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Letzter Mann im Turm - Roman

Letzter Mann im Turm - Roman

Titel: Letzter Mann im Turm - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: C.H.Beck
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Anwesenheit des alten Mannes von Drinks reden?»
    «Er trinkt. Jeden Abend. Er ist ziemlich modern eingestellt. Ich kenne ihn, er ist mein Nachbar.»
    «Warum braucht er eigentlich so lang?»
    «Er hat direkt, bevor wir losgefahren sind, auch schon gepinkelt. Er hat diese Krankheit, die D-Irgendwas heißt. Sie schwächt den Unterleib.»
    «Durchfall?»
    «Nein, Sir. Ein anderes D-Wort.»
    «Demenz?»
    «Das nicht.» Ajwani schlug sich gegen die Stirn. «Hören Sie, schenken Sie mir doch was ein. Hilft mir beim Denken. Ich bin schließlich derjenige, der hier die ganze Arbeit macht, vergessen Sie das nicht. Und sagen Sie Ihrem Boss», er senkte die Stimme, «Hunderttausend reichen als Extra nicht. Ich will
Zweihunderttausend.
In bar.»
    Die beiden hörten auf zu reden. Auf einem Tisch in einer Zimmerecke erblickte Masterji auf einem Stapel mit Papieren einen goldenen Brieföffner. Wie ging noch gleich die Geschichte von Mrs Regos Onkel Coelho und dem Bauherrn, der ihn um sein Grundstück betrogen hatte … spielte nicht auch ein Messer eine Rolle?
    «Darf ich Ihnen die Aussicht von der Terrasse zeigen, Masterji? Es ist der schönste Blick auf die Stadt, den Sie je gehabt haben, das garantiere ich Ihnen.»
    «Natürlich wird Masterji diesen Ausblick zu schätzen wissen.» Ajwani kicherte. «So ein
extrasüßer
Blick auf Bombay.»
    Masterji folgte den Männern durch die Glastüren auf eine rechteckige, mit einem Geländer eingefasste Terrasse, wo ihm der Seewind durch die Haare fuhr. Vor den staunenden Augen des alten Lehrers breitete sich eine Agglomeration von Wolkenkratzern, Werbetafeln und glitzernden Häuserblocks aus. So hatte er Bombay noch nie gesehen.
    Eine Wolke aus elektrischem Licht hüllte die Gebäude wie Weihrauch ein. Lärm, ein hoher Klagelaut – es waren nicht der Verkehr und auch nicht Menschen, die sich unterhielten, sondern etwas anderes, das Masterji nicht identifizieren konnte. Hinter der größten Masse von Hochhäusern ragte ein riesiges Schild auf – LG –, dahinter erkannte er den weißen Schimmer der Haji-Ali-Moschee. Zu seiner Linken war das dunkle Meer.
    «Breach Candy.» Masterji deutete darauf. «Das war einmal die Grenze zwischen Malabar Hill und Worli Island. Während des Hochwassers brach hier das Wasser durch. Die Briten nannten esGreat Breach of Bombay. Ich habe es auf alten Landkarten gesehen.»
    «Masterji weiß alles. Über die Sonne und den Mond, die Geschichte Bombays, so viel nützliches Wissen.»
    Ajwani wandte sich um und flüsterte Shanmugham etwas zu, der sich zu dem kleinen Makler hinunterbeugte und zuhörte.
    Die Hände auf das Terrassengeländer gelegt, betrachtete Masterji in der Dunkelheit die im Bau befindlichen Hochhäuser. Er dachte an das glänzende Messer auf dem Schreibtisch. Jedes Gebäude schien von seinem Quadratmeterpreis in Rupien wie durch einen Heiligenschein erleuchtet zu werden. Anhand der Beleuchtung identifizierte er das reichste Gebäude in seinem Blickfeld.
    «Warum bist du vor uns getreten?», fragten die Apartmentgebäude. Jedes leuchtende Ding, das vor ihm lag, schien wie das Geheimnis von jemandes Herzen, eines von ihnen dort draußen repräsentierte das seine. Ein ehrlicher Mann? Er hatte seine Genossenschaft getäuscht, die Pintos, sogar sich selbst, aber hier auf der offenen Terrasse wurde er all seiner Lügen ledig. Er war hierhergekommen, verängstigt durch den Boykott, keineswegs blind für die Möglichkeiten, die ihm das Geld bot, und bereit, die Pintos zu verraten. Bereit, die Erinnerungen an seine tote Frau und an seine tote Tochter zu verraten, die in den Mauern, dem Anstrich und den Nägeln der Vishram Society steckten.
    «Bauarbeiten», sagte Shanmugham und trat dicht neben Masterji. «Wissen Sie, wie viele Kräne da unten stehen? Es wird die ganze Nacht über weitergearbeitet. Um uns herum entstehen Dutzende von Häusern. Und wenn die ganze Arbeit beendet sein wird … mein Gott. Dieser Teil der Stadt wird wie New York aussehen. Sie müssen mal dort gewesen sein, Sir, in New York?»
    Er schüttelte den Kopf.
    «Jetzt könnten Sie hin.» Ajwani lächelte. «Dort Urlaub machen.»
    «Nein.» Masterji beugte sich vor. «O nein, ich werde nichtnach New York fahren. Ich werde nirgendwohin fahren. Ich werde Vishram niemals wieder verlassen.»
    Er sah, wie sich Shanmugham zu Ajwani umdrehte, der mit den Augen rollte.
    «Masterji.» Der Mann kam näher. «Masterji. Darf ich mit Ihnen reden, von Mann zu Mann?»
    Masterji roch etwas Übles

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