SdG 05 - Der Tag des Sehers
mich, dass es dir wieder besser geht. Grantl, das ist der Schnelle Ben, ein Soldat von den Brückenverbrennern.«
»Ein Magier.«
»Das auch.«
Grantl musterte den Schnellen Ben ein, zwei Herzschläge lang, und Paran spürte, wie sich hinter den bernsteingelben Katzenaugen des Mannes eine tierische Präsenz unbehaglich regte. Schließlich sagte der Daru: »Ihr riecht nach Tod, und das gefällt mir nicht.«
Der Schnelle Ben zuckte zusammen. »Tatsächlich? Ich war erst vor kurzem in schlechter Gesellschaft. Das war zugegebenermaßen unangenehm, aber leider notwendig.«
»Und Ihr glaubt, Euer Geruch hat nur damit zu tun?«
»Ich hoffe es, Todbringendes Schwert.«
Eine brutale Drohung blitzte kurz in Grantls Augen auf, erstarb langsam wieder. Er zuckte die Schultern. »Ein Brückenverbrenner hat Stonny das Leben gerettet, also werde ich mich am Riemen reißen. Zumindest bis ich sehe, ob sich der Geruch verliert.«
»Betrachte seine Worte als einen etwas umständlichen Hinweis darauf, dass du so bald wie möglich ein Bad nehmen solltest«, sagte Paran zum Schnellen Ben.
»Nun«, antwortete der Magier und blickte den Hauptmann an, »das ist ja wirklich mal was ganz anderes, dass etwas Humorvolles von Euch kommt.«
»In letzter Zeit hat sich viel geändert«, sagte Paran zustimmend. »Falls du zur Kompanie willst, sie sind in den Unterkünften der Gidrath.«
»Eigentlich bringe ich Euch eine Nachricht von Elster.«
Paran richtete sich auf. »Du hast es geschafft, mit ihm Kontakt aufzunehmen? Trotz der vergifteten Gewirre? Das ist beeindruckend, Magier. Gut, dann hast du jetzt meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Hat er neue Befehle für mich?«
»Bruth hat um einen weiteren Kriegsrat ersucht«, sagte der Schnelle Ben. »Und zwar mit allen Befehlshabern, also auch mit Grantl hier und mit Humbrall Taur und dem ranghöchsten Überlebenden der Grauen Schwerter. Könnt Ihr die Bitte an die anderen Anführer hier in Capustan weiterleiten?«
»Ich glaube schon. War das alles?«
»Wenn Ihr Elster Bericht erstatten wollt, kann ich ihn übermitteln.«
»Nein, vielen Dank. Ich warte damit, bis wir uns persönlich treffen.«
Der Schnelle Ben sah ihn finster an. Dann eben so. »Was das Übrige angeht, ist es am besten, wenn wir uns unter vier Augen unterhalten, Hauptmann.«
Grantl machte Anstalten, sich zu erheben, aber Paran streckte einen Arm aus und hielt ihn auf.
»Ich kann wahrscheinlich vorhersagen, was du mich fragen willst, Ben.«
»Vielleicht, obwohl es mir lieber wäre, wenn Ihr es nicht tätet.«
»Das ist dann eben Pech für dich. Ich sage es ganz klar und deutlich: Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich das Haus der Ketten zulasse oder nicht. Um genau zu sein, habe ich noch überhaupt nichts entschieden, und es kann noch einige Zeit dauern, bis sich das ändert. Versuch also gar nicht erst, mich irgendwie unter Druck zu setzen.«
Der Schnelle Ben hob abwehrend die Hände. »Bitte, Hauptmann. Ich habe nicht die Absicht, Euch unter Druck zu setzen, weil ich erst vor wenigen Augenblicken selbst das Opfer eines solchen Versuchs geworden bin – seitens des Vermummten persönlich, und ich bin immer noch ziemlich wütend. Wenn jemand mich davor warnt, auf eine ganz bestimmte Weise zu handeln, rät mir mein Instinkt, genau das Gegenteil zu tun. Ihr seid nicht der Einzige, der vorhat, die Jauche aufzuwirbeln.«
Grantl lachte bellend. »Was für eine drollige Untertreibung! Es scheint, als hätte ich heute Nacht genau die richtige Gesellschaft gefunden. Fahrt fort, Magier.«
»Es gibt nur noch eins hinzuzufügen«, fuhr der Schnelle Ben fort, wobei er Paran genau betrachtete. »Eine Beobachtung. Sie könnte falsch sein, aber das glaube ich eigentlich nicht. Ihr seid krank geworden, Hauptmann – aber nicht, weil Ihr Euch der Macht widersetzt habt, die man Euch aufgezwungen hat, sondern weil Ihr Euch selbst widersetzt habt. Was auch immer Eure Instinkte von Euch verlangen – hört auf sie. Folgt ihnen, und zum Abgrund mit dem Rest. Das ist alles.«
»Ist das dein Rat«, fragte Paran leise, »oder Elsters?«
Der Schnelle Ben zuckte die Schultern. »Wenn er hier wäre, würde er nichts anderes sagen, Hauptmann.«
»Du kennst ihn schon sehr lange, nicht wahr?«
»Ja.«
Nach einem Augenblick nickte Paran. »Ich bin heute Nacht gerade selbst zu dem gleichen Schluss gekommen; das heißt, mit Grantls Hilfe. Mir scheint, wir drei sind im Begriff, ein paar sehr mächtige Wesen sehr wütend zu
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