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Sag, es tut dir leid: Psychothriller (German Edition)

Sag, es tut dir leid: Psychothriller (German Edition)

Titel: Sag, es tut dir leid: Psychothriller (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael Robotham
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fand. Wenn man sich so weit vorwagt, kann man nicht mehr zurück. Dann ist man über die Klippe. Man fällt durch die Luft. Die Schwerkraft kann es sich nicht anders überlegen. Obwohl ich mal eine Geschichte von einer Frau gehört habe, die von der Clifton Suspension Bridge gesprungen ist, und ihr langer Rock bauschte sich auf und funktionierte wie ein Fallschirm. Ich weiß noch, dass ich dachte, Schwein gehabt, aber das hat sie wahrscheinlich nicht so gesehen.
    An Selbstmord gedacht habe ich auch. Nicht so sehr daran, mich umzubringen, als daran, alle auf meiner Beerdigung zu sehen – all die Menschen, die mein Leben so schrecklich gemacht haben. Das kommt mir jetzt kindisch vor. So schlimm war mein Leben damals nicht. Die Dinge relativieren sich, wenn man in einem Keller eingesperrt ist.
    Es gibt Schlimmeres als Sterben. Ich habe gesehen, wie Callum Loach in einem Rollstuhl aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen ist. Ich habe in diesem dunklen Loch gelebt. Ich habe zugesehen, wie meine beste Freundin verwelkt ist und die Hoffnung aufgegeben hat.
    Als Callum nach Hause kam, hatte der Krankenwagen hinten eine kleine Rampe, und seine Familie hatte im ganzen Haus weitere kleine Rampen gebaut und sein Zimmer ins Esszimmer verlegt, damit er nicht die Treppe hochmusste.
    Eine Menge Leute waren zu seiner Begrüßung erschienen, doch er sah eher verlegen als froh aus. Er wollte in Ruhe gelassen werden.
    Er war rechtzeitig wieder zu Hause, um beim Prozess gegen Aiden Foster auszusagen. Die Fotografen machten Bilder von ihm, wie er von seinem Vater geschoben in einem Anzug vor Gericht ankam. Damals hatte er seine Prothesen noch nicht, sodass seine Hosenbeine nutzlos herumflatterten, wo vorher seine Beine gewesen waren.
    Sein Vater saß mit versteinertem Gesicht auf der Galerie. Diese Beschreibung hätte man extra für Mr Loach erfinden können: »versteinert« – er sah aus wie aus Fels gehauen. Er hätte ein Gesicht am Mount Rushmore sein können.
    Aiden trat in einem Anzug und einer Frisur auf, die ihn aussehen ließen wie einen Chorknaben. Er hatte sogar einen Seitenscheitel. Anstatt rumzutönen, ging er, den Blick gesenkt, zwischen seinen Eltern.
    Emily musste als Erste aussagen. Sie war es gewohnt, ins Gericht zu kommen, weil ihre Eltern sich um das Sorgerecht stritten. Ich wartete draußen im Foyer neben meinem Dad, der immer wieder meine Hand drückte und mich ermahnte: »Sag einfach die Wahrheit. Mehr verlangt niemand von dir.«
    Ich wurde aufgerufen. Die große Tür öffnete sich quiet schend. Ich ging zwischen den Reihen nach vorn. Aiden saß auf der abgeteilten Anklagebank. Ich musste meine rechte Hand heben und auf eine Bibel schwören. Dann fing der Staatsanwalt an, mich zu fragen, was ich an dem Abend gesehen hatte. Ich erzählte ihnen, was passiert war.
    Anschließend stellte mir Aiden Fosters Anwalt noch ein paar weitere Fragen. Er wollte wissen, wie viel Tash getrunken und welche Drogen sie genommen hatte. Er stellte sie dar wie eine große Dealerin, und immer wenn ich versuchte, etwas Nettes über sie zu sagen, zog er die Brauen hoch, als würde er kein Wort glauben.
    »Hast du ein Problem damit, die Wahrheit zu sagen?«, fragte er.
    »Nein.«
    »Nun, dann beantworte einfach meine Fragen – mit Ja oder Nein.«
    »Nicht jede Antwort ist so einfach«, gab ich zurück. »Was ist, wenn mehrere Lösungen richtig sind?«
    Die Leute lachten, aber der Anwalt hatte offenbar vergessen, wie das geht. Er zeigte mir nur seine scharfen Zähne.
    Nachdem der Richter mich aus dem Zeugenstand entlassen hatte, durfte ich im Gerichtssaal Platz nehmen und zuhören. Tash betrat den Raum wie ein Filmstar. Als sie den Zeugenstand erreichte, nahm sie ihre Sonnenbrille ab und zog den Saum ihres Kleides nach unten, während sie die Beine übereinanderschlug.
    Aiden Fosters Anwalt konnte es kaum erwarten, sie mit Fragen zu bombardieren. Während Tashs Aussage verzog er das Gesicht, zappelte herum und zeigte demonstrativ seine Frustration. Als er mit dem Kreuzverhör dran war, schleimte er sich grinsend und feixend durch den Gerichtssaal. Jede Frage schien eine unterschwellige Nebenbedeutung zu haben. Und wenn Tash versuchte, auf beide Ebenen einzugehen, erklärte er ihr: »Nur Ja oder Nein, Miss McBain.«
    Nach einer Weile kam sie durcheinander und bejahte Fragen, die sie verneinen wollte. Wenn er nur den kleinsten Fehler entdeckte, verbiss er sich darin. Er drehte sein großes unsichtbares Messer in der Wunde und blickte dabei

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