Saemtliche Werke von Jean Paul
hätte den Hasen gar unterdrückt und mit dem Rahmen des Gemäldes überdeckt, wenn er nicht mit seinen Löffeln und Läufen zu weit herausstände und -klaffte; auch ist er vom Korrespondenten ausdrücklich unter den Benefiz-Konföderierten mit aufgeführt und angezeichnet. – – Es lohnt kaum der Mühe zu schreiben:
Fünfter Akt ; da nun alles versalzen ist und die Lesewelt lacht. Im fünften Akt, den ich ohne alle Lust mache, wurd’ auch weiter nichts getan – anstatt daß Tragödiensteller und Christen die Bekehrung und alles Wichtige in den letzten Akt verlegen, wie nach Bako ein Hofmann seine Bittschriften in die Nachschrift verschob –, als daß die Prinzessin ihre neuen Hofdamen das erste Rechen- oder Abziehexempel ihres Erzamtes machen ließ: das nämlich, sie auszukleiden…. Und da mit dem Auskleiden sich die fünften Akte der Trauerspiele – der Tod tuts – und der Lustspiele – die Liebe tuts – beschließen: so mag sich auch dieses Benefizding, das wie unser Leben zwischen Lust- und Trauerspiel schwankt, matt mit Entkleidung enden.
Ende der Benefizakte
– Ich war gestern zu aufgebracht. Der Apotheker ist zwar der Hund und die Katze in meinem Gemälde, die einander unter dem Tische des Abendmahls beißen; aber im ganzen ist die Posse schon erhaben. Man bedenke nur, daß alles in einer monarchischen Regierungform abgetan wird – daß diese nach Beattie dem Komischen mehr als die republikanische aufhilft – daß nach Addison und Sulzer gerade die spaßhaftesten Menschen (z. B. Cicero) am ernsthaftesten sind, und daß folglich das nämliche auch von dem Zeug, das sie machen, gelten müsse: so sieht man schon aus dem Komischen, das meine Akte haben, daß sie ernsthaft sind. – –
Mein Held hielt im Laden eine heftige Pater Merzische Kontroverspredigt gegen etwas, wofür die Reichsstädter und Reichsdörfer predigen – dagegen: »daß die Menschen ohne alles weiße und graue Gehirn und ohne Geschmack und Geschmackwärzchen in dem Grade handeln können, daß sie sich nicht schämen, die paar Jahre, wo sie der Schmerz noch nicht auf seinem Pürschzettel und der Tod noch nicht auf seinem Nachtzettel hat, sündlich und hundmäßig zu verzetteln, nicht etwa mit Garnichtstun, oder mit den halben Takt-Pausen der Kanzleiferien, oder den ganzen Takt-Pausen der Komitialferien, oder mit den Narrheiten der Freude – was wäre rühmlicher? –, sondern mit den Narrheiten der Qual, mit zwölf herkulischen Nichts-Arbeiten, in den Raspelhäusern der Vorzimmer, auf dem tratto di corda des gespannten Zeremoniells…. Mein lieber Hofmarschall, meine schönste Oberhofmeisterin, ich billige alles; aber das Leben ist so kurz , daß es nicht die Mühe lohnt, sich einen langen Zopf darin zu machen. – Könnten wir nicht das Haar aufbinden und über alle Vorsäle, d. h. Vorhöllen, über alle Vorfechter und Vortänzer hinwegsetzen gleich mitten in die Maiblumen unsrer Tage hinein und in ihre Blumenkelche… Ich will mich nicht abstrakt und scholastisch ausdrücken: sonst müßt’ ich sagen: wie Hunde werden Zeremonien durchs Alter toll; wie Tanzhandschuhe taugt jede nur einmal und muß dann weggeworfen werden; aber der Mensch ist so ein verdammt zeremonielles Tier, daß man schwören sollte, er kenne keinen größern und längern Tag als den Regensburger Reichstag.«
Solange er aß, war Tostato nicht da, sondern im Laden. Nun hatt’ er schon am vorigen Abend einen Entwurf zum Kusse der schönen Dunsin nicht aus dem Kopfe bringen können: »Eine viehdumme Huldin küss’ ich einmal ,« sagt’ er, »dann hab’ ich Ruh’ auf Lebenlang.« Aber zum Unglück mußte um die Dunsin die sogenannte Kleinste (die Schwester), deren Verstand und deren Nase zu groß waren, als Senkfeder der Angel schwimmen, und die Feder würde sich, hätt’ er nur eine Lippe an den Köder gesetzt, sogleich gereget haben. Er war aber doch pfiffig: er nahm die Kleinste auf die Schenkel und schaukelte sie wie Zeusels Kutscher und sagte dieser Klugen süße Namen über den Kopf hinüber, die er alle mit den Augen der Dummen zueignete (am Hofe wird er mit umgekehrtem Scheine zueignen). Er drückte der Kleinsten zweimal zum Spaße die Spionenaugen zu, bloß um es im Ernst zum dritten Male zu tun, wo er die Dunsin an sich zog und sie mit der rechten Hand in eine Stellung brachte, daß er ihr – zumal da sie es litt, weil Mädchen der List ungern abschlagen, oft aus bloßer Freude, sie zu erraten – unter den Hofdiensten gegen die
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