Schatten im Park
um. „Sie sind fort“, sagte er mehr zu sich selbst und schaute Issi an. „Ich bin ein Feigling, aber das weißt du ja.“ Er drehte sich weg. Der wunderschöne Nachmittag im Wald erschien plötzlich grau und kalt.
Issi schüttelte ihn sanft: „Ich weiß, dass du kein Feigling bist. Du hast viel durchgemacht in letzter Zeit. Du bist an einen Kriminellen geraten. Wir sind zu jung, glaub ich, um uns mit gefährlichen Erwachsenen einzulassen. Bitte, Benji, überlass das der Polizei.“ Sie stand vorsichtig auf und sah den Weg entlang. „Die beiden sind weg. Komm, wir verschwinden.“
Issi packte ihren Rucksack fertig, dann griff sie nach Benjis Hand. Er ließ es geschehen und schaute hinunter auf ihre Hände. „Gibt’s doch gar nicht, und das mir“, dachte er glücklich. Am Waldrand ließ Issi ihn los. Benji schämte sich, weil seine Hand ganz verschwitzt war. Sie liefen die Wiese hinunter, überquerten den Bahnübergang und bogen in die Hauptstraße ein. „Kommst du noch zu mir?“, fragte Issi. Benji nickte nur. Er konnte es gar nicht glauben. Als Kindergartenkind war er öfter im Haus von Issis Eltern gewesen, als seine Mutter ihn dorthin mitgenommen hatte. Aber das war schon ziemlich lange her.
Issi versuchte, die Haustür zu öffnen. Sie war versperrt. „Ich hab meinen Schlüssel zu Hause gelassen. Aber es ist sicher wer da.“ Sie läutete. Ein paar energische Schritte näherten sich, und Issis Vater stand in der Tür. Er war ein großer, hagerer Mann mit Halbglatze. Sein erster Blick fiel auf Benji. Issi umarmte ihren Vater, der lächelte kurz: „Hallo, Isabella, mein Schatz!“ Dann schob er sie vorsichtig zur Seite. „Und wer bist du?“, fragte er Benji kühl.
„Papa, das ist Benji, Benji Illek, du kennst ihn. Er kann doch mit hereinkommen?“
Herr Erlach sah Benji genauer an. „Mhm.“ Er wandte sich wieder an seine Tochter. „Tut mir leid. Jetzt nicht, vielleicht ein anderes Mal. Wir haben Dringendes miteinander zu besprechen.“ Er legte seiner Tochter die Hand auf die Schulter.
Issi schaute Benji unglücklich an. Der nickte langsam. „Ja, auf Wiedersehen.“ Er drehte sich um und ging. Kurz glaubte er noch seinen Namen zu hören und blieb stehen. Dann aber vernahm er deutlich das Zuschlagen der Haustür. Vielleicht ein anderes Mal. Das hieß wohl niemals. Es wäre einfach zu schön gewesen.
Eugen Hotter
„Benji, jetzt geht’s wirklich los! Sie tragen den Pavillon ab.“ Morz riss Benji aus seinen trüben Gedanken. Issi war nicht in die Schule gekommen. War sie krank oder war etwas anderes geschehen? Benji konnte sie nicht einmal anrufen. Ihre Handynummer kannte er nicht, und auf dem Festnetz rief er sie ganz sicher nicht an. Da wäre vielleicht ihr Vater, der Ingenieur, dran. „Das schauen wir uns an. Bin gespannt, ob sie wirklich etwas finden. Alte Knochen und so.“ Morz war aufgeregt.
Benji sah auf und sagte nur: „Ah ja.“
Sein Freund schüttelte ihn. „He, das ist alles? Du bist doch immer abgefahren auf das, was da drunter ist! Jetzt kommt es raus. Also, was ist? Heute, halb drei, hinter der Haltestelle? Micha kommt auch mit.“
Benji riss sich zusammen und nickte. „Klar bin ich dabei.“
Hinter der Autobushaltestelle, gegenüber dem Park, war ein wunderbarer Beobachtungsplatz. Außerdem würde sie von hier niemand vertreiben. „Die gehen es aber wild an. Wollen sie heute noch fertig werden?“ Micha hatte ein Fernglas mitgebracht. „Ah, der Hofer steht auch daneben.“
„Lass sehen!“ Moritz wollte Micha das Fernglas wegnehmen.
„Gleich. Der Hofer ist aber auch überall mit dabei. So, jetzt geht er.“
„Sicher zum Artner, ins Gasthaus“, grinste Benji.
„Hallo, die jungen Herren!“ Sie bekamen einen gewaltigen Schreck. Micha wäre fast das Glas aus der Hand gefallen. Langsam drehten sie sich um, bereit davonzulaufen. Ein älterer Mann mit weißem Haar stand vor ihnen und lachte. „Na, na, so furchtbar bin ich nicht.“ Er zeigte auf Michas Fernglas. „Ihr interessiert euch für die Abbrucharbeiten, ja? Aber warum geht ihr nicht näher ran? Ihr müsst doch nicht heimlich mit dem Fernglas zusehen.“
„Wir dürfen nicht näher hin“, meinte Micha kleinlaut.
„Wer sagt das? Das werden wir gleich haben. Ich kann schließlich auch ein bisschen dabei mitreden. Schauen wir uns das Ganze aus der Nähe an.“
Die drei querten mit dem Mann die Straße und betraten den Park. Knapp vor der Umzäunung blieben sie stehen. Einer der Arbeiter kam eilig auf
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