Silberband 057 - Das heimliche Imperium
gesetzt worden waren.
»Hierher!« rief Rhodan dem Matten-Willy zu und deutete auf den energielosen Schacht des Antigravlifts.
Der Matten-Willy heulte erschrocken auf und kam zum Stillstand. Seine zwei ausgefahrenen Stielaugen bebten. Er plusterte sich auf und verfärbte sich rötlich. Plötzlich tat sich ein Spalt in seinem unnatürlich angeschwollenen Körper auf, aus dem ein Mensch – ein junger Mann – taumelte!
»Was …?« begann er, doch Rhodan unterbrach ihn.
»Für Erklärungen ist später Zeit«, sagte er und drängte den Mann auf den Antigravlift zu. Er schaltete seinen eigenen Antigravprojektor ein, umfaßte den Mann von hinten um die Mitte und schwebte mit ihm den Schacht empor. Im angrenzenden Schacht tat es Atlan mit dem Willy ähnlich. Allerdings hatte er es nicht so leicht, weil sich das verängstigte Geschöpf ständig aufblähte, seine Form veränderte und seine Pseudopodien gegen die Schachtwand stemmte. Es bedurfte großer Überredungskunst, den Willy zu beruhigen und sein Vertrauen zu gewinnen.
Inzwischen wehrten Irmina und Fellmer Lloyd die Angriffe der anderen fünf Wachtposten ab, die sich inzwischen gefaßt hatten. Als der erste von ihnen jedoch plötzlich die Waffe fallen ließ und mit aufgedunsenem Gesicht und verquollenen Augen wie blind umhertaumelte, ergriffen die anderen die Flucht.
Irmina und Fellmer Lloyd bestiegen hintereinander den Schacht und schwebten mittels ihrer Antigravprojektoren empor.
»Jetzt haben wir uns erst einmal eine Verschnaufpause verschafft«, meinte Irmina und dachte gleichzeitig an die drei Männer, die sie durch Zellumgruppierungen unschädlich gemacht hatte. Soweit sie es beurteilen konnte, hatte sie ihnen keine bleibenden Schäden zugefügt. Entweder würden die Wunden selbst verheilen, die Wucherungen zurückgehen, oder sie konnten durch harmlose plastochirurgische Eingriffe beseitigt werden.
»Im Augenblick haben wir Ruhe«, stimmte Lloyd zu. »Aber die Absicht der von uns überrumpelten Wachtposten war leicht aus ihren Gedanken zu erkennen. Sie werden sich mit Oberst Anaka in Verbindung setzen und Verstärkung anfordern.«
»Das bedeutet, daß wir dann in diesem Hochhaus in der Falle sitzen.«
Statt einer Antwort sagte Lloyd: »Wir müssen in der zweihundertundzehnten Etage aussteigen. Dort sind die achtzig Gefangenen untergebracht.«
Lloyd lachte.
»Was ist?« wollte Irmina wissen, die über ihm schwebte.
»Nichts weiter«, sagte Lloyd. »Rhodan und Atlan sind inzwischen bei den Gefangenen angekommen. Es ist unglaublich, was für Szenen sich dort abspielen.«
Irmina wußte im ersten Augenblick nicht, was Lloyd meinte. Doch sie erfuhr es gleich darauf, als sie in der 210. Etage den Schacht verließ.
In dem Korridor vor dem Antigravlift herrschte ein unglaubliches Gedränge. Männer und Frauen scharten sich um Rhodan, Atlan, den Matten-Willy und dessen Begleiter – und aus den umliegenden Räumen und Gängen strömten immer mehr hinzu. Der Matten-Willy bekam in diesem Gedränge Platzangst und zeigte dies deutlich durch eine intensive Rotfärbung seines Körpers.
Irmina und Fellmer Lloyd hatten Mühe, durch die nach einer Seite hin passierbare Energiesperre den Liftschacht zu verlassen und sich durch die Menschenmenge einen Weg zu bahnen. Irmina verspürte ein erhebendes Gefühl, als sie sah, welchen grandiosen Empfang die Gefangenen Rhodan und Atlan boten. Sie verfielen in einen Siegestaumel, als wäre Oberst Tahiko Anaka bereits entmachtet und als wären sie nicht länger mehr seine Gefangenen. Es war verblüffend, welches Vertrauen diese Leute in den Großadministrator setzten.
Rhodan hob die Hände, um sich Gehör zu verschaffen. Es dauerte nicht lange, da verstummte die Menge und blickte ihm erwartungsvoll entgegen.
»Freuen wir uns nicht zu früh, noch ist nichts gewonnen«, begann Rhodan. »Zudem weiß Oberst Anaka nun, daß er mit erbittertem Widerstand zu rechnen hat. Wir werden bald sehen, was er tun wird. Inzwischen wollen wir jedoch nicht müßig bleiben. An meiner Seite hier steht Aborq Vallain, der mit Professor Jorston zusammengearbeitet hat. Jorston ist leider bei dem Versuch, uns zu warnen, von Oberst Anaka getötet worden. Er konnte seine Pläne, die Verbindung des Zentralplasmas und der Hyperinpotronik über den Bioponblock wiederherzustellen, nicht mehr verwirklichen. Vallain ist mit Hilfe des Willys vor wenigen Minuten in das Hotel eingedrungen, weil er mit den beiden Hyperschaltingenieuren in Kontakt treten
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