Memoiren 1945 - 1987
peinlich. Er entschuldigte sich und wollte fortgehen.
«Warten Sie, bleiben Sie noch», rief ich erregt, «ich will versuchen, mit meinem Anwalt zu telefonieren. Sie müssen ihm das gleiche sagen.»
Ich erreichte Dr. Weber. Durch dieses Gespräch erfuhren wir, daß das Buch schon in den nächsten Tagen in Deutschland herauskommen würde.
Dr. Weber konnte das Erscheinen dieses Pamphlets in Deutschland noch rechtzeitig verhindern.
Hundertmal habe ich mir geschworen, ich würde nie wieder einen Prozeß führen, egal, was man über mich schreiben würde. Aber solche Ungeheuerlichkeiten konnte ich nicht über mich verbreiten lassen.
Ich rief London an, um Philip Hudsmith zu informieren. Er beschloß, sofort nach Paris zu fliegen.
«In diesem Fall», sagte er, «kommen wir um einen Prozeß nicht herum.»
Wenige Tage danach war ich auch in Paris. Der französische Advokat Gilbert Mativet, den mir mein Freund Charles Ford empfohlen hatte, übernahm den Fall. Es war nicht schwierig, diese Verleumdungen zu widerlegen. Die französische Sureté, in deren Gewahrsam ich mich über drei Jahre befunden hatte, war über fast jeden Tag informiert, den ich während des Krieges verbracht hatte.
Ein gewisser «Victor Alexandrov» war der Verfasser dieses Pamphlets. Ich zitiere eine Stelle:
«Als die ersten Befragungen der Filmregisseurin Leni Riefenstahl durch die
französischen Behörden erfolgten, wurde der Name Eichmann zitiert, ohne daß
Leni Riefenstahl irgendeine präzise Auskunft geben wollte. Leni Riefenstahl hatte
einen ihrer dokumentarischen Filme in den Vernichtungslagern gedreht, der in der
technischen Zusammenarbeit mit dem Chef des «Judenreferates» Sektion A 4
verwirklicht worden ist. Ohne dessen Unterschrift und ohne ausdrückliche Geneh
migung dieses hohen Funktionärs war es zu jeder Zeit unmöglich, in Konzentra
tionslager zu gelangen und dort Filme zu drehen. Befragt von französischen,
englischen und amerikanischen Dienststellen, wollte sie nie den Platz verraten, wo
die berühmten Dokumentationen, die sie für Hitler und Goebbels drehte, versteckt
waren, ein Geheimnis, das Leni Riefenstahl mit ins Grab nehmen wird ...»
Wie konnte nur ein Verlag, der den Ruf hatte, seriös zu sein, solche Ungeheuerlichkeiten über eine lebende Person verbreiten, ohne sich vorher über die Wahrheit der Behauptungen zu informieren? Mein französischer Anwalt war zuversichtlich. Ich konnteleicht beweisen, daß ich während des Krieges ausschließlich an «Tiefland» gearbeitet und Eichmann nie gekannt hatte. Seinen Namen las ich zum ersten Mal in der Presse, als ihm in Israel der Prozeß gemacht wurde. Am 1. Dezember 1960, wenige Tage nach Eingang der Klage, entschied das Pariser Gericht, das Buch über Eichmann dürfe nicht mehr erscheinen, wenn nicht die Stellen entfernt würden, die sich auf mich bezogen.
Die Berichterstattung über den Ausgang des Prozesses war in der französischen Presse objektiv, ausgenommen die kommunistische «Humanité», die einen langen Hetzartikel gegen mich brachte, in dem sie beklagte, daß man mich nicht wie andere Kriegsverbrecher in Nürnberg gehängt habe. Ich beauftragte meinen französischen Anwalt, der «Humanité» eine Berichtigung zustellen zu lassen, auch für den Fall, daß sie nicht gedruckt würde.
Pressekonferenz in London
V on Paris flog ich nach London. Philip, der die Reise und die Pariser Prozeßkosten übernahm, hatte eine Pressekonferenz vorbereitet, auf der zum ersten Mal in England meine Olympiafilme englischen Journalisten vorgeführt werden sollten. Dies war auch als Werbung für «Das blaue Licht» gedacht. Die Dreharbeiten sollten in allernächster Zeit beginnen.
Ich war auf Philips Frau gespannt, von der er trotz unserer freundschaftlichen Beziehung nie ein Wort erwähnt hatte. Seine Heirat, die erst vor kurzer Zeit stattgefunden hatte, war mir etwas rätselhaft. Er hatte nur am Ende eines Briefes, der sich ausschließlich mit unserem Filmvorhaben befaßte, seine neue Adresse mitgeteilt und dabei seine Frau erwähnt. Bald darauf erhielt ich einen Brief von ihr, aus dem ich erfuhr, daß sie Französin war und Agnes hieß. Sie schrieb, Philip werde alle Probleme lösen, und die gleiche Zuneigung, wie er sie für mich empfinde, bringe sie mir auch entgegen.
Nun saß sie neben mir im Auto und strahlte mich an. Sie war attraktiv. Im Hotel half sie mir beim Auspacken, und jedem ihrer Worte entnahm ich, wie
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