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Leviathan erwacht - Corey, J: Leviathan erwacht - Leviathan Wakes (The Expanse Series Book 1)

Leviathan erwacht - Corey, J: Leviathan erwacht - Leviathan Wakes (The Expanse Series Book 1)

Titel: Leviathan erwacht - Corey, J: Leviathan erwacht - Leviathan Wakes (The Expanse Series Book 1) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James S. A. Corey
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Wächter schritten zwischen ihnen hindurch, drohten und zerstreuten jede Gruppe, die zu groß und zu aufmüpfig schien. Irgendetwas brannte so stark, dass die Luftreiniger den Geruch von verkohltem Plastik nicht mehr entfernen konnten. Die Schreie und das Weinen verzweifelter Menschen übertönten hier und dort die Bhangra-Musik. Irgendein Idiot rief den sogenannten Cops zu, er sei Anwalt, er zeichne alles auf und werde demjenigen, der verantwortlich war, großen Ärger bereiten. Einige Leute scharten sich um den Schauplatz der Konfrontation. Der Mann in der Krawallmontur hörte zu, nickte und verpasste dem Anwalt einen Schuss in die Kniescheibe. Die Menge zerstreute sich sofort, nur eine Frau, die Ehefrau oder Freundin des Anwalts, beugte sich über den kreischenden Mann. In Millers Kopf löste sich die Welt langsam auf.
    Er hatte zwei verschiedene Bewusstseinszustände. Einer war der alte Miller, den er kannte. Der andere überlegte, was geschehen würde, wenn er herauskam, welches der nächste Schritt wäre, um die Punkte zwischen der Phoebe-Station, Ceres, Eros und Juliette Mao zu verbinden, und wie er den Fall lösen konnte. Diese Version betrachtete die Menge, wie er die Gaffer an einem Tatort betrachtet hätte. Er wartete auf Einzelheiten, auf irgendeine Veränderung, die seine Aufmerksamkeit erregte. Etwas, das ihm die richtige Richtung wies, damit er das Geheimnis lüften konnte. Es war der kurzsichtige, idiotische Teil in ihm, der sich seine eigene Vernichtung nicht vorstellen konnte. Es musste doch irgendwie weitergehen.
    Der andere Miller war völlig anders. Ruhiger. Trauriger vielleicht, aber im Frieden mit sich und der Welt. Vor vielen Jahren hatte er ein Gedicht mit dem Titel »Das Todes-Selbst« gelesen. Den Titel verstand er erst jetzt. Tief in seiner Psyche hatte sich ein Knoten aufgelöst. All die Energie, die er darauf verwendet hatte, die Dinge beisammenzuhalten – Ceres, seine Ehe, seine Karriere und sich selbst –, wurde frei. Im Verlauf des letzten Tages hatte er mehr Menschen angeschossen und getötet als während seiner ganzen Laufbahn als Cop. Allmählich konnte er sich sogar eingestehen, dass er sich in das Objekt seiner Suche verliebt hatte, da er nun sicher sein konnte, Julie verloren zu haben. Auch musste er einsehen, dass das Chaos, dessen Bekämpfung er sein Leben gewidmet hatte, stärker, größer und unendlich mächtiger war als er. Kein Kompromiss, den er hätte eingehen können, wäre genug. Sein Todes-Selbst entfaltete sich in ihm, das dunkle Aufblühen erforderte keinerlei Anstrengung. Es war eine Erleichterung, eine Entspannung, ein gedehntes, tiefes Ausatmen, nachdem er endlos lange die Luft angehalten hatte.
    Er lag in Trümmern, aber das war in Ordnung, denn er starb.
    »He«, sagte Holden. Die Stimme klang kräftiger, als Miller es dem Mann zugetraut hätte.
    »Ja?«
    »Haben Sie als Kind mal Misko und Marisko gesehen?«
    Miller runzelte die Stirn. »Diese Kindersendung?«
    »Die Sendung mit den fünf Dinosauriern und dem bösen Mann mit dem großen rosafarbenen Hut«, erklärte Holden. Er summte eine fröhliche, lebhafte Melodie. Miller schloss die Augen und sang mit. Früher hatte es mal Worte zu der Melodie gegeben. Jetzt waren es nur noch aufsteigende und fallende Tonfolgen in einer Dur-Tonart, die jede Dissonanz mit der folgenden Note sofort wieder auflöste.
    »Hab ich wohl mal gesehen«, sagte Miller, als sie das Ende erreicht hatten.
    »Die Sendung hat mir sehr gefallen. Vermutlich war ich acht oder neun, als ich sie das letzte Mal gesehen habe«, erklärte Holden. »Seltsam, wie sich so etwas einprägt.«
    »Ja«, stimmte Miller zu. Er hustete, wandte den Kopf ab und spuckte etwas Rotes aus. »Wie geht es Ihnen?«
    »Bis jetzt ganz gut«, sagte Holden, um einen Moment später hinzuzufügen: »Jedenfalls solange ich nicht aufstehe.«
    »Übelkeit?«
    »Ja, ein bisschen.«
    »Ich auch.«
    »Was ist das hier?«, fragte Holden. »Ich meine, was, zur Hölle, hat das alles zu bedeuten? Warum tun sie das?«
    Es war eine berechtigte Frage. Es war leicht, Eros und jede andere Station im Gürtel zu zerstören. Jeder, der ein wenig von der Himmelsmechanik verstand, konnte mühelos einen Felsen in Bewegung setzen, der die Station zertrümmern würde. Protogen hatte einen großen Aufwand betrieben. Es wäre einfacher gewesen, die Luftversorgung abzuklemmen, mit Drogen zu versetzen oder sonst etwas zu tun. Dies war kein einfacher Mord, auch kein Völkermord.
    Außerdem die

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