwahrscheinlich brach er Conroyds Regeln, indem er sich so weit vom Turm entfernte, aber das scherte ihn nicht. Wenn Conroyd glaubte, er könne ihn von seiner Familie fernhalten, war er einem großen Irrtum aufgesessen.
    Die Krypta war kühl wie immer. Dunkel. Während er nach einer Laterne und Streichhölzern tastete und sich die Knöchel aufschürfte, versuchte er zu vergessen, dass er früher einmal mit einem Fingerschnippen Licht hatte heraufbeschwören können.
    Das Kerzenlicht warf in die Länge gezogene Schatten auf die Wände und über die Gesichter seiner Familie. Er küsste seinen Vater und seine Mutter, dann kitzelte er seine Schwester an den Füßen und ließ sich auf dem unbequem Boden nieder.
    »Es tut mir leid«, sagte er in die Stille hinein. »Ich wäre eher gekommen, aber... es ist eine Menge geschehen, seit Ihr fortgegangen seid.«
    Seine Mutter flüsterte: Es ist schon gut, mein Junge. Du bist ein vielbeschäftigter Mann.
    »Nicht so beschäftigt, wie du vielleicht denkst«, antwortete er. »Vater, ich muss ein Geständnis ablegen. Ich habe die beiden bes
    294
    ten Dinge verloren, die Ihr mir je gegeben habt: Eure Krone und Euer Pferd. Wie es scheint, habt Ihr einen sorglosen Sohn großgezogen.«
    Die Enttäuschung eines Vaters. Kannst du sie nicht zurückbekommen?
    Natürlich kann er das nicht. Er ist nutzlos. Die wütende Verachtung einer Schwester.
    »Es tut mir leid«, wiederholte er. »Ich habe mein Bestes gegeben.
    Unglücklicherweise hat sich herausgestellt, dass es nicht genug war.«
    Schweigen. Sprachen sie wirklich, oder verlor er den Verstand? Und wenn es so war ‐ spielte es überhaupt eine Rolle?
    Typisch, hörte er Fane höhnisch sagen. Jammer, Stöhn, Seufz. Es ist ein Wunder, dass du nicht schon vor Jahren gestorben bist, ertrunken in einem Fass voller Selbstmitleid.
    Sitz nicht einfach nur da, du Idiot. Tu etwas!
    Obwohl sie nur in seiner Fantasie erklangen, schmerzten die scharfen Worte dennoch. Er umfasste den steinernen Fuß seiner Schwester und zog sich hoch.
    »Was soll ich tun?«, fragte er sie. »Ich bin machtlos. Ich lebe in meiner eigenen Stadt im Exil, verstoßen, zur Bedeutungslosigkeit verdammt und allein. Was würdest du tun, wenn du an meiner Stelle wärest?«
    Die Antwort kam nicht in Worten, sondern in Gestalt eines brennenden Erinnerungsstrahls.
    Barls Tagebuch. Wenn Durm Recht hatte, war es ihre einzige Hoffnung. Wie oder warum, das wusste er nicht. Aber er vertraute Durm. Er musste ihm vertrauen.
    Ihm blieb keine andere Wahl.
    Verdammt, wie konnte er das vergessen? Er musste dieses Tagebuch finden, musste sofort in den Turm zurückkehren und noch einmal Durms Bücher durchsuchen, bevor Conroyd entdeckte, dass er sie in seinem Besitz hatte, und sie fortholen ließ. Es spielte keine Rolle, dass er die Sammlung schon zweimal glücklos durchsucht hatte. Das Tagebuch musste dort sein. Klug

Weitere Kostenlose Bücher