Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
"Ich habe selbst schon daran gedacht... Und nun entschuldigen Sie mich bitte."
Sie setzte sich ans Steuer des Sportflitzers und kramte in ihrer Handtasche nach dem Schlüssel.
"Wo wollen Sie eigentlich hin? Scheint, als würden Sie länger wegbleiben..."
"Ich sagte schon, daß Sie das nichts angeht, Walker!" Sie hatte indessen den Schlüssel gefunden und steckte ihn ins Zündschloß.
"Ich frage ja nur, weil es vielleicht noch Fragen an Sie gibt... Nicht nur von mir. Auch die Polizei..."
"Hören Sie, wenn Sie es ganz genau wissen wollen: Solange ich nicht weiß, ob Saul etwas mit Moss' Tod zu tun hat, kann ich mit ihm nicht unter einem Dach leben. Das geht einfach nicht. Ich..." Sie stockte und schluckte dann. Eine Träne lief ihr aus dem linken Auge und sie wischte sie hastig beiseite.
"Moss Gardner hat Ihnen wirklich etwas bedeutet, nicht wahr?" war Jos Stimme in sanfterem Tonfall zu hören.
Sie nickte. "Ja. Und Saul hat ihn nicht erst gehaßt, seit er das mit uns herausbekommen hat." Sie blickte auf und fuhr dann fort: "Ich fahre in unser Wochenendhaus in Vermont. Die Adresse kann ich Ihnen aufschreiben. Wahrscheinlich werden Sie mich hier nie wieder erreichen können."
"Haben Sie Ihren Mann eigentlich mal gefragt, ob er es wirklich gewesen ist?"
"Habe ich!"
"Und die Antwort?"
Sie zuckte mit Schultern. "Was bedeutet eine Antwort von Saul Enright schon? Er sagt einem immer das, wovon er glaubt, daß man es gerade hören will."
*
Der Mann hieß Garry McCoy und schrieb regelmäßig für ein gutes Dutzend Tageszeitungen und Illustrierte. Er war der Mann für Sensationsstories und schien ganz gut von seinem Job leben zu können. Jedenfalls sprang dabei sicher mehr heraus, als seine Wohnung in SoHo monatlich an Miete verschlang - und das war sicher nicht wenig.
Als Jo Walker ihn mittags aus dem Bett klingelte, war er davon alles andere als begeistert. Ein mürrisches, verschlafen wirkendes Gesicht blickte den Privatdetektiv durch den Türspalt an.
"Was gibt's? Ein Einschreiben?" knurrte McCoy.
"Ich bin nicht von der Post", erwiderte Walker. Jetzt erst hob McCoy den Kopf und sah sich sein Gegenüber richtig an. Er rieb sich die Augen.
"Was wollen Sie? Ich kenne Sie nicht!"
"Mein Name ist Walker und ich hätte Sie gerne wegen dieser Fahrerflucht-Story gesprochen..."
"Welche Fahrerflucht-Story?"
"Ist schon ein paar Jahre her. Es drehte sich um Moss Gardner..."
McCoy grinste schwach.
"Wäre da jetzt nicht eine Story etwas aktueller?"
"Kann schon sein", meinte Jo. "Ich suche Gardners Mörder - und vielleicht hängen beide Sachen zusammen."
McCoy machte jetzt große Augen. "Sind Sie von der Polizei?"
"Nein, Privatdetektiv."
McCoy ließ sich Jos Lizenz zeigen, dann ließ er ihn in die Wohnung. "Ich möchte nur sichergehen, daß Sie nicht einfach ein Konkurrent sind, der mich nur aushorchen will!"
Jo lachte. "Keine Sorge. Ich habe nicht vor, ein Wort von dem zu veröffentlichen, was hier gesagt wird."
"Also los, sagen Sie schon, was Sie wollen. Und vielleicht haben Sie auch etwas Interessantes für mich..."
"Einen Mörder kann ich Ihnen leider nicht präsentieren!"
"Schade!" McCoy hob bedauernd die Hände. "Darauf warten die Leute doch, daß endlich der Verrückte gefaßt wird, der ihre Lieblinge killt!" Ein zynischer Zug spielte um seinen Mund, der Jo nicht gefiel.
"Vielleicht bringen Sie mich ein Stück weiter."
McCoy zuckte die Achseln. "Wenn ich kann..."
"Sie sind mit der Story damals an die Öffentlichkeit gegangen. Meine Assistentin hat sich die Finger wundtelefoniert und ist immer wieder auf Ihren Namen gestoßen, Mister McCoy..."
"Ja, ich war der erste!" Er grinste breit. "Das bin ich meistens!"
"Wie kamen Sie darauf, daß Moss Gardner etwas mit einem Fall von Fahrerflucht zu tun haben könnte?"
Er lachte heiser. "Glauben Sie wirklich, daß ich Ihnen darauf eine Antwort gebe, Mister Walker? Wie kommt auf so etwas? Man hat eine Nase oder man hat sie nicht!" Er kratzte sich am Hinterkopf und setzte dann nach kurzer Pause noch hinzu: "In Ihrem Job geht es doch sicher ähnlich, wenn ich mich nicht irre!"
"In einigen Presseberichten ist von einem anonymen Anrufer die Rede, der sich bei der Polizei gemeldet hat!"
"Kann schon sein. Aber bitte verstehen Sie... Die Sache ist lange her!"
"Hat dieser Anrufer sich vielleicht zufällig auch bei Ihnen gemeldet?"
"Selbst wenn es so wäre, ich würde es Ihnen nicht sagen. Informantenschutz ist eine heilige Kuh für mich, kapiert?"
"Wie kommt es
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