Nicht so stuermisch Hannah
durcheinander, und es war ihr vollkommen unmöglich, in Ruhe einen vernünftigen Entschluss zu fassen, geschweige denn, irgendetwas zu unternehmen.
„Stopp", murmelte sie und versuchte, das Chaos ihrer Gedanken zu bezwingen.
Das Gefühl, hilflos zu sein, war ihr völlig fremd. Immerhin arbeitete sie in einem medizinischen Beruf. Im Krankenhaus wurde sie beinahe täglich mit lebensbedrohlichen Notfällen konfrontiert. Aber hier ging es um Tammy, die gerade in zwei Tonnen rostigen Stahls losgefahren war. Es war ihre kleine Schwester, die sich in höchster Gefahr befand.
Sollte sie Tammy folgen? Hannah blickte zu ihrem kleinen Personenwagen hinüber und dann wieder zu dem staubigen Weg, der sich in den Bäumen verlor. Sie schüttelte den Kopf. Ihr eigener Wagen würde eine Fahrt durch den Wald nicht überleben.
Polizei? Feuerwehr? Hannah überlegte, ob sie den Notruf anrufen sollte, ließ den Gedanken aber gleich wieder fallen. So gefährlich wird es schon nicht sein, sagte sie sich.
Und es war ja auch niemand verletzt.
Bis jetzt nicht.
Die drei kleinen Worte brachten Hannah erneut in Panik. Sie musste hinterher. Hannah rannte ins Haus, um ihre Wagenschlüssel zu holen.
Aber was sie gebraucht hätte, wäre ein Geländewagen. Oder ein Pick-Up.
Adam.
Sie brauchte Adam!
Klingelnd fielen die Schlüssel auf den Küchenboden, als sie den Telefonhörer abhob.
Adam drückte das Gaspedal durch, als er die kurze Strecke zu Bobby Rays Haus fuhr.
Mit einem Kopfschütteln verbesserte er sich: Das Haus gehört jetzt Tammy - Tammy und Hannah.
Hannah war am Telefon so aufgeregt gewesen, dass er kaum ein Wort verstanden hatte von dem, was sie sagte. Alles, was er begriffen hatte, war, dass Tammy fort war und dass er kommen sollte. Sofort.
Sein Herz schlug schneller vor Sorge.
Die Reifen quietschten, als er auf den staubigen Weg bog, der zum Haus der Familie Cavanaugh führte.
Der Weg, der zu Hannah führte ...
Als ihm bewusst wurde, dass ihn dieser eine Gedanke nicht mehr loslassen wollte, begann er erstaunt zu grübeln.
Woher kam dieser Gedanke?
Seit Bobby Rays Tod vor einigen Wochen, hatte Adam alles ihm Mögliche für Tammy getan. Er hatte sie täglich besucht und sich vergewissert, dass alles in Ordnung war. Bisher war es ihm gelungen, dies auf eine Weise zu tun, die Tammy nicht beleidigte. Er hatte sich darum gekümmert, dass die Schecks von den Behörden weiterhin eintrafen. Und gleich nach Bobby Rays Beerdigung hatte er sich mit dem einzigen Anwalt von Little Haven zus ammengetan, um Tammys nächste Verwandte zu benachrichtigen.
Wie kam es dann, dass, obwohl möglicherweise Tammy in Gefahr war, sein erster Gedanke Hannah galt? Hannah, dieser überheblichen, arroganten Frau, die ihm seit ihrer ersten Be gegnung auf die Nerven ging?
Das ist eine Lüge, Adam, meldete sich eine kleine Stimme in seinem Hinterkopf, eine dreiste Lüge. Sie geht dir nicht auf die Nerven, sie fordert dich heraus. Mit ihren rotblonden Haaren und den strahlenden grünen Augen. Und wie sie dich herausfordert. Das ist es, was dich irritiert.
„Ach, hör schon auf", murmelte Adam und brachte den Wagen zum Stehen.
Hannah war schon aus der Tür und eilte die Verandatreppe hinunter, bevor Adam Zeit hatte, die Wagentür zu schließen.
„Steigen Sie wieder ein. Wir müssen ihr nachfahren."
Der zauberhafte Glanz ihrer strahlend grünen Augen weckte
in Adam den Wunsch, Hannah zu beruhigen. Er nahm ihren Arm und sagte leise: „Warten Sie."
Hannah schüttelte seine Hand ab. „Sie fährt selbst. Ich meine, sie fährt dieses Auto. Sie wird sich verletzten. Wir müssen hinterher. Sofort."
Adam fühlte mit der aufgewühlten Hannah mit. „Ich sagte, Sie sollen warten", wiederholte er jedoch und fasste sie erneut beim Arm. Sein Griff zeigte so viel Entschlossenheit, dass er Hannah damit zum Zuhören brachte.
Adam blickte sie eindringlich an, als sei nur sie wichtig. „Sie müssen sich beruhigen, Hannah, und mir erst mal erzählen, was passiert ist."
Unendlich viele Gedanken kreisten auf einmal in Hannahs Kopf. Das konnte Adam sehen. Und er wusste, sie würde für Tammy keine große Hilfe sein, bevor sie sich nicht wieder unter Kontrolle hatte.
„Ich war damit beschäftigt, auf der vorderen Veranda alte Farbe von der Wand zu kratzen", begann Hannah schließlich zu erzählen, „als ich Tammy das Haus verlassen sah.
Wie jeden Tag. Aber ich rief sie zurück. Als ich sie nach Daddys Auto fragte und meinte, wir sollten die Rostlaube
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