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Lockwood & Co. - Die Seufzende Wendeltreppe: Band 1 (German Edition)

Lockwood & Co. - Die Seufzende Wendeltreppe: Band 1 (German Edition)

Titel: Lockwood & Co. - Die Seufzende Wendeltreppe: Band 1 (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jonathan Stroud
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weniger die Heimsuchung, die mich beschäftigte, als vielmehr immer noch das alte Foto. Was mochte die junge blonde Frau und den Mann neben dem Brunnen verbunden haben?
    »So weit alles klar?«, fragte Lockwood im Flüsterton, als George endlich neben ihm stand. »Wir verlassen das Haus durch die Vordertür und rennen so schnell es geht durch den Park bis zum Tor. Wenn wir das schaffen, bevor es hell wird, dann …«
    »Ich hätte vorher noch eine Frage«, sagte ich. »Glaubst du, dass Fairfax auch hinter dem Einbruch bei uns in der Portland Row steckt?«
    »Hundertprozentig. Als das schiefging, hat er sich etwas anderes ausgedacht und uns hierhergelockt.«
    »Heißt das, er ist hinter dem Medaillon her?«
    Er nickte. »Alles dreht sich um das Medaillon und das, was sich damit beweisen lässt.«
    »Und was lässt sich damit beweisen, Mr Lockwood?«, fragte eine tiefe Stimme.
    Es klirrte leise und zwei Gestalten lösten sich aus einer der Nischen.
    Den Umrissen nach waren es zwei Männer, doch die Form der Köpfe wirkte grotesk. Einer hielt eine Pistole, der andere eine Petroleumlampe, mit der er uns so anleuchtete, dass wir geblendet die Augen zukneifen mussten.
    Instinktiv griffen wir nach unseren Degen. »Halt!«, befahl die tiefe Stimme. »Schluss mit den Fechtkunststückchen. Auf den Boden mit den Waffen, wenn Sie nicht auf der Stelle erschossen werden wollen!«
    »Tut, was er sagt«, wandte sich Lockwood an uns. Er selbst nahm seinen Degen ab und ließ ihn fallen, George tat es ihm nach.
    Nur ich war noch bewaffnet. Ich starrte gebannt in die Richtung, aus der die Stimme kam.
    »Wird’s bald, Miss Carlyle?«, befahl die Stimme. »Sonst haben Sie gleich eine Kugel im Kopf.«
    »Lucy!« Lockwood legte mir die Hand auf die Schulter und rüttelte mich sanft.
    Ich ließ meine Waffe fallen.
    Lockwood zog die Hand wieder weg und vollführte eine weltmännische Gebärde. »Liebe Lucy, lieber George … darf ich euch noch einmal unseren Gönner und Gastgeber Mr John William Fairfax vorstellen, bekannter Geschäftsmann und Besitzer der Fairfax-Eisenwerke, ehemaliger Schauspieler und – nicht zu vergessen – Mörder von Annie Ward.«

Kapitel 24
    Fairfax trug noch dasselbe Frackhemd und die Anzughose wie am Abend, ansonsten aber war an dem alten Mann nichts mehr wie zuvor. Er hatte das dunkelgraue Jackett gegen einen kurzärmeligen Überwurf aus eisernen Kettengliedern getauscht, der seine Brust eng umschloss und darunter in schimmernden Falten herabhing. Seine Hände und Handgelenke steckten in Metallhandschuhen mit langen Stulpen. Er stützte sich auf den wohlbekannten Spazierstock mit dem eisernen Hundekopfgriff, nur dass jetzt die hölzerne Scheide entfernt war und man den langen, schlanken Degen sah, der sich darin verborgen hatte. Am auffälligsten und absurdesten war jedoch der Helm auf seinem Kopf – eine eiserne Kappe, die seinen Schädel eng umschloss und den Nacken mit einem ausgezogenen Rand schützte. Unter der Stirnplatte saß eine Lederbrille mit gewölbten Linsen, in denen sich das Licht spiegelte, sodass man seine Augen nicht erkennen konnte. Alles in allem sah Mr Fairfax wie ein dämonischer Frosch aus, Furcht einflößend und lächerlich zugleich.
    Er hob die Petroleumlampe höher und musterte uns in ihrem mit wirbelndem Qualm versetzten Licht. Dann grinste er so breit, dass seine Silberkronen blitzten.
    »Sie sind ein kaltschnäuziger Kollege, Mr Lockwood. Ich bin beeindruckt. Schade, dass wir uns nicht unter anderen Umständen begegnet sind. Ich hätte Sie sofort bei mir angestellt.«
    Ich weiß nicht, wie Lockwood das fertigbrachte, aber trotz der auf seine Brust gerichteten Pistole, trotz seines zerrissenen, mit Blut und Plasma bespritzten, mit Salz und Asche bestäubten Mantels, trotz der Spinnweben im Haar und den Schürfwunden im Gesicht und an den Händen bewahrte er auf bewundernswerte Weise Haltung.
    »Das ist sehr nett von Ihnen«, erwiderte er. »Aber wollen Sie uns nicht Ihren Freund vorstellen?« Er deutete mit dem Kinn auf den Mann mit der Pistole. »Ich glaube nicht, dass wir schon das Vergnügen miteinander hatten.«
    Der Unbekannte war nicht ganz so groß wie Fairfax, dafür aber kräftiger gebaut. Das, was man von seinem Gesicht sehen konnte, war ordentlich rasiert und wirkte noch jung. Auch er trug einen Froschhelm, ein Kettenhemd und einen Degen am Gürtel.
    Fairfax kicherte in sich hinein. »Das ist Percy Grebe, mein Chauffeur und persönlicher Assistent. Er hat bei Hambleton

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