Silberband 106 - Laire
war es unumgänglich, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Die Einsicht allein machte es jedoch auch nicht leichter. Konnte er die SOL ziehen lassen, ehe er sich davon überzeugt hatte, dass nicht schon die erste Strecke dieser Reise unter einem denkbar ungünstigen Stern stand?
Rhodan schüttelte Yaals Leute innerhalb weniger Minuten ab. Sie waren in diesem Schiff zu Hause – aber sie hatten kaum Erfahrung damit, jemanden zuverlässig zu beschatten.
In einem abgelegenen Raum nahe dem Verbindungsstück zur SOL-Zelle-1 gab es eine der vielen Kontrollstellen für den Notfall. Da in der SOL zurzeit nicht einmal Alarmzustand herrschte, waren die Anlagen für jeden außer für Rhodan nutzlos. Er forderte Romeo und Julia auf, sich sofort und völlig geheim bei ihm einzufinden.
»Hat man euch gesehen?«, fragte er, als die beiden Roboter endlich vor ihm standen. »Julia?«
»Nein.«
»Also weiß niemand, dass ich hier mit euch spreche?«
»Niemand weiß davon«, bestätigte Julia. Sie war so konstruiert, wie er sich Roboter in seiner Kindheit vorgestellt hatte. Aber das lag lange zurück – sehr lange schon.
Rhodan atmete auf. Das war seine Chance, mit SENECA zu reden, ohne Gefahr zu laufen, dass jedes Wort publik wurde.
»Ich habe an SENECA folgende Frage. Wurde vonseiten der SOL-Geborenen die Aktivatorschaltung inzwischen entdeckt?«
»Nein«, antwortete Julia sofort.
Rhodan nickte zufrieden. »SENECA konnte mir vorhin keine Auskunft geben, welche Bedeutung der achtzehnte Dezember für die Solaner hat. Gilt diese Antwort weiterhin?«
»Nein.«
»Warum wollen die Solaner, dass ich ihnen das Schiff ausgerechnet an diesem Tag übergebe?«
»Der Wunsch der SOL-Geborenen entstand aus einem Kompromiss heraus. Sie brauchten Zeit für Vorbereitungen. Die Übergabe der SOL soll festlich begangen werden. Um dies zu ermöglichen, nahmen sie eine geringfügige Verlängerung der Wartezeit in Kauf.«
»Das ist mir bekannt«, unterbrach Rhodan ärgerlich. »Aber die Solaner hatten Wochen, um sich vorzubereiten. Sie haben die Zeit auch genützt. Allerdings nicht, um diesen einen Lagerraum herauszuputzen, sondern um die SOL ihren Wünschen entsprechend umzurüsten. Das Argument erscheint mir demnach nicht als stichhaltig.«
»Das Verhalten der Solaner ist in diesem Punkt stark emotional eingefärbt«, gab Julia zu bedenken.
»Mit anderen Worten: Sie handeln, was die Übergabe betrifft, schlicht und einfach irrational.«
»So ist es.«
»Es muss mehr dahinterstecken!«, widersprach Rhodan energisch. »Ich habe herausgefunden, dass im Mittelteil der SOL Räume seit einiger Zeit unbewohnt sind und offenbar nicht wieder bezogen werden dürfen. Dahinter beginnt eine Sperrzone. Die Wachtposten sind bewaffnet. Ich will wissen, was sie bewachen und was die Mediziner in dem isolierten Bereich tun. Warum wurden in den daran angrenzenden Räumen offenbar alle Verbindungen zu SENECAs Kontrollorganen unterbrochen? Was verstecken die SOL-Geborenen? Und warum unternimmt SENECA nichts gegen diesen Unfug?«
»Es besteht keine Veranlassung, gegen den Willen der SOL-Geborenen einzugreifen.«
»Was befindet sich in den abgesperrten Räumen?«
»Ich habe keine Informationen darüber.«
Rhodan blickte Julia misstrauisch an. Obwohl es eigentlich sinnlos war, wandte er sich an Romeo. »Du hast natürlich ebenfalls keine Informationen?«
»So ist es«, antwortete Romeo.
Rhodan nickte nachdenklich. »Wenn SENECA nicht weiß, was die SOL-Geborenen in diesem Sektor treiben, woher nimmt er dann die Gewissheit, dass kein Eingriff nötig ist?«
Die beiden Roboter schwiegen.
»Eine Seuche könnte eingeschleppt worden sein«, fuhr der Terraner unwillig fort. »Was dann?«
»Die SOL-Geborenen würden in einem solchen Fall nicht zögern, SENECAs Hilfe in Anspruch zu nehmen.«
Rhodan lachte bitter. »Sie handeln zurzeit stark emotional«, erinnerte er den Roboter spöttisch. »Nimm einmal an, sie hätten sich auf Datmyr-Urgan etwas eingefangen, auf das niemand vorbereitet war. Nun wollen sie mit aller Gewalt beweisen, dass sie selbst mit sämtlichen Problemen fertig werden können. Es verträgt sich nicht mit ihrem Stolz, eigenes Versagen einzugestehen. Wir Terraner sollen keine Gelegenheit haben, an ihren Fähigkeiten zu zweifeln.« Er sah die beiden Roboter an. »Haltet ihr die Informationen zurück?«, fragte er scharf. »Ist es, wie ich vermute?«
Romeo und Julia schwiegen.
»Antwortet!«, befahl Rhodan.
»Ihr Verhalten …«,
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