Schrei in Flammen
Sofies Vej und dann den Ane Katrines Vej. Das sind zwei ziemlich ruhige Straßen. Und wie weit wäre das? Drei-, vierhundert Meter?« Er sah zu ihr auf. Ihr Blick klebte am Bildschirm.
»Und sie saß bewusstlos auf dem Beifahrersitz?«
»Er könnte ihren Kopf zur Seite gelegt haben, damit es so aussah, als würde sie schlafen. Das ist ja keine weite Strecke. Vielleicht ist sie auch freiwillig mitgekommen.«
»Wie auch immer«, sagte Katrine, »entweder ist er eiskalt oder war komplett in Panik. Das klingt ein bisschen komisch, aber beides wären plausible Erklärungen.«
Jens stand auf und betrachtete Katrine, die sich über ihre Tasche beugte. Ihre kurzärmelige hellgraue Bluse war am Rücken etwas hochgerutscht, so dass er einen Streifen Haut sah, ehe sie sich wieder aufrichtete. Ihre weiße Jeans schmiegte sich förmlich an ihren Körper.
*
Die Innenstadt wimmelte von Menschen, die das Wochenende und das gute Wetter genossen. Jens hatte Schwierigkeiten, am Kongens Nytorv einen Parkplatz zu finden, und stellte das Auto schließlich gegen alle Verkehrsregeln an einer Straßenecke ab. In der Bank wartete bereits ein Mann auf sie, der ihnen öffnete, nachdem Jens seinen Ausweis gezeigt hatte. Der stellvertretende Filialleiter hatte ihnen zu Ehren sein Sommerhaus verlassen und führte sie in den Keller zu den Schließfächern.
»Fach Nummer 621 ist hier«, sagte er.
»Wie lange hat sie das schon?«, fragte Katrine.
Der Mann blickte in seine Unterlagen. »Sie hat es vor drei Monaten gemietet.«
Jens zog Handschuhe an und öffnete das Schließfach mit dem Schlüssel, den die Kriminaltechniker ihm mit dem Hinweis gegeben hatten, dass daran nur Majas Fingerabdrücke waren.
Er nahm den Inhalt heraus und legte ihn auf den Tisch in der Mitte des Raumes; es waren zwei Umschläge, ein gefütterter DIN -A4-Umschlag und ein normales DIN -A5-Kuvert. Zuerst öffnete er den kleineren Umschlag und zog zwei dicke Bündel Tausendkronenscheine heraus.
»Wie viel Geld ist das?«, fragte er den Banker, der die Augen zusammenkniff und dann sagte: »Geschätzt etwa zweihunderttausend Kronen.«
Jens steckte die Geldscheine in eine Plastiktüte, die er versiegelte und auf den Tisch legte. Dann öffnete er das andere Kuvert und nahm den Inhalt heraus.
»Oh«, sagte der Banker beim Anblick der dicken Bündel Euronoten, die Jens in der Hand hielt.
»Und das hier?«
»Schwer zu sagen … das sind gemischte Scheine«, er musterte die Bündel und rechnete im Kopf zusammen. »Drei- bis vierhunderttausend Euro, würde ich sagen.«
Jens und Katrine sahen sich an.
*
Ich gab das ganze Geld noch im Laufe des Abends in der Stadt aus.
Und endete zu Hause bei jemanden, den ich fickte, bis die Engel sangen. Danach ging ich auf meinen Stilettos durch die Stadt nach Hause und fühlte mich freier als jemals zuvor. Irgendwie fühlte es sich an, als wölbte sich der Himmel über mir nur für mich. Ich spürte, dass ich alles erreichen würde, was ich mir in meinem Leben wünschte. Alles.
Ich hatte den Code zu meinem eigenen Glück geknackt; er war in meinen Körper eingraviert.
Schon am nächsten Tag hatte ich zwei Termine.
Und am Tag darauf würde es eine Shoppingtour geben, bei der ich mir alles gönnte, was ich mir wünschte. Mich nach Strich und Faden verwöhnte, weil ich es verdient hatte. Ich stellte mir vor, wie ich in der Umkleide stünde und so lange Kleider anprobierte, bis die Verkäuferinnen die Lust verloren.
In meinem Kopf formte sich ein Plan.
Ich wollte meine eigene Chefin sein. Hatte Ambitionen. Wollte Geld machen, Profi werden.
Natürlich erforderte das ein paar Regeln.
Erstens: keine Schulden machen. Zweitens: ein Drittel des Geldes sparen. Drittens: maximale Sicherheit mit einem festen Fahrer, der im Auto wartete. Viertens: totale Unabhängigkeit in jeglicher Hinsicht.
Und der Plan? Oh, das war ein wunderbarer Plan. Mein erstes Ziel lautete, in ein paar Jahren mein eigenes Geschäft zu haben.
Wenn ich in diesen Tagen durch die Stadt lief, fühlte ich mich wie ein frisch gekürter Superstar.
Ich wusste, dass ich mich in einer ganz eigenen Liga bewegte.
*
Stine Hellberg las die SMS ihres Mannes, zog enttäuscht die High Heels aus und lief barfuß aus dem Wohnzimmer.
»Verspätet«, schnaubte sie.
Sie warf einen Blick in Lukas’ Zimmer. Er lag tief schlafend auf seinem Kissen direkt vor dem Fernseher. Sie hatte keine Lust, ihn in sein Bett zu tragen. Sie hätten alle zusammen essen wollen. Das Ganze war
Weitere Kostenlose Bücher