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Schrei in Flammen

Schrei in Flammen

Titel: Schrei in Flammen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jeanette Øbro , Ole Tornbjerg
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einfach scheiße.
    Stine seufzte und ging ins Bad. Vor dem großen Spiegel blieb sie stehen. Drehte sich hin und her und begutachtete ihren Po. Sie beugte sich bis dicht vor den Spiegel vor. Ein Nerv unter ihrem Auge zitterte und ärgerte sie wie ein kleiner Stein im Schuh.
    Stine öffnete den Badezimmerschrank und nahm ein hübsches altes, silbernes Puderdöschen heraus. Sie hatte es von ihrer Großmutter geerbt, bewahrte darin heute aber ein etwas anderes Puder auf. Sie nahm den kleinen Löffel, der auch seinen festen Platz im Schrank hatte, legte damit etwas Pulver auf den Spiegel im Deckel des Döschens und formte das Häufchen zu einer schmalen Line. Dann nahm sie ein Röhrchen aus dem Schrank und zog sich das Wunderpulver in die Nase. Der Rausch breitete sich schnell im ganzen Körper aus.
    Damen müssen sich zwischendurch die Nase pudern, dachte sie, ging ins Wohnzimmer und schaltete den Fernseher ein. Jim hatte über diesen Witz gelacht.
    *
    Christian und Sofia Letofts Haus war eine klassische weiße Patriziervilla aus dem Jahr 1917 direkt am Øresund.
    Christian fuhr über die kleine Stichstraße und parkte seinen großen schwarzen BMW in der Doppelgarage neben dem cremefarbenen Mini Cooper seiner Frau. Er ging durch den Vorgarten, der durch eine gerade ausgeschlagene, hohe Buchenhecke abgeschirmt war, die in ihrer ganzen hellgrünen Pracht glänzte.
    Auf der Rückseite des Hauses lag ein riesiger Garten, der sich bis nach unten ans Meer zog. Sie hatten einen Weg aus Marmorplatten anlegen lassen, der durch die gesamte Anlage bis nach unten zum Steg führte, damit sie und ihre Gäste sich nie nasse oder dreckige Füße holen mussten.
    Unten vom Wasser hatte man freien Blick auf das Haus oben am Hang. Wenn die Makler an der Küste entlangfuhren, um den Kaufinteressenten die diversen Häuser zu zeigen, hielten sie oft mit ihren Booten vor dem Letoft-Haus, um den Anblick zu genießen und die Sehnsüchte ihrer Kunden weiter anzustacheln.
    Ja, Christian Letoft fühlte sich an diesem Ort zu Hause. Im Gegensatz zu seinem Vater war er nicht der Ansicht, dass er übers Ziel hinausgeschossen war und sich wie ein neureicher Kopenhagener verhielt. Ort und Lebensstil entsprachen ganz seiner Person. Deshalb war der Gedanke, das alles verlieren zu können … einfach unerträglich. Wie ein Verlust der Würde. Ja, noch mehr als das. Wie ein Verlust seiner selbst. Er konnte und wollte sich nicht vorstellen, wie es sein würde, die Karriereleiter wieder hinabzusteigen. Er schüttelte den schrecklichen Gedanken ab und öffnete die Eingangstür. Seine zwei Kinder kamen angelaufen und warfen sich ihm in die Arme, nachdem er den Karton Wein, den er bei seinem Lieblingshändler gekauft hatte, abgestellt hatte.
    »Papa!«
    »Na, wie ist es meinen beiden Goldstücken heute ergangen?«
    »Gut!«, riefen sie im Chor und verschwanden in Richtung Wohnzimmer.
    Christian nahm den Wein mit in die Küche, in der Sofia bereits dabei war, die Hirschkeule vom Metzger ihres Vertrauens zuzubereiten, der für sein gutes Wildangebot bekannt war.
    »Hallo, Schatz!« Er küsste sie auf die Wange. »Es riecht schon phantastisch.«
    »Hm«, sagte Sofia, die konzentriert damit beschäftigt war, mit einer kleinen Bürste die Trüffel für die Sauce zu reinigen.
    »Guck mal, was ich mitgebracht habe.«
    Wie ein Zauberer ein Kaninchen zog er zwei Flaschen Bollinger aus der Kiste, gefolgt von vier Flaschen Pomerol, Jahrgang 1986.
    »Die sehen gut aus«, sagte sie nach einem kurzen Blick auf die Flaschen. »Wärst du so lieb, die Antipasti anzurichten, die ich gekauft habe? Auf der sizilianischen Platte, die wir bei Vulcano Import gekauft haben. Ich bin ein bisschen spät dran.«
    »Mache ich gerne, aber erst öffne ich eine Flasche.«
    Christian entkorkte eine Flasche Pomerol, dekantierte sie und goss ihnen zwei Gläser ein.
    Ein Glas reichte er Sofia. Sie wischte sich ihre Hände an der Schürze ab, nahm es entgegen und stieß mit ihm an.
    »Prost«, sagte Christian.
    »Und herzlichen Glückwunsch, Schatz!«, sagte Sofia und sah glücklich aus. Sorglos.
    Christian ließ den gehaltvollen Wein im Mund kreisen, bis der Geschmack sich voll entfaltet hatte.
    »Du«, sagte sie, »sollen wir nicht auch deinen alten Klassenkameraden Jim und seine Frau zum Essen einladen?«
    »Wir sind doch schon so viele, Sofia.« Christian öffnete ein Glas Oliven und nahm eine heraus. Sie schmeckte salzig. »Außerdem haben er und ich uns in so unterschiedliche Richtungen

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