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Schatten ueber Hollywood

Schatten ueber Hollywood

Titel: Schatten ueber Hollywood Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Astrid Vollenbruch
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Justus!«, rief Peter. »Es ist nur noch ein ganz kurzes Stück! Guck doch mal, wie weit wir schon gekommen sind!«
    Justus drehte sich um. Durch die Büsche und Bäume hindurch konnte er das Lichtermeer von Los Angeles sehen. Sie waren tatsächlich schon ziemlich weit oben. »Ist mir egal«, erklärte er trotzig. »Mir reicht es jedenfalls! Ich gehe zurück!«
    »Ich habe auch kein gutes Gefühl bei der Sache«, sagte Bob. »Es gibt bestimmt noch mehr Zäune. Vielleicht sogar welche, die elektrisch geladen sind. Wir hätten wissen müssen, dass man nicht einfach so zu den Buchstaben hinmarschieren kann.«
    »Na schön.« Peter war jetzt sauer. »Dann bleibt doch hier, ihr Schnecken. Ich gehe jedenfalls weiter. Bis später.« Er drehte sich um und kletterte weiter den Berg hinauf.
    Justus ließ sich ächzend auf die Erde plumpsen. »Was ist denn mit dem los? Normalerweise lässt er sich doch nicht auf solche Aktionen ein. Was hast du ihm heute Nachmittag in den Milchshake gekippt, Dritter?«
    »Ich? Gar nichts.« Bob hockte sich neben ihn, zuckte zusammen, stand wieder auf und klaubte einen stacheligen Zweig von seiner Jeanshose. Dann setzte er sich wieder hin. »Aber ich glaube, Jeffrey hat es diesmal etwas zu weit getrieben und ihn einen Angsthasen genannt. So etwas lässt Peter sich von einem Knaben, der nichts als Surfbretter und hohe Wellen im Kopf hat, eben nicht gefallen.«
    »Und da fällt denen nichts Besseres ein, als zu wetten, ob Peter sich traut, mitten in der Nacht seine Initialen auf das Hollywood-H zu malen. Ich bin froh, dass wir bei unseren Fällen nicht auf Mr Shaws geniale Geistesblitze angewiesen sind, sondern auf meine.«
    Bob rempelte ihn leicht an. »Gib nicht so an, du Meisterdetektiv. Peter hat dir schon oft genug den Hals gerettet, wenn du dich mit deinen genialen Geistesblitzen so richtig in den Mist manövriert hattest.«
    »Schön, ich gebe zu, dass körperliche Leistungsfähigkeit nicht zu meinen höchstentwickelten Spezialgebieten gehört.«
    »Stimmt auffallend. Aber um Peter von dieser Idee abzubringen, hättest du ihm eigentlich nur erzählen müssen, dass es hier spukt.«
    Justus lachte. »Das hätte er mir doch nie geglaubt.«
    »Vielleicht doch. Es stimmt nämlich.«
    »Wirklich?« Mit neu erwachendem Interesse schaute Justus zu Bob hin, dessen Gesicht er in der Dunkelheit nur schemenhaft erkennen konnte. »Woher weißt du das?«
    »Miss Bennett hat es mir erzählt.« Miss Bennett war die Leiterin der Bücherei, in der Bob in den Ferien gelegentlich aushalf. »Sie interessiert sich für solches Zeug – Spukgeschichten, moderne Legenden und so weiter. Angeblich hat sich hier in den 30er Jahren eine Schauspielerin umgebracht und spukt seither hier in der Gegend herum.«
    »Ich fasse es nicht!«, sagte Justus. »Und das erzählst du erst jetzt? Wenn du es Peter rechtzeitig gesagt hättest, wäre er nie im Leben hier hochgeklettert! Und ich könnte jetzt gemütlich in meinem Bett liegen! Wie spät ist es überhaupt? Zwei? Drei?«
    Bob knipste seine Taschenlampe wieder an und leuchtete auf seine Armbanduhr. »Nein, es ist gerade erst zwölf. Mitternacht. Genau die richtige Zeit für die Dame, um herumzuspuken und Peter zu Tode zu erschrecken.«
    Justus fing an zu lachen – aber es blieb ihm im Hals stecken. Über ihnen in der Dunkelheit ertönte ein gellender, markerschütternder Schrei.

Geisterstunde
    »Peter!« Bob schnappte sich die Taschenlampe, fuhr hoch und war schon unterwegs, bevor Justus auch nur mit dem Aufstehen angefangen hatte. Die Sträucher schlugen hinter ihm zusammen, und Justus folgte ihm, so schnell er konnte. Dornen zerkratzten ihm Hände und Gesicht. Das Licht der Taschenlampe hüpfte wie verrückt auf und ab, eine Miniaturausgabe der Lichtsäulen oben auf dem Berg. Irgendwo weit hinter ihnen heulte eine Polizeisirene in der Stadt, aber am Hang des Berges war alles still, wenn man von dem Krachen und Rascheln absah, mit dem die beiden Detektive sich durch die Sträucher schlugen. Der schreckliche Schrei wiederholte sich nicht.
    »Peter!«, rief Bob. »Wo bist du? Antworte doch! Peter!«
    »Bob!«, schrie Justus. »Nun bleib doch mal stehen! Warte!« Bob hielt tatsächlich an, leuchtete aber weiter wild durch die Gegend. Als Justus endlich japsend bei ihm ankam, wollte er sich gleich wieder auf den Weg machen, aber Justus packte ihn am Arm. »Warte! Wenn er bisher nicht geantwortet hat, kann oder will er nicht antworten. Los, kletter auf meine Schultern.

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