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Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie

Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie

Titel: Liebesleben/Mann und Frau/Späte Familie Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Zeruya Shalev
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ganze Woche gemacht habe, ich habe gemalt, was ich wollte, du bist nicht gekommen, also habe ich dich aus der Erinnerung gemalt, und schon ist er in der Küche und rührt im Finjan und streut den Zucker hinein, nie habe ich mich gefragt, was er tut, wenn ich nicht da bin, seine ganze Existenz besteht nur aus diesen erregenden Treffen mit mir, und jetzt läßt er mir keine Wahl, ich setze mich verwirrt in den Sessel, und er steht vor mir, ohne Pinsel in der Hand, entblößt ohne seine Waffen, und fragt heiser, willst du bleiben oder gehen?
    Ist es dir nicht langweilig, immer nur mich zu malen, frage ich, und er sagt, im Gegenteil, je weiter man sich vertieft, um so spannender ist es, als ich Malerei studiert habe, haben wir jeden Tag dasselbe Modell gemalt, drei Jahre lang, von Jahr zu Jahr wurde es aufregender. Er nimmt einen Pinsel und betrachtet mich, betrachtet die Bilder um uns herum, aber die neue Leinwand bleibt leer, als störe ihn meine Anwesenheit, ich schaue hinaus auf die roten Dächer, Felder aus Dächern blühen unter uns, nicht sehr weit weg kann ich unten, am Hang, unser Haus sehen, ich schaue ihn an, er trägt einen löchrigen weißen Pullover über dem schwarzen Unterhemd, und zum ersten Mal fällt mir auf, daß er ein wenig gebeugt ist, wie sein Haus, und sein Nacken ist von grauen Locken bedeckt, der Pinsel zittert in seiner Hand, und ich höre mich fragen, willst du, daß ich mich ausziehe?
    Er nickt schweigend und verläßt das Zimmer, ich ziehe mich erregt aus, lege meine Kleidungsstücke ordentlich zusammen, wie beim Arzt, und als er zurückkommt, frage ich, warum bist du hinausgegangen, und er sagt, ich schaue nicht gern zu, wenn ein Geschenk ausgepackt wird, ich möchte alles auf einmal sehen, und er betrachtet mich ernst, Glied um Glied, er scheint enttäuscht zu sein, und ich entschuldige mich sofort und sage, auf deinem Bild ist mein Körper schöner, er sagt, vielleicht, dafür aber weniger interessant, ich suche keine Schönheit, und sofort nimmt er das Bild und zerreißt es vor meinen Augen. Du brauchst nicht zu erschrecken, sagt er lachend, das mache ich mit den meisten meiner Bilder, wenn ich ihre Flachheit erkenne, nun, da ich dich sehe, merke ich erst, wie sehr ich mich geirrt habe. Er dreht mir den Rücken zu und beginnt Farben zu mischen, eine riesige Leinwand steht wartend auf der Staffelei, er tritt näher, tritt zurück, vollkommen konzentriert, wechselt fieberhaft die Pinsel, und ich mache es mir im Sessel bequem, langsam, ganz langsam verliere ich meine Scham, ich betrachte meine Oberschenkel, weiß und fast durchsichtig sehen sie aus, erschöpft, ich lächle sie nachsichtig an, gutmütige Großzügigkeit erfüllt mich, ich möchte der Zeit verzeihen, dem Turm von Jahren, die aufeinandergestapelt sind wie Bausteine, bis der Turm anfängt zu wackeln, Noga ist immer enttäuscht, warum ist er umgefallen, warum fällt jeder Turm am Schluß um?
    Auf der Leinwand vor mir breitet sich eine schmerzhafte Süße aus, Pupillen flimmern orangefarben, Brustwarzen, er beißt in meine Brustwarzen, er kaut sie auf der Leinwand mit zusammengepreßten Lippen, richtet sie mit seinem Pinsel auf, fährt mit weiten Bewegungen zum Becken, zündet die Schamhaare an, die Farben fließen meine Schenkel entlang, und ich werde schwer vor Lust, ich spreize die Beine auseinander, mache ihm Platz, er soll zu mir kommen, er soll seine Hose ausziehen und die Höhlung füllen, die sich quälend in mir auftut. Ich senke den Blick und sehe, wie seine Füße auf mich zukommen, zarte, weibliche Füße, er hebt mein Gesicht hoch, schwenkt den Pinsel durchs Wasser, wischt ihn an seinem weißen Pullover ab, zurück bleibt eine rote Spur, schon läßt der Pinsel meinen Hals erzittern, gleitet hinunter zu meinen Brüsten, dreht sich um die Warzen, malt durchsichtige, wilde Kreise darauf, schneller und immer schneller, mein ganzer nackter Körper ist ein einziger großer Kreis, als wäre ein Stein ins Wasser geworfen worden, ein kostbarer Edelstein, nie werde ich es schaffen, ihn aus den Tiefen heraufzuholen, und die weichen Haare des Pinsels streichen die Schamhaare, verschmelzen mit ihnen zu einer einzigen, starken und süßen Flamme, die flackert und atmet, und während der ganzen Zeit ist sein Gesicht konzentriert, er sucht eine einzigartige Farbe, die im Fleisch kaum zu erkennen ist, bis er sein Gesicht vor mir versteckt und es mit einem Seufzer auf meinen Schoß legt.
    Widerspenstige Haare wachsen in seinem

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