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Purpurfalter

Purpurfalter

Titel: Purpurfalter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sandra Henke
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Von Hexerei zu sprechen mag vielleicht etwas übertrieben sein. Aber …“ Die Vampirin lachte. „Ich werde Euch nicht zu viel verraten. Damit Ihr jedoch meine Vorführung bei hellem Verstand miterlebt, habe ich Euch eine Mixtur zu trinken gegeben. Schließlich ist dies Euer großer Auftritt.“
    „Diese Vorführung hat nicht den Sinn mich lächerlich zu machen. Habe ich Recht?“
    „Stellt sie in Position!“ Amorgenes Peitsche surrte durch die Luft.
    Die Hünen zerrten Loreena in den hinteren Bereich der Tanzfläche, wo vorher das Orchester unter dem bordeauxroten Gobelin gespielt hatte. Neben dem Wandteppich hatte das Wandervolk ein Brett aus Ebenholz an die Wand gestellt. Blutkrusten überzogen das schwarze Holz. Die Männer stellten Loreena mit dem Rücken an das Brett und hielten ihre Arme weit vom Körper gespreizt. Loreena versuchte sich loszureißen. Aussichtslos! Was hatte Amorgene vor?
    Die Vampirin wandte sich an die Gäste, die ihr jedoch kaum Aufmerksamkeit schenkten. „Verehrtes Publikum. Nun zeigen wir Ihnen eine Darbietung der besonderen Art. Mögen wir auch nur gewöhnliche Tricks beherrschen, so würzen wir sie doch mit einer Prise Exotik.“ Einige wenige Anwesende klatschten, darunter Lomas und Wor. Die meistens jedoch konzentrierten sich weiterhin auf Wetttrinken und Fressorgien.
    Wie ein Rudel wilder Bestien, dachte Loreena und schaute zur Deckenbemalung. Hatte diese einen magischen Einfluss auf die Gäste? Unmöglich - war die Wolfsburg doch Graf Schomuls Domizil, der offensichtlich ebenfalls einem Zauber erlegen war.
    „Dies ist Euer Abend.“ Ein Dolch mit perlmuttfarbenem Griff tauchte in Amorgenes Hand auf, die sich zu ihrem Opfer herumdrehte. „Ich tue Euch lediglich einen Gefallen.“
    Loreena schluckte. Die gebogene Klinge blitzte im Kerzenschein auf, als die Vampirin das Messer provozierend in der Luft umherschwenkte. Sehnlichst wünschte sich Loreena eine größere Anzahl Kerzen neben der Tanzfläche. Während die Gäste von einigen hundert Tropfkerzen umgeben waren, hüllte sich der hintere Teil der Tanzfläche in Dunkelheit. Sie vermutete Absicht dahinter, konnten die Gäste doch kaum sehen, was wirklich vor sich ging. Verzweifelt versuchte sie Graf Schomuls Aufmerksamkeit zu erlangen, aber sein Blick war leer. Er starrte regungslos in ihre Richtung. Weshalb sollte er ihr auch helfen? Dieses Hexenspiel war seine Rache.
    Schon schnellte der Dolch heran. Loreena stockte der Atem. Steif stand sie an der Wand, die Arme durch die Hünen gespreizt wie bei einer Kreuzigung. Würde sich die Klinge wie ein Nagel zur Fixierung in ihr Handgelenk bohren? Loreena hatte sich geschworen, nicht mehr schwach zu sein. Die Zeit zu handeln war gekommen. Sie atmete tief durch. Mit aller Kraft zerrte sie an ihren menschlichen Fesseln. Sie schmiss ihren Körper zur rechten und zur linken Seite, ging dann in die Knie. Die Hünen sahen sie erstaunt an. Brutal rissen sie Loreena hoch. Der Dolch erreichte sein Ziel. Er bohrte sich in das Ebenholzbrett, unweit von Loreenas Pulsader. Die Klinge war nur daumenbreit von ihrem Handgelenk entfernt. Hätte sie nicht gegen die fleischigen Fesseln angekämpft …
    Ungläubig schüttelte sie das Haupt. „Ihr kennt keine Grenzen.“
    Amorgene präsentierte Loreena vier weitere Dolche. „Natürlich nicht. Wir sind ein Wandervolk.“ Ihre Stimme klang nun rauchig und eiskalt. „Haltet sie gefälligst besser fest!“
    Die Hünen hielten Loreenas Handgelenke und drückten gleichzeitig gegen ihre Schultern. Doch Loreena kämpfte! Sie stemmte sich gegen die Pranken und trat nach den Männern.
    Plötzlich schnellte der zweite Dolch heran. Er bohrte sich in die Außenseite von Loreenas Oberschenkel. Schmerztrunken biss sie sich auf die Lippe, bis sie ihr eigenes Blut schmeckte.
    „Hättet Ihr Euch nicht bewegt, hätte ich Euch nicht getroffen.“ Amorgene küsste die Klinge des dritten Dolchs und hielt ihn hoch. Der Perlmuttgriff glänzte im Kerzenlicht, während die Klinge stumpf und verrostet war. „Also, entscheidet Euch.“
    Loreena dachte fieberhaft nach. Wie konnte sie sich aus dieser abartigen Situation befreien? Es musste einen Weg geben. Es gab immer einen Ausweg. Weshalb nur fiel ihr gerade jetzt keine Möglichkeit ein? Gegen die Kraft der Hünen war sie machtlos. Loreena besaß lediglich eine Chance sich loszureißen, wenn die Männer sich in Sicherheit wiegten.Doch war sie in der Lage gegen die Panik zu arbeiten und still stehen zu bleiben?
    Schwer

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