Koenigsmoerder
gestrichen, und die zugezogenen Vorhänge waren blau. Die Schränke, der Tisch und die Stühle waren allesamt aus einem weichen, braunen Holz gefertigt und geschmückt mit Schnitzereien, die Eicheln, Weizengarben und Lämmer darstellten. Von der Decke baumelten einladend Bündel getrockneter Kräuter herab, die die Luft mit einem angenehmen Duft erfüllten. Dathne, die am Tisch saß, atmete die miteinander vermischten Gerüche von Sal 312
bei, Dill, Rosmarin und Thymian ein und fühlte sich seltsam getröstet. Der Herd in der Ecke verströmte aus seinem mit Holz gefüllten Bauch angenehme Wärme.
Matt stand davor, als sei er hier aufgewachsen, als gehöre er hierhin, und gab frische Teeblätter in eine alte, braune Kanne, bevor er sie aus einem auf dem Ofen kochenden Kessel füllte. Er hatte ihr den Rücken zugewandt und weigerte sich, sich umzudrehen.
»Ich verstehe es nicht«, sagte sie, halb an die Wand gelehnt, halb auf den winzigen Tisch gestützt. Das Kissen auf dem Stuhl war nach dem harten Sitz auf Veiras Wagen ein wahrer Segen. »Warum hast du mir nicht gesagt, dass du hierherkommen würdest?«
Matt sagte nichts. Veira, die Teller aus dem Schrank holte, sah ihn an. Der Blick sagte so viel wie ein Stoß in die Rippen. Er zuckte die Achseln und bemerkte dann, über die Schulter gewandt: »Wir haben nicht mehr miteinander gesprochen, hast du das vergessen?«
Sie runzelte die Stirn, denn die Erinnerung an diesen Umstand gefiel ihr nicht.
»Aber woher wusstest du, wo Veira lebt? Nicht einmal ich wusste es. Nicht bevor sie es mir erzählt hat!«
»Ich habe es ihm ebenfalls erzählt«, sagte Veira. Sie hatte ihren Kapuzenumhang abgelegt und wirkte rundlich und gemütlich in ihren Gewändern, die ein Flickenwerk aus blauer Baumwolle, schwarzem Filz und leuchtend roter Schafswolle waren; ihr langes, graues Haar hatte sie sich wie eine ältliche, schlafende Schlange mehrmals um den Kopf geschlungen. An ihren weichen Ohrläppchen baumelten Gehänge aus in Silber gefasstem Gagat, und ihre Finger waren schwer von Ringen. In ihren dunkelbraunen, lebhaften Augen stand jetzt ein scharfer, abwägender Ausdruck. »Hast du gedacht, du seiest die Einzige mit einem Zirkelstein, Kind?«
Dathne richtete sich erschrocken auf. »Nun, natürlich nicht, aber ich wusste nicht...« Sie sah Matts starren Rücken anklagend an. »Du hast mir nachspioniert?«
»Ts!«, machte Veira verächtlich. »Niemand hat spioniert. Seit ihr beide euch zusammengetan habt, habe ich zweimal mit Matthias gesprochen. Ich habe ihn gerufen, um mich davon zu überzeugen, dass ich es konnte, und danach habe ich Schweigen bewahrt und
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kein Wispern von ihm gehört, bis er nach mir ausgriff und mir erzählte, dass er sich verstecken müsse.«
Sie starrte grüblerisch auf eine Stelle zwischen Matts Schulterblättern. Er sollte ihren Blick körperlich spüren können. »Und war das alles, was du ihr erzählt hast?«
Er drehte sich noch immer nicht um, sondern tat so, als müsse er die wartenden Becher bewachen, für den Fall, dass ihnen Flügel wuchsen und sie davonflogen.
»Ich habe ihr alles erzählt. Ich musste es tun. Du wolltest es ja nicht tun.«
Am liebsten wäre sie von ihrem Platz aufgesprungen und hätte mit den Fäusten auf ihn eingedroschen. »Du hattest kein Recht dazu! Ich bin die Erbin, nicht du.
Es war an mir, davon zu erzählen, auf meine eigene Art und Weise und zu einem Zeitpunkt meiner Wahl! Du hast mir meine Gefühle für Asher verübelt, seit du davon erfahren hast. Vielleicht hatte er Recht. Vielleicht bist du eifersüchtig!
Du...«
Jetzt drehte er sich doch um, und sein Gesicht war weiß vor Wut und Müdigkeit.
»Eifersüchtig? Bilde dir nur ja nichts ein! Glaub mir, Asher kann dich mit Freuden haben, hochmütiges, überhebliches Weib, das du bist! So überzeugt davon, dass du unbesiegbar bist, nur weil du die Erbin bist! Nun, du bist nicht unbesiegbar. Dies hier hast du nicht kommen sehen. Du hast nicht gesehen, dass er ihre Magie in sich trug und vielleicht keinen Funken von unserer. Und du wolltest nicht zuhören, als ich wieder und wieder gesagt habe, dass man ihn einweihen müsse. Wenn wir ihn eingeweiht hätten, wäre er nicht in diesem Schlamassel!«
Einen Moment lang konnte sie kaum atmen. Matt hatte noch nie so mit ihr gesprochen. Niemand sprach so mit ihr. »Das kannst du nicht wissen!«, zischte sie ihn an. »Du weißt nicht alles! Wenn wir ihn eingeweiht hätten, hätten wir die Dinge nur schlimmer
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