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Schrei in Flammen

Schrei in Flammen

Titel: Schrei in Flammen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jeanette Øbro , Ole Tornbjerg
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entwickelt, dass das sicher keinen Sinn machen würde.«
    Sie waren mit dem Wagen unterwegs gewesen, als Sofia in Ålsgårde unbedingt an einem kleinen Laden mit Töpferwaren hatte anhalten wollen. Und wer war aus dem Hinterzimmer gekommen? Jim. In einem Keramikladen! Christian war spontan nach Lachen zumute gewesen. Aber dann stellte sich heraus, dass der Laden Jims Frau gehörte.
    Christian richtete die italienischen Vorspeisen auf der Platte an, wobei er genau wusste, dass Sofia doch alles umdrapieren würde, sobald sie Zeit hatte. Das war immer so: Sie bat ihn, etwas zu tun, und machte hinterher doch alles anders. Einrichten und anrichten, immer und überall – inklusive ihn und ihre Kinder. Beim nächsten Mal würde er ihr sagen, dass sie es selbst tun sollte. Doch jetzt wollte er die gute Stimmung nicht vermiesen.
    Eine halbe Stunde später, Sofia hatte die Antipasti mittlerweile bereits mehrfach umgelagert, klingelte es an der Tür. Christian öffnete August, Lis und ihrer vierjährigen Tochter Rosa.
    »Kommt rein«, sagte Christian höflich und breitete die Arme aus.
    August, der ein paar Jahre älter als Christian war, trug ein lässiges Hemd und einen Cardigan. Er sah aus, als käme er direkt vom Golfplatz. Lis trug ein knielanges Kleid und sah irgendwie … geglättet aus? Ob da eine kleine Botoxbehandlung im Spiel gewesen war?
    »Gut siehst du aus, Lis«, sagte er einschmeichelnd.
    »Danke, Christian«, sagte sie mit einem hingerissenen Strahlen. »Siehst du es mir an?«, fragte sie und streckte ihr Kinn leicht in die Höhe. Er machte gute Miene zum schlechten Spiel und tat so, als hätte er nicht die geringste Ahnung, auf was sie anspielte.
    »Hier, hier und hier«, sagte sie ganz ungeniert und deutete auf verschiedene Stellen in ihrem Gesicht, das zuvor deutliche Spuren des Alters gezeigt hatte.
    »Tja, so etwas könnten wir wohl alle gebrauchen, nicht wahr, August?«, sagte er und klopfte August kameradschaftlich auf die Schulter. »Du siehst phantastisch aus, Lis.« Ein kleiner Teufel ritt ihn, und am liebsten hätte er ihr erzählt, dass er vor kurzem irgendwo gelesen hatte, dass man in den USA bereits Kommunikationskurse für Menschen anbot, die zu viele Botoxbehandlungen erhalten hatten und deren Mimik dadurch derart erstarrt war, dass ihre Umwelt ihre Gefühlsregungen nicht mehr deuten konnte. Aber er ließ es bleiben. Schließlich hatte er selbst schon überlegt, ob er nicht etwas gegen die Falte zwischen den Augenbrauen unternehmen sollte, die in den letzten Jahren tief wie eine Ackerfurche geworden war.
    »Ja, wir haben heute ein bisschen was zu feiern«, sagte Sofia.
    »Was feiern wir?«, wollte August wissen.
    »Ach, nur ein paar extra Verkäufe«, sagte Christian beiläufig. August sollte auf keinen Fall denken, er sei in Geldnot, schließlich erinnerten ihn Augusts dumme Kommentare immer nur daran, dass der mehr Geld hatte und dabei freier war als er. »Lassen wir es uns heute mal richtig gutgehen.«
    »Na, das klingt ja wunderbar. Herzlichen Glückwunsch«, sagte August. »Lis meinte auch schon, dass wir unseren Audi gegen ein neueres Modell eintauschen sollten.«
    »Sag einfach Bescheid, August. Ich mache dir natürlich einen Freundschaftspreis.«
    »Ja, ja, das muss man dir lassen, Letoft, in dir steckt eine echte Krämerseele«, sagte er und schlug Christian gutmütig auf die Schulter.
    Sie lachten, und Christian zeigte mit keiner Miene, wie sehr er bei dem Wort »Krämerseele« innerlich zusammenschrumpfte. Er fühlte sich plötzlich wie ein Gebrauchtwagenhändler auf einem schmuddeligen Hinterhof.
    »Nein, Spaß beiseite, ich stelle mir schon etwas Auffälligeres vor«, sagte August verschmitzt, als sie ins Wohnzimmer gingen. »Audi und BMW fahren heute ja alle.«
    »An was denkst du?«
    »Einen Aston Martin«, erwiderte August mit einer Selbstsicherheit, wie man sie nur bei Männern fand, die sich vollkommen darüber im Klaren waren, dass sie sich ein Auto leisten konnten, das zwischen drei und sechs Millionen Kronen kostete und nur auf Bestellung in der Mutterfabrik in England hergestellt wurde – 100% maßgeschneidert für den jeweiligen Kunden.
    Der wunderbare Nachklang des Weins legte sich plötzlich wie ein bitterer Film auf Christians Gaumen. Er beeilte sich, Champagner nachzuschenken, und begann, August über die Details eines solchen Kaufs auszufragen. Man war ja gut erzogen. Christian bekam zunehmend Lust, seine Faust in Augusts selbstzufriedene Visage zu drücken, als

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