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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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– mit jener Art der Erkenntnis zu betrachten, die man nur erwarb, wenn man ein reiferes Verständnis für Nuancen en t wickelte, zu dem heranwuchs, was in einem ang e legt war, und lernte, Ironien, Metaphern, Synekdochen und M e tonymien nicht nur in der Sprache, sondern auch in der Stru k tur des Universums zu akzeptieren.
    Wenn es ihm gelang, zu irgendeiner Altmenschen-Enklave z u rückzukehren, nicht nur nach Ardis, und wieder Verbindung mit seinesgleichen aufzunehmen, würden seine neuen Funkti o nen die Menschheit ein für alle Mal verändern. Er würde sie niemandem aufzwingen, aber da diese Iteration des Homo Sap i ens kurz vor der Ausrottung stand und möglicherweise bald von dieser post-postmodernen Welt verschwunden sein würde, glaubte er kaum, dass jemand, der von Voynixen, Calibani und einem riesigen, se e lensaugenden, auf vielen Händen herumtrippelnden Gehirn a n gegriffen wurde, sich allzu heftig dag e gen wehren würde, neue Gaben, Kräfte und einen Überleben s vorteil zu erwerben.
    Sind diese Funktionen – auf lange Sicht – wirklich ein Überlebensvo r teil für meine Spezies?, fragte sich Harman.
    Die Antwort, die ihm seine eigene mentale Stimme gab, war das laute »Mu!« eines Zen-Meisters auf die dumme Frage eines Akol y ten. »Mu!« bedeutete so viel wie: »Stell die Frage nicht, Dum m kopf.« Darauf folgte oft das gleichermaßen einsilbige »Qwatz!«, mit dem der Zen-Meister auf den dummen Schüler zusprang und ihm mit dem schweren Lehrerstock auf Kopf und Schultern schlug.
    Mu. Hier gibt es keine »lange Sicht« – das werden meine Söhne und Töchter und deren Kinder entscheiden müssen. Im Moment existiert alles – alles – auf kurze Sicht.
    Und die Gefahr, von einem buckligen Voynix ausgeweidet zu werden, wirkte meist Wunder für die geistige Konzentration. Wenn die Funktionen wieder eingeschaltet wurden – Harman wusste, weshalb die alten Funktionen einschließlich der Suc h funktion, Allnet, Proxnet, Farnet und Sigln nicht arbeiteten: J e mand dort oben in den Ringen hatte nicht nur die Fax-Maschinen ausgeschaltet, sondern auch die Übertragungen b e endet, so viel stand fest.
    Wenn die Funktionen wieder eingeschaltet wurden …
    Aber wie konnte man sie wieder einschalten?
    Erneut befasste sich Harman mit dem Problem, wie er zu den Ringen hinaufgelangen und alles wieder einschalten konnte – Energieversorgung, Servitoren, Fax, sämtliche Funktionen.
    Er musste wissen, ob dort oben noch andere außer Sycorax wa r teten und welche Schutzvorkehrungen es dort gab. Die Mi l lion Bücher, die er im kristallenen Schrein in sich aufgenommen hatte, schwiegen sich zu dieser entscheidenden Frage aus.
    »Warum wollt ihr mich nicht zu den Ringen hinaufqten, Prosp e ro und du?«, fragte Harman. Er drehte sich zu Moira um und stellte fest, dass er sie im schwindenden Licht kaum noch sehen konnte. Ihr Gesicht war hauptsächlich vom Licht der Ringe e r leuchtet.
    »Das möchten wir lieber nicht«, antwortete sie auf ihre prov o zierendste Weise, im Stil von Melvilles Schreiber Bartleby.
    Harman dachte an die Waffe in seinem Rucksack, die Kugeln verschoss. Wenn er ihr mit einer Waffe vor der Nase herumfuc h telte und ihr die Möglichkeit gab, in seinem Gesicht zu l e sen, dass er es ernst meinte – die Nachmenschen besaßen ihre eigenen Funktionen, mit denen sie menschliche Reaktionen e r kennen und verstehen konnten –, würde diese Kombination sie dann dazu bewegen, ihn nach Ardis oder zu den Ringen zu quantentelepo r tieren?
    Er wusste, dass es nicht so war. Sie hätte ihm die Waffe ni e mals gegeben, wenn sie eine Bedrohung für sie darstellen wü r de. Sie hatte irgendeine Gegenmaßnahme in die Waffe eingebaut – vie l leicht eine schlichte Gehirnwellen-Schaltung im Schießmechani s mus, mit deren Hilfe sie allein durch die Kraft ihrer nachmensc h lichen Gedanken verhindern konnte, dass sie feuerte –, oder sie besaß selbst gleichermaßen narren- und kugelsichere Schutzvo r richtungen.
    »Du und der Magus, ihr habt euch so viel Mühe gemacht, mich zu entführen und quer durch Indien in den Himalaya zu transpo r tieren, nur um mich in den kristallenen Schrein zu st e cken, mich zu ertränken und mir Bildung einzuflößen«, sagte Harman. Das war seine größte Aneinanderreihung von Wö r tern, seit sie den Marsch in den Bruch angetreten hatten, und er merkte, wie banal und redundant sie waren. »Weshalb habt ihr das getan, wenn ihr nicht wollt, dass ich Setebos und die and e ren Bösen

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