Sean King 04 - Bis zum letzten Atemzug
schloss sich eine Tür, und Tuck war wieder da.
»Okay, worum geht's?«
»Ich war in Jacksonville.«
»Was? Warum?«
»Ich wollte mich ein bisschen sonnen.«
»Sean ...«
»Ich weiß alles, Tuck. Ich weiß sogar mehr als du.«
»Ich hab dir doch gesagt, dass ...«
»Ich habe einen ganzen Nachmittag mit Cassandra der Exhibitionistin verbracht - das heißt, nachdem Greg Dawson sie bezahlt hat.«
»Greg Dawson!«, brüllte Tuck.
»Geht es auch ein bisschen leiser, Tuck? Ich kann so schon immer schlechter hören. Also ... Dawson hat das mit dir und Cassandra herausgefunden, und jetzt arbeitet die nette Dame für ihn und torpediert dich und deinen großen Regierungsauftrag. Ich bin sicher, sie haben Fotos von euch, die genug zeigen, um beim Heimatschutzministerium für ausreichend Unterhaltung zu sorgen.«
»Dieses Arschloch ... und diese gottverdammte Schlampe!«
»Ja. Das sollte dir als Lektion dienen, warum das mit der Treue so wichtig ist.«
»Du hast Jane doch nichts ...«
Sean fiel ihm ins Wort. »Das ist nicht mein Job. Was mich betrifft, bist du ein Scheißkerl, der seine Frau und die Mutter seiner Kinder verarscht hat. Aber wen interessiert schon, was ich denke.«
»Sie ist zu mir gekommen, Sean. Ich schwöre. Sie hat mich verführt.«
»Werde erwachsen, Tuck. Menschen wie Cassandra stürzen sich immer auf Typen wie dich, das ist ihr Job. Und dein Job als liebender Ehemann wäre es eigentlich gewesen, ihr zu sagen, wo sie sich ihre Verführungskünste hinstecken kann. Himmel, das habe ja sogar ich geschafft, als sie mit ihrem Hintern vor meinem Gesicht gewackelt hat, und ich bin Single. Ich hätte sie mir ohne schlechtes Gewissen schnappen können, aber Gott sei Dank hat mein guter Geschmack mich davor bewahrt. Aber ich bin kein Eheberater. Deshalb habe ich nicht angerufen.«
»Warum dann?«, fragte Tuck nervös.
»Cassandra hat gesagt, ihr beide hättet euch gestritten, weil du geglaubt hast, Pam hätte eine Affäre. Ist das wahr?«
»Nun ...«
»Entweder fängst du langsam mal an, mir die Wahrheit zu sagen, oder du kannst Willa alleine suchen.«
»Ja, es ist wahr.«
»Es wäre nett gewesen, hätte ich das schon von Anfang an gewusst, Tuck«, sagte Sean.
»Ich ... war verwirrt ... ganz zu schweigen davon, dass ich einen Schlag auf den Kopf bekommen habe.«
»Cassandra hat gesagt, du hättest ein paar Gespräche mit angehört und Pam sogar mit dem Kerl gesehen.«
»Das stimmt. Ich konnte einfach nicht glauben, dass sie mich betrügt.«
»Ja. Also wirklich, dass die Frau sich das traut. Okay, jetzt kommt die große Frage. Ich weiß, dass dein Flugzeug zu früh gelandet ist. Wo hast du die Extra-Stunde zwischen dem Flughafen und zu Hause verbracht?«
»Wie hast du ...?«
Sean unterbrach ihn ungeduldig: »Ich bin Ermittler, Tuck. Das ist mein Job. Aber wir verschwenden hier Zeit, während dein Kind irgendwo da draußen bei brutalen Leuten ist. Also, wo warst du? Und solltest du auch nur daran denken, mich zu belügen, trete ich dir in den Arsch, Secret Service hin oder her.«
»Ich war vor meinem Haus«, sagte Tuck rasch.
»Vor deinem Haus?«
»Ja. Ich habe es beobachtet. Ich dachte, wenn Pam glaubt, dass ich in Jacksonville bin, kommt sie vielleicht mit ihrem ›Freund‹ zusammen. Ich wollte sie auf frischer Tat ertappen. Aber es kam niemand. Also bin ich in die Garage gefahren und ins Haus gegangen.«
»Und wenn der Kerl aufgetaucht wäre, was hättest du dann getan?«
»Ich weiß nicht. Vermutlich hätte ich ihm in den Arsch getreten.«
»Und dann? Hättest du Pam deine Untreue gestanden und sie dir in den Arsch treten lassen?«
»Du hast gefragt, und ich habe es dir erzählt. Ich brauche keine Predigt, okay?«
Irgendwie ergab diese Erklärung immer noch keinen Sinn für Sean. »Dein Haus liegt am Ende einer langen Einfahrt mit Wald zu beiden Seiten. Von wo hast du es beobachtet?«
»Die Einfahrt macht eine Kurve, und auf der Ostseite des Grundstücks gibt es eine Lücke zwischen den Bäumen. Von da hat man einen freien Blick auf die Vordertür und die Garage.«
»Es war Nacht.«
»Ich hatte ein Fernglas im Auto.«
»Rein zufällig?«
»Okay, ich habe es mir extra dafür eingesteckt.«
»Als du dein eigenes Haus beobachtet hast, hast du da jemanden gesehen, der nicht dort hätte sein dürfen?«
»Nein. Da war niemand.«
»Doch, da war ganz offensichtlich jemand, Tuck. Sie waren allerdings noch nicht im Haus, als du es beobachtet hast, sonst hättest du wahrscheinlich
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